Nach achtjähriger Beteiligung hat Qatar Airways den Verkauf ihrer gesamten Anteile an der Hongkonger Fluggesellschaft Cathay Pacific Airways bekannt gegeben. Die in Doha ansässige Airline trennt sich von ihrem 9,6-prozentigen Aktienpaket, das im Jahr 2017 für 662 Millionen US-Dollar erworben wurde, und erzielt nun einen Verkaufspreis von 896 Millionen US-Dollar. Cathay Pacific wird die Aktien zu einem Preis von 1,40 US-Dollar (10,8374 Hongkong-Dollar) pro Stück zurückkaufen.
Die Transaktion, die am 5. November 2025 der Hongkonger Börse gemeldet wurde, ist noch von der Zustimmung der unabhängigen Aktionäre von Cathay Pacific im Rahmen einer außerordentlichen Hauptversammlung abhängig. Dieser strategische Rückzug ist Teil der Neuausrichtung des Investitionsportfolios von Qatar Airways und wird von Cathay Pacific als Ausdruck des starken Vertrauens in die eigene Zukunft gewertet. Trotz des Endes der Kapitalbeteiligung haben beide Fluggesellschaften bekräftigt, ihre enge operative Zusammenarbeit innerhalb der globalen Luftfahrtallianz Oneworld fortzusetzen.
Details der Transaktion und die historische Beteiligung
Die nun beschlossene Veräußerung beendet eine bedeutende, achtjährige Investitionsbeziehung. Qatar Airways erwarb die 9,6-prozentige Beteiligung an Cathay Pacific im Jahr 2017 von der Hongkonger Kingboard Chemical Holdings und anderen Unternehmen. Diese Akquisition war seinerzeit bemerkenswert, da sie die erste Investition eines großen Luftfahrtunternehmens aus dem Nahen Osten in eine Fluggesellschaft in Ostasien darstellte.
Die formelle Mitteilung, die der Hongkonger Börse am 5. November 2025 übermittelt wurde, besagt, dass Qatar Airways eine verbindliche Zusage, die sogenannte „Deed of Undertaking“, unterzeichnet hat. Gemäß dieser Zusage hat sich Qatar Airways unwiderruflich verpflichtet, die 643.076.181 Aktien an Cathay Pacific im Rahmen eines außerbörslichen Rückkaufs an das Unternehmen zu veräußern. Der Rückkaufpreis von 10,8374 Hongkong-Dollar (entspricht 1,40 US-Dollar) pro Aktie entspricht einer Gesamttransaktionssumme von 896 Millionen US-Dollar.
Die Durchführung des Rückkaufvertrags ist an bestimmte Bedingungen geknüpft, wobei die Zustimmung der unabhängigen Aktionäre von Cathay Pacific auf einer außerordentlichen Hauptversammlung die wichtigste Hürde darstellt. Analysten sehen in dem erzielten Preis einen beachtlichen Kapitalgewinn für Qatar Airways, der die Rentabilität des ursprünglichen Investments widerspiegelt.
Strategische Begründung von Qatar Airways
Badr Mohammed Al-Meer, der Vorstandsvorsitzende der Qatar Airways Group, kommentierte die Entscheidung als Teil einer proaktiven Strategie zur Optimierung der Investitionen und zur Positionierung der Gruppe für langfristiges Wachstum. Er betonte, dass die Vereinbarung den disziplinierten Ansatz des Unternehmens im Portfoliomanagement und das Engagement für die Schaffung nachhaltigen Mehrwerts für seine Aktionäre widerspiegele.
Der Rückzug aus Cathay Pacific erfolgt nach einer Phase, in der Cathay Pacific nach der Bewältigung tiefgreifender Marktturbulenzen Rekordgewinne und eine starke operative Leistung verzeichnete. Dies könnte darauf hindeuten, dass Qatar Airways den Zeitpunkt als optimal erachtete, um Kapital freizusetzen und es in andere strategische Wachstumsbereiche oder Beteiligungen umzuschichten.
Trotz des Verkaufs der Anteile bekräftigte Al-Meer das anhaltende Interesse am Markt in Hongkong. Qatar Airways werde die Zusammenarbeit mit Cathay Pacific im Rahmen der Oneworld Alliance fortführen, um die Konnektivität und die Auswahlmöglichkeiten für die Passagiere zu verbessern. Hongkong bleibe ein wichtiger Markt, der weiterhin über Flüge und Codeshare-Abkommen bedient werde.
Die Zukunft von Cathay Pacific und die Rolle der Hauptaktionäre
Auf Seiten von Cathay Pacific wird der Aktienrückkauf als klares Bekenntnis zur eigenen Stärke und Zukunft interpretiert. Patrick Healy, der Vorsitzende der Cathay Group, äußerte sich zuversichtlich: „Der Rückkauf spiegelt unser starkes Vertrauen in die Zukunft der Cathay Group wider und unterstreicht unser Engagement für die Entwicklung des internationalen Luftfahrtdrehkreuzes Hongkong.“
Die Zurückgewinnung der Aktien wird die Eigentümerstruktur von Cathay Pacific signifikant verändern. Nach Abschluss des Rückkaufs erhöhen sich die Anteile der beiden verbleibenden Großaktionäre wie folgt:
- Swire Pacific: Deren Beteiligung wird auf 47,7 Prozent steigen. Swire Pacific ist ein traditionell stark in Hongkong verwurzelter Mischkonzern und gilt als langjähriger Kernaktionär von Cathay Pacific.
- Air China: Die Anteile der chinesischen Fluggesellschaft werden auf 37,8 Prozent anwachsen. Air China ist ebenfalls ein zentraler Partner und wichtiger Akteur im asiatischen Luftverkehrsmarkt.
Diese Konzentration der Anteile bei den beiden größten Partnern könnte die strategische Entscheidungsfindung und die operative Ausrichtung von Cathay Pacific in Zukunft vereinfachen. Cathay Pacific unterstreicht dieses Bekenntnis mit einer massiven Investition von weit über 100 Milliarden Hongkong-Dollar (etwa 12,9 Milliarden US-Dollar) über sieben Jahre in Flotte, Kabinenausstattung, Lounges und digitale Führung, die bereits im Vorjahr angekündigt wurde.
Flotteninvestitionen und Partnerschaft im Allianzrahmen
Die zukünftige Ausrichtung von Cathay Pacific wird durch erhebliche Flotteninvestitionen untermauert. Das Unternehmen hat derzeit eine Reihe von Flugzeugen bestellt, um seine Flotte zu modernisieren und zu erweitern. Dazu gehören 15 Airbus A321neos und 30 Airbus A330neos für das Passagiergeschäft. Darüber hinaus hat Cathay Pacific Cargo sechs Exemplare des noch nicht zertifizierten Airbus A350F Frachters in Auftrag gegeben. Für die Langstreckenflotte stehen 35 Boeing 777-9s auf der Bestellliste. Diese Investitionen zielen darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu sichern und die Position Hongkongs als globalen Luftfahrt-Hub zu stärken, insbesondere im Hinblick auf die Entwicklung der Greater Bay Area.
Trotz des Endes der finanziellen Verflechtung bleibt die operative Verbindung zwischen Qatar Airways und Cathay Pacific intakt. Beide Fluggesellschaften sind Gründungsmitglieder und wichtige Akteure der Oneworld Alliance. Die Fortführung der Zusammenarbeit durch diese Allianz sowie bestehende Codeshare-Abkommen ist von zentraler Bedeutung, um den Passagieren weiterhin nahtlose Reiseerlebnisse und ein breites Streckennetz zu bieten. Die Oneworld Alliance, zu der auch British Airways und American Airlines gehören, ist eine von drei globalen Hauptallianzen, die den Großteil des internationalen Flugverkehrs abdecken.
Das globale Beteiligungsportfolio von Qatar Airways
Der Verkauf der Cathay-Pacific-Anteile fügt sich in das breitere Muster des strategischen Investitionsportfolios von Qatar Airways ein, das in den letzten Jahren sehr aktiv war. Das Unternehmen hat sich international durch den Erwerb von Minderheitsbeteiligungen an einer Reihe von Fluggesellschaften positioniert.
Zu den wichtigsten bestehenden Beteiligungen zählen:
- International Airlines Group (IAG): Qatar Airways hält eine bedeutende Beteiligung von 25 Prozent an der Dachgesellschaft von British Airways, Iberia, Aer Lingus sowie der Billigfluggesellschaften Vueling und LEVEL.
- China Southern Airlines: Im Jahr 2019 erwarb das Unternehmen eine 5-prozentige Beteiligung an der größten Fluggesellschaft Chinas, die es weiterhin hält.
- Virgin Australia: Erst Anfang 2025 schloss Qatar Airways den Kauf einer 25-prozentigen Beteiligung an der australischen Fluggesellschaft ab.
- RwandAir: Aktuell befindet sich Qatar Airways in der Endphase der Übernahme einer 49-prozentigen Kapitalbeteiligung an der nationalen Fluggesellschaft Ruandas.
Diese breite Diversifizierung zeigt die Strategie von Qatar Airways, durch gezielte Beteiligungen globale Präsenz zu sichern und Zugang zu wichtigen Wachstumsmärkten in Europa, Asien, dem pazifischen Raum und Afrika zu erhalten. Die Freisetzung von Kapital durch den Cathay-Verkauf verschafft Qatar Airways zusätzliche Flexibilität für zukünftige Investitionen in diesen oder anderen strategisch wichtigen Bereichen.