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Prüfbericht wirft Fragen auf: FAA-Aufsicht über Wartungspraktiken von SkyWest in der Kritik

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Ein neuer Prüfbericht des Amtes des Generalinspekteurs des amerikanischen Verkehrsministeriums (DOT) hat weitreichende Bedenken hinsichtlich der Aufsichtsführung der US-Luftfahrtbehörde FAA über die Wartungspraktiken der Fluggesellschaft SkyWest Airlines aufgeworfen.

Dem Bericht zufolge hat die FAA ihre eigenen Richtlinien nicht vollständig eingehalten und es versäumt, hartnäckige Probleme bei der regionalen Fluggesellschaft, die im Auftrag großer US-Airlines fliegt, in den vergangenen vier Jahren zu lösen. Insbesondere die sogenannten „remote return-to-service“ Wartungspraktiken, die eine Fernüberwachung von Problemen ohne die Anwesenheit von Technikern vor Ort ermöglichen, stehen im Zentrum der Kritik. Während die FAA die meisten der Mängel beheben will, verdeutlicht der Bericht die Spannungen zwischen Aufsichtsbehörden und Fluggesellschaften und wirft zugleich Fragen zur Sicherheit im regionalen Flugverkehr auf.

Anhaltende Mängel: Die „Remote Return-to-Service“-Praktiken von SkyWest

Der Bericht des DOT-Generalinspekteurs, der eine Untersuchung der Aufsichtsführung der FAA bei SkyWest zum Inhalt hatte, kommt zu einem ernüchternden Ergebnis. Seit 2021 hat das Certificate Management Office (CMO) der FAA, das für die Überwachung von SkyWest zuständig ist, die Probleme mit den „remote return-to-service“ Wartungspraktiken nicht vollständig gelöst. Bei diesen Praktiken handelt es sich um ein System, bei dem die Fluggesellschaft Probleme im Flugbetrieb ohne die physische Anwesenheit von Technikern am jeweiligen Standort beheben kann. Die FAA-Inspektoren äußerten ihre Frustration darüber, daß ihre Bemühungen durch die Airline verzögert wurden. Einige Inspektoren gaben sogar an, daß sie Bedenken hatten, diese Wartungspraktiken könnten zu einem Unfall beitragen.

In dem Bericht wird festgestellt, daß das CMO der FAA nicht immer die eigenen Richtlinien einhält, wenn es um die Behebung von Mängeln bei SkyWest geht. Während 26 von 32 identifizierten Problemen als gelöst gelten, bestehen die Mängel im Zusammenhang mit der Fernwartung weiterhin. Die Prüfer identifizierten eine Reihe weiterer problematischer Vorgehensweisen bei SkyWest, darunter das „unangemessene Aufschieben von Wartungsarbeiten“ für minimale Ausrüstungsgegenstände, das Abheben von Flugzeugen ohne die erforderlichen Inspektionen und der Einsatz von Piloten für Wartungsaufgaben, die nicht in den Wartungshandbüchern der Fluggesellschaft genehmigt sind. Hinzu kommt eine mangelnde Kooperationsbereitschaft, da SkyWest den Zugang zu Daten für das CMO verzögert hat.

SkyWest Airlines, die eine Flotte von 580 Flugzeugen betreibt, darunter CRJ200s, CRJ550s, CRJ700s, CRJ900s und Embraer E175s, ist eine der größten regionalen Fluggesellschaften in den Vereinigten Staaten. Sie führt Flüge im Auftrag von großen Fluggesellschaften wie United Airlines (als United Express), Delta Air Lines (als Delta Connection), American Airlines (als American Eagle) und Alaska Airlines (als Alaska SkyWest) durch. Aufgrund dieser Auftragsflüge ist die Sicherheit von SkyWest auch für die größeren Partner-Airlines von höchster Bedeutung.

In einer Stellungnahme an das Luftfahrtportal ch-aviation anerkannte SkyWest die Ergebnisse des Berichts. Das Unternehmen betonte, daß Sicherheit die höchste Priorität habe und die Grundlage ihres Betriebs sei. Man habe in den letzten Jahren, auch bei einem Personalwechsel in der CMO-Führung, zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um Mängel zu identifizieren und zu beheben.

Die Aufsichtsbehörde in der Kritik: FAA-Versäumnisse und geplante Maßnahmen

Der Bericht des DOT-Generalinspekteurs rückt nicht nur SkyWest, sondern auch die Aufsichtsbehörde selbst in den Fokus der Kritik. Die festgestellten Mängel in der Überwachung durch die FAA werfen die Frage auf, ob die Behörde ausreichend personell und strukturell ausgestattet ist, um die Sicherheit im immer komplexer werdenden Flugverkehr zu gewährleisten. Die FAA-Inspektoren, die ihre Frustration über die Verzögerungen bei der Behebung der Mängel äußerten, fühlen sich in ihren Bemühungen offensichtlich nicht ausreichend unterstützt.

Der DOT-Bericht hat insgesamt sieben Empfehlungen zur Verbesserung der Aufsicht der FAA über SkyWest’s Wartungsarbeiten ausgesprochen. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters hat die FAA sechs der sieben Empfehlungen zugestimmt und angekündigt, diese bis Juli 2026 umzusetzen. Zu den geplanten Maßnahmen gehören die Überprüfung und Anpassung der Aufsichtsrichtlinien, um sicherzustellen, daß die CMOs ihrer Rolle effektiver nachkommen können, sowie die Einführung besserer Mechanismen zur Durchsetzung der Compliance bei den Fluggesellschaften.

Dieser Fall zeigt, wie komplex und langwierig der Prozeß der Aufsicht über große Fluggesellschaften sein kann. Die FAA, die in der Vergangenheit mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert war, darunter auch die Überprüfung des Boeing 737 MAX, steht unter dem Druck, ihre Aufsichtsfunktionen zu stärken, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Flugsicherheit wiederherzustellen.

Die Expansion des Unternehmens und gewerkschaftliche Bedenken

Parallel zu den Wartungsproblemen steht SkyWest Airlines auch mit einem anderen Anliegen im Fokus: dem Aufbau ihrer Tochtergesellschaft SkyWest Charter. Das Unternehmen strebt eine Genehmigung an, um als Pendlerfluggesellschaft („commuter carrier“) planmäßige Passagierflüge durchzuführen. Dieser Antrag hat jedoch erheblichen Widerstand von den Gewerkschaften hervorgerufen.

Die Gewerkschaften argumentieren, daß die Genehmigung des Zertifikats für SkyWest Charter Sicherheitsrisiken, regulatorische Lücken und Herausforderungen für die Aufsicht mit sich bringen könnte. Sie befürchten, daß die neue Tochtergesellschaft versuchen könnte, die strengeren Arbeits- und Sicherheitsauflagen für den regulären Flugbetrieb zu umgehen. Im Februar 2025 stellte das DOT zwar fest, daß SkyWest Charter fit sei, diese Operationen durchzuführen, hat jedoch noch keinen endgültigen Beschluß zur Erteilung der Zertifizierung erlassen. Die Bedenken der Gewerkschaften, die die Situation genau beobachten, könnten die endgültige Entscheidung verzögern.

Die Schaffung von SkyWest Charter ist ein strategischer Versuch, in neue Marktsegmente vorzudringen und die Position des Unternehmens in der Luftfahrtindustrie zu stärken. Die aktuellen Prüfergebnisse und die Bedenken der Gewerkschaften könnten jedoch die Pläne des Unternehmens, seine Geschäftsfelder zu diversifizieren, behindern und die endgültige Genehmigung erschweren.

Vertrauen und Sicherheit als oberstes Gebot

Der Bericht des DOT-Generalinspekteurs über SkyWest Airlines und die FAA ist ein wichtiger Weckruf für die gesamte Luftfahrtindustrie. Er unterstreicht die Notwendigkeit einer robusten und unnachgiebigen Aufsicht, um die Sicherheit der Passagiere zu gewährleisten. Die festgestellten Mängel in den Wartungspraktiken und die Versäumnisse in der Aufsichtsführung zeigen, daß es in beiden Bereichen Verbesserungspotential gibt. Für SkyWest Airlines wird es entscheidend sein, die festgestellten Mängel schnell und transparent zu beheben, um das Vertrauen der Aufsichtsbehörden, der Partnerfluggesellschaften und vor allem der Fluggäste wiederherzustellen. Die Fähigkeit des Unternehmens, die Bedenken der FAA und der Gewerkschaften auszuräumen, wird nicht nur die Zukunft der geplanten Tochtergesellschaft, sondern auch die Position von SkyWest als einer der führenden regionalen Carrier in den USA maßgeblich beeinflussen. Die Luftfahrtindustrie ist auf Vertrauen aufgebaut, und dieses Vertrauen wird durch eine konsequente Einhaltung der Sicherheitsstandards und eine effektive Aufsicht gesichert.

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