Reaktion: Flughafen Wien wirft Greenpeace “plumpe Propaganda” vor

Terminal 1 am Flughafen Wien (Foto: Jan Gruber).
Terminal 1 am Flughafen Wien (Foto: Jan Gruber).

Reaktion: Flughafen Wien wirft Greenpeace “plumpe Propaganda” vor

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Österreichs größter Flughafen, Wien-Schwechat, reagiert auf eine Aussendung der Umweltorganisation Greenpeace und widerspricht dieser diametral. In der Headline der Medienerklärung spricht der Airport gar von „plumper Propaganda“.

Das Klimathema ist generell sehr heikel und es werden die unterschiedlichsten Ansichten vertreten. Aus diesem Grund bringt Aviation Direct die Informationen von Greenpeace und der Flughafen Wien AG in zwei separaten Artikeln, die zeitgleich erscheinen. Um Lesern größtmögliche Entscheidungsmöglichkeiten bieten zu können, wurden die Artikel auch von unterschiedlichen Redakteuren des Aviation Direct Teams bearbeitet. Die Sichtweise der Umweltschutzorganisation ist unter diesem Link zu lesen.

Die Flughafen Wien AG bezieht sich in ihrer Medienerklärung auf eine aktuelle Studie der Eurocontrol, die heuer erstellt wurde. Diese kommt unter anderem zum Schluss, dass Kurzstreckenflüge „vielfach unverzichtbare Zubringerflüge für Mittel- und Langstreckenverbindungen“ sind. Weiters: „Eine der Kernaussagen ist, dass diese aktuell auch durch die Bahn nicht ersetzt werden können, weil vielfach das Bahnangebot nicht oder nur unzureichend vorhanden ist. Der dafür notwendige Bahnausbau wird nicht nur Jahrzehnte dauern, sondern auch gewaltige Milliardenbeträge verschlingen“.

Weiters argumentiert die Flughafen Wien AG auf Grundlage der Eurocontrol-Studie, dass in Europa die Kurzstreckenflüge 24,1 Prozent aller Verbindungen ausmachen würde. Der Anteil an den Kohlenstoffdioxid-Emissionen soll demnach bei 3,8 Prozent liegen. Weltweit gesehen wäre die Luftfahrt für 2,7 Prozent des Kohlenstoffdioxid-Ausstoßes verantwortlich. In Europa für 0,52 Prozent in Österreich für 0,16 Prozent.

Flughafen Wien verweist auf hohen Transferanteil

Weiters führt der größte Airport Österreichs an, dass auf vielen Kurzstrecken der Transferanteil sehr hoch ist. Als Beispiel wird die München-Strecke angeführt. Man schreibt unter anderem: „So liegt der Transferanteil auf der Flugverbindung Wien-München bei 80%. Ein leistungsfähiger Bahnanschluss existiert nicht – der Flughafen München ist via Schiene nur mittels Schnellbahn über den Münchner Hauptbahnhof erreichbar. Die Nachtzugsverbindungen nach Frankfurt, Brüssel oder Paris mit Fahrzeiten von 10 Stunden und mehr machen ein Umsteigen auf Weiterflüge ebenfalls nahezu unmöglich: In den meisten Fällen kommt der Zug zu spät am Airport an und erfordert daher eine zusätzliche Nächtigung oder es gibt schlichtweg keine Fernzugsanbindung zum jeweiligen Flughafen“.

Für Wien argumentiert man man, dass rund 70 Prozent der Austrian-Airlines-Passsagiere, die Kurzstreckenflüge unter 400 Kilometer nutzen, an in der Bundeshauptstadt umsteigen. „Die Langstrecke wird zu 55 Prozent von Umsteigepassagieren genutzt, bei Osteuropa-Verbindungen sogar zu 65 Prozent“, so der Airport Wien. „Ein Verbot von Kurzstreckenflügen nach Wien würde lediglich dazu führen, dass die Reisenden Flugverbindungen zu anderen weiter entfernten Airports nutzen, wie das Beispiel Graz-Wien zeigt: Über 90 Prozent der Flugreisenden von Graz nach Wien steigt am Wiener Airport in weitere Mittel- und Langstreckenflüge um. Würde dieser Zubringerflug verboten, steigen die Reisenden entweder ins Auto oder in ein anderes Flugzeug nach Frankfurt oder München – aber mit Sicherheit nicht in die Bahn, die für diese Strecke weiterhin über 2 Stunden benötigt“.

Bahn und Flüge sollten sich gegenseitig ergänzen

Die Flughafen Wien AG vertritt auch die Ansicht, dass es nicht zielführend ist, dass so genannte Klimaschützer die Verkehrsmittel Flugzeug und Bahn in einen Gegensatz stellen. Sinnvoller wäre es, wenn sich diese gegenseitig ergänzen. „Die Bahnanbindung Linz-Wien zeigt, dass beide Verkehrssysteme einander erfolgreich ergänzen können. Einen ähnlichen Bahnausbau in Richtung Osten fordert der Flughafen Wien bereits seit vielen Jahren. Nachtzüge zu innereuropäischen Hauptstädten mit Fahrtdauern von mehr als 10 Stunden, mit teilweise mehreren Umsteigevorgängen sind als Ergänzung sinnvoll, stellen für Geschäftsreisende aber jedenfalls keine praktikable und konkurrenzfähige Alternative gegenüber der Luftfahrt dar“, so der Airport Wien.

Abschließend zieht der größte Flughafen Österreichs folgendes Fazit: „Die Forderungen von Greenpeace nach einem Verbot für Kurzstreckenflüge erscheinen für den Flughafen Wien in einer Zeit, in der die heimische Luftfahrt und der Tourismus noch tief in der Bewältigung der Corona-Krise stecken, kontraproduktiv und unverantwortlich: An der Luftfahrt hängen über 90.000 Arbeitsplätze in ganz Österreich. Der richtige Weg für klimafreundliches Fliegen ist es, durch Förderungen und Beimengungspflichten die großflächige Markteinführung von CO2-neutralen alternativen Treibstoffen voranzutreiben. Die Technologie zur Herstellung von synthetischem Kerosin existiert bereits. Flugbezogene Steuern sollten zweckgebunden als Fördermittel für Forschung und Entwicklung sowie die Einführung von gesetzlichen Beimengungspflichten verwendet werden. Das würde eine weitreichende Nachfrage nach alternativen Treibstoffen ankurbeln und so einen entsprechenden Markt schaffen und wäre ein planbarer und gesicherter Pfad zur CO2-Reduktion“.

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Jan Gruber ist Leitender Redakteur von Aviation.Direct. Zuvor war er seit 2012 in selbiger Funktion bei AviationNetOnline (vormals Austrian Aviation Net) tätig. Er ist auf Lowcost-Carrier, Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region und tiefgehende Recherchen spezialisiert.

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