Die Schweizer Fluggesellschaft Swiss hat die Vorwürfe des Pilotenverbandes Aeropers im Streit um den neuen Gesamtarbeitsvertrag zurückgewiesen. Der Tochtergesellschaft der Deutschen Lufthansa zufolge wurden in den vergangenen Monaten sechs Verhandlungsrunden an insgesamt 17 Verhandlungstagen abgehalten.
Das Management bedauert ausdrücklich die Entscheidung der Arbeitnehmervertretung, die offiziellen Gespräche bis Ende August zu unterbrechen. Die Airline betont ihre Bereitschaft, den Dialog umgehend fortzusetzen, verweist jedoch darauf, dass Zugeständnisse auf beiden Seiten erforderlich seien, um vor dem Auslaufen des aktuellen Vertrags Ende 2026 eine tragfähige Lösung zu erzielen.
Unabhängig vom Fortgang der Tarifgespräche kündigte die Fluggesellschaft organisatorische Anpassungen für das Cockpitpersonal an. So wird die Altersgrenze für den regulären Flugdienst auf freiwilliger Basis vom vollendeten 61. auf das 62. Lebensjahr angehoben. Des Weiteren soll ab dem Jahr 2027 die Systematik bei der Gewährung langfristiger Freitage überarbeitet werden, um Dienstpläne verlässlicher zu gestalten. Das Management wertet diese Maßnahmen als direkte Reaktion auf die hohe Belastung der Besatzungen, stellt jedoch klar, dass diese betrieblichen Regelungen keinen vollwertigen Ersatz für eine vertragliche Einigung darstellen.
Die Gewerkschaft Aeropers hatte zuvor beklagt, dass sich Swiss in den Verhandlungen an der Konzernpolitik der Muttergesellschaft Lufthansa orientiere und damit bewährte Schweizer Sozialpartnerschaften gefährde. Zudem wird der airlineübergreifende Mangel an Flugpersonal als wesentlicher Grund für die angespannte Personallage genannt, die das Unternehmen derzeit auch durch die Inanspruchnahme von Wet-Lease-Kapazitäten externer Partner auszugleichen versucht. Die verfahrenen Verhandlungen erhöhen den Druck auf die Führung der Fluggesellschaft, einen drohenden Arbeitskampf zu vermeiden und die operative Stabilität am Drehkreuz Zürich sicherzustellen.
Branchenbeobachter werten die einseitig angekündigten Maßnahmen der Fluggesellschaft als Versuch, die Stimmung innerhalb des Pilotenkorps zu beruhigen und der Gewerkschaft Wind aus den Segeln zu nehmen. Dennoch bleibt unklar, ob punktuelle Erleichterungen bei Dienstzeiten und Pensionsgrenzen ausreichen, um das festgefahrene Vertrauensverhältnis wiederherzustellen. Ohne eine einvernehmliche Einigung drohen der Airline im Laufe des Jahres 2026 erhebliche betriebliche Einschränkungen, falls die Gewerkschaft nach der Sommerpause zu schärferen Maßnahmen greift.