Nach mehr als 63 Jahren der Ungewissheit könnte eines der hartnäckigsten Luftfahrträtsel Chiles gelöst sein. Eine Gruppe von Wanderern hat in der abgelegenen Region Antofagasta auf dem Berg Cerro Moreno das mutmaßliche Wrack eines chilenischen Militärflugzeugs entdeckt.
Die gefundenen Überreste, darunter korrodierte Rumpfteile, Fensterrahmen und verwitterte Stoffreste, deuten darauf hin, daß es sich um den verschollenen B-26 Bomber der chilenischen Luftwaffe handelt, der am 10. Mai 1962 während eines Trainingsfluges mit drei Besatzungsmitgliedern verschwand. Der Fund könnte den Familien der Piloten nach Jahrzehnten der Suche endlich Gewißheit bringen.
Ein Flug ins Ungewisse: Der Verschollene Bomber und das „Cerro Moreno Dreieck“
Die Geschichte des verschwundenen Bombers Douglas B-26 Invader, mit der Kennnummer 838, ist eine von vielen Legenden, die sich um die raue und unwirtliche Landschaft Nordchiles ranken. Am 10. Mai 1962 startete das Flugzeug mit einer dreiköpfigen Besatzung zu einem Routine-Trainingsflug. An Bord befanden sich Leutnant Mario Sepúlveda Zúñiga, Oberleutnant Gracián Figueroa Navarrete und Oberleutnant Pedro Gutiérrez Araya. Kurz nach dem Start verlor die Flugverkehrskontrolle den Kontakt zur Maschine, die zuletzt über einer Gegend gesehen wurde, die in der lokalen Folklore als das „Cerro Moreno Dreieck“ bekannt ist. Dieser Name, der an das berühmte Bermudadreieck erinnert, entstand aufgrund mehrerer rätselhafter Flugzeug-Verschwinden in der Region.
Trotz einer intensiven, wochenlangen Suchaktion von Seiten der chilenischen Luftwaffe und ziviler Freiwilliger konnte das Flugzeug nie gefunden werden. Die Angehörigen der Besatzung mußten ohne eine endgültige Antwort auf das Schicksal ihrer Liebsten zurückbleiben. Über die Jahre hinweg gab es immer wieder Spekulationen und Gerüchte über den Verbleib der Maschine, aber keine der Spuren führte zu einem konkreten Ergebnis. Der Fall entwickelte sich zu einem der bekanntesten ungelösten Mysterien der chilenischen Luftfahrtgeschichte.
Eine Entdeckung nach Jahrzehnten: Die Suche von Hobbyforschern
Die mutmaßliche Entdeckung ist das Ergebnis der akribischen Arbeit von Hobbyforschern. Inspiriert durch ein Buch über lokale Flugzeug-Verschwinden in der Region, machte sich eine Gruppe von sieben Wanderern auf, das Rätsel zu lösen. Die Gruppe, zu der auch Mauro Gómez gehört, wanderte mehr als 19 Kilometer durch unwegsames, hochgelegenes Gelände, das für Fahrzeuge unzugänglich ist. Nach tagelangen Anstrengungen stießen sie auf Trümmer, die ihrer Meinung nach von einem Flugzeug stammen.
Die vorgefundenen Überreste umfassen korrodierte Rumpf- und Flügelteile, ovale Fensterrahmen, sowie Reste von Sonnenlicht-geschädigtem Stoff. Die Wanderer erkannten schnell, daß die Überreste aufgrund der dicke der Metalle und der Nietstrukturen militärischer Bauart zu sein schienen. Die Teile sind mit der Douglas B-26 Invader konsistent. Die Überreste wurden von den Wanderern unberührt gelassen, und der Fundort wurde umgehend den Behörden gemeldet. Es wird vermutet, daß die Teile des Wracks durch starke Regenfälle freigelegt wurden, die in der Wüstenregion Antofagasta selten sind.
Die Entdeckung hat in Chile große Hoffnungen geweckt. Die Familien der Besatzungsmitglieder, die seit Jahrzehnten im Ungewissen leben, könnten nun endlich einen Schlußstrich ziehen und die Trauer um ihre Angehörigen abschließen. Die offizielle Bestätigung durch die chilenische Luftwaffe steht noch aus, doch die Indizien sprechen eine klare Sprache. Experten der Luftfahrtbehörden und Militärs werden sich in den kommenden Tagen auf den Weg machen, um den Fund zu untersuchen und zu verifizieren.
Die Douglas B-26 Invader: Ein Flugzeug mit Geschichte
Die Douglas B-26 Invader ist ein leichtes, zweimotoriges Kampfflugzeug, das im Zweiten Weltkrieg und darüber hinaus von den US-Streitkräften und anderen Luftwaffen weltweit eingesetzt wurde. Das Flugzeug war für seine Robustheit und Vielseitigkeit bekannt. Im Koreakrieg spielte die B-26 eine wichtige Rolle als Nachtbomber und Aufklärer. Viele dieser Flugzeuge wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs an andere Luftwaffen verkauft oder verleast. Chile erwarb einige Exemplare für seine Luftstreitkräfte, um die militärische Kapazität zu modernisieren.
Die B-26 Invader, die 1962 verschwand, war ein solches Flugzeug. Ihre Mission, ein Trainingsflug, sollte die Piloten für den Routinebetrieb und die militärische Bereitschaft schulen. Das Verschwinden der Maschine während einer solchen Standardmission war damals ein Schock für die Öffentlichkeit und die chilenischen Streitkräfte.
Ein Ende der Suche: Hoffnung auf Gewißheit
Der Fund auf dem Cerro Moreno könnte die 63 Jahre andauernde Ungewißheit beenden. Für die Hinterbliebenen der Besatzungsmitglieder ist die Nachricht von unschätzbarem Wert. Oberleutnant Zúñiga, Oberleutnant Navarrete und Oberleutnant Araya galten seit damals als vermißt. Die Gewißheit über das Schicksal ihrer Angehörigen ist ein wichtiger Schritt in der Aufarbeitung dieses Traumas.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die offizielle Untersuchung den Fund bestätigen kann. Sollte dies der Fall sein, wird es eine genaue Untersuchung des Wracks geben, um die genaue Absturzursache zu ermitteln. Die Untersuchung könnte wichtige Hinweise auf die technischen Mängel oder meteorologischen Bedingungen liefern, die zum Absturz führten. Bis dahin bleibt der Fall ein faszinierendes Stück chilenischer Luftfahrtgeschichte, das nun kurz davorsteht, ein Ende zu finden.