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Qualitätsprobleme und Lieferdruck: Airbus A320-Programm in turbulenter Phase

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Der Flugzeughersteller Airbus sieht sich gegen Ende des Jahres 2025 mit einer doppelten Herausforderung konfrontiert, die sowohl die Produktionsqualität als auch die kritischen Software-Systeme seiner meistverkauften A320-Familie betrifft.

Wenige Tage, nachdem eine globale Flottenaktion zur Behebung einer Software-Schwachstelle in den Flugsteuerungssystemen in die Wege geleitet wurde, kam es zu Berichten über ein neu identifiziertes Qualitätsproblem an Rumpfplatten bei mehreren Dutzend im Bau befindlichen Flugzeugen. Diese Entwicklungen fallen in eine kritische Zeit, da Airbus unter erheblichem Druck steht, die ehrgeizigen Jahresauslieferungsziele zu erreichen. Während das Software-Problem, das die Flugsicherheit betraf, schnell behoben werden konnte, führen die Fertigungsfehler zu Verzögerungen bei den Auslieferungen und erhöhen die betriebliche Belastung in einem bereits angespannten Produktionsumfeld.

Neuer Produktionsfehler an Rumpfsegmenten

Das jüngste Problem betrifft einen festgestellten industriellen Qualitätsmangel an metallischen Rumpfplatten von A320-Flugzeugen, insbesondere aus der A320neo-Familie. Branchenquellen zufolge, die mit der Angelegenheit vertraut sind, handelt es sich bei dem vermuteten Fertigungsfehler um Abweichungen von den vorgeschriebenen Fertigungstoleranzen, die während routinemäßiger Qualitätskontrollen in der Produktion festgestellt wurden. Airbus bestätigte Berichte, wonach es sich um ein Qualitätsproblem bei einem Zulieferer handle, das eine begrenzte Anzahl von Flugzeugen betrifft.

Das Unternehmen versicherte, dass die Quelle des Problems identifiziert, eingedämmt und behoben sei, und dass alle neu produzierten Platten den Compliance-Standards entsprechen. Die Inspektion der betroffenen Flugzeuge in den Fertigungslinien hat jedoch begonnen, einige Auslieferungen im vierten Quartal 2025 zu verzögern. Obwohl die genaue Anzahl der betroffenen Rumpfplatten und die Dauer der notwendigen Nachbesserungen von der Lage und dem Ausmaß des Mangels abhängen, gaben Quellen an, dass nur ein Teil der potenziell betroffenen Flugzeuge zusätzliche Arbeiten erfordern wird. Entscheidend ist, dass bisher keine Anzeichen dafür vorliegen, dass das Problem Flugzeuge betrifft, die sich bereits im regulären Flugdienst befinden. Dies deutet darauf hin, dass die Vorsichtsmaßnahmen auf die Endmontage und die Auslieferungsphase beschränkt sind.

Dieses Qualitätsproblem verdeutlicht die Herausforderungen in der komplexen globalen Lieferkette, auf die sich moderne Flugzeughersteller stützen. Die Fertigung von Flugzeugstrukturen ist ein multinationaler Prozess, bei dem Rumpfsegmente und Komponenten von verschiedenen internen und externen Standorten stammen, was die Koordination und Qualitätssicherung zusätzlich erschwert. Die Notwendigkeit zusätzlicher Inspektionen und potenzieller Nacharbeiten an Flugzeugen, die kurz vor der Auslieferung stehen, kommt für den Hersteller zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

Kurzfristige Software-Korrektur und Flottenaktion

Die Entdeckung des Rumpfplattenfehlers erfolgte nur wenige Tage nach einem weitreichenden technischen Rückschlag im A320-Programm. Am 28. November 2025 wurden Fluggesellschaften weltweit angewiesen, vorsorgliche Software-Updates an den Elevator Aileron Computers (ELACs) ihrer A320-Familienflugzeuge durchzuführen. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) und Airbus stuften eine Schwachstelle in den Flugsteuerungssystemen als kritisch ein, die eine sofortige Reaktion erforderte.

Die technische Analyse ergab, dass eine kürzlich installierte Software-Version (Berichten zufolge L104) auf dem ELAC-Bordcomputer unter seltenen Bedingungen, insbesondere bei intensiver Sonnenstrahlung, anfällig für Datenkorruption sein konnte. Diese Korruption hätte schlimmstenfalls zu einer unkontrollierten Bewegung der Höhenruder führen können, welche die strukturellen Grenzen des Flugzeugs überschreiten könnte. Auslöser für die sofortige Flottenaktion war ein Zwischenfall im Oktober, bei dem ein Flug der A320-Familie einen unerwarteten Höhenverlust verzeichnete.

Als Reaktion darauf erließ die EASA eine Notfall-Lufttüchtigkeitsanweisung, die eine globale Aktualisierung der Software auf rund 6.000 Flugzeugen der A320-Familie zur Folge hatte. Die meisten Fluggesellschaften reagierten schnell, indem sie ein Software-Rollback auf die als stabil geltende Vorgängerversion L103+ durchführten. Airbus gab später bekannt, dass der Großteil der weltweiten Flotte innerhalb weniger Tage nach der Anweisung wieder den normalen Betrieb aufnehmen konnte. Weniger als hundert Flugzeuge benötigten Berichten zufolge noch tiefgreifendere Wartungsarbeiten, was auf eine erfolgreiche und rasche Bewältigung der Sicherheitsbedenken hindeutet. Die schnelle Reaktion der Luftfahrtbehörden und der Fluggesellschaften auf diese digitale Schwachstelle konnte eine größere, längerfristige Unterbrechung des Flugbetriebs verhindern.

Der Druck auf die Jahresbilanz

Die kumulativen technischen und qualitativen Probleme des A320-Programms haben eine direkte Auswirkung auf die finanziellen und operativen Ziele von Airbus. Der Flugzeughersteller verfolgt das ambitionierte Ziel, im Jahr 2025 rund 820 Flugzeuge auszuliefern. Nach 72 ausgelieferten Flugzeugen im November betrug die Gesamtzahl der Auslieferungen für das laufende Jahr 657.

Um das Jahresziel zu erreichen, müsste Airbus im Dezember eine historische Auslieferungszahl von über 160 Flugzeugen erreichen. Der bisherige Dezember-Rekord lag bei 138 Auslieferungen, aufgestellt im Jahr 2019. Die Notwendigkeit, diesen Rekord um einen signifikanten Betrag zu übertreffen, ist bereits unter optimalen Bedingungen eine große Herausforderung. Die nun aufgetretenen Verzögerungen durch die Inspektion und Nachbesserung der Rumpfplatten verschärfen den Zeitplan zusätzlich und erhöhen das Risiko, dass das jährliche Ziel verfehlt wird.

Die Aktienmärkte reagierten empfindlich auf die Nachricht des Rumpfplattenmangels. Die Kombination aus unerwartet niedrigen November-Auslieferungen und der neuen Produktionsherausforderung führte zu einem deutlichen Kursrückgang der Airbus-Aktie. Analysten äußerten Bedenken hinsichtlich der Zuverlässigkeit der Airbus-Produktionssysteme und der Fähigkeit des Unternehmens, die Produktionsrate wie geplant hochzufahren. Die Flugzeughersteller sind generell bestrebt, die Auslieferungen im vierten Quartal zu maximieren, da ein Großteil des Jahresumsatzes und Cashflows in dieser Zeit generiert wird. Jede Verzögerung bei Flugzeugen, die bereits von Kunden bezahlt werden sollen, hat somit eine unmittelbare finanzielle Konsequenz. Die Situation stellt Airbus vor die Aufgabe, nicht nur die technischen Probleme schnell zu lösen, sondern auch das Vertrauen der Investoren und die Einhaltung der Verpflichtungen gegenüber den Kunden unter extremem Zeitdruck sicherzustellen.

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