Der Rechnungshofausschuss des österreichischen Nationalrats hat am 3. November 2026 die Berichte zur Angebotsplanung der ÖBB-Personenverkehr AG sowie zum bundesweiten Klimaticket einstimmig zur Kenntnis genommen.
Der Prüfbericht für den Zeitraum 2019 bis 2024 belegt erhebliche Qualitäts- und Zuverlässigkeitseinbußen im Schienenverkehr trotz eines Fahrgastzuwachses von 27 Prozent im vergangenen Jahrzehnt. So fiel die Gesamtpünktlichkeit der ÖBB im Jahr 2024 auf einen Tiefststand von 93,6 Prozent, während im Fernverkehr lediglich 78,2 Prozent der Züge pünktlich ihr Ziel erreichten. Als Ursachen nennt der Rechnungshof verzögerte Fahrzeuglieferungen, Wartungsrückstände, Baustellen sowie internationale Verspätungen und empfiehlt eine Anpassung des Fahrplanangebots an die realen Flottenkapazitäten.
Parallel dazu thematisierte der Ausschuss die Evaluierung des Klimatickets für die Jahre 2019 bis 2023. Obwohl die Verkaufszahlen im Jahr 2023 mit über 240.000 Tickets die ursprünglichen Prognosen um das Doppelte übertrafen, bezifferten die Prüfer die direkten Verlagerungseffekte vom Individualverkehr auf die Schiene als gering im Verhältnis zu den aufgewendeten Mitteln. Für den Zeitraum von Oktober 2021 bis Ende 2024 summierten sich die staatlichen Budgetzuschüsse auf 520 Millionen Euro für das bundesweite Klimaticket sowie weitere 610 Millionen Euro für die regionalen Netzwerkkarten der Bundesländer. Zudem bemängelte das Prüforgan die unzureichende Datenerhebung zum tatsächlichen Nutzerverhalten und die Einführung des kostenlosen Tickets für 18-Jährige ohne Vorabanalysen.
Verkehrsminister Peter Hanke nahm zu den Berichten Stellung und kündigte strukturelle Anpassungen im ÖBB-Konzern an. Ziel sei der Abbau organisatorischer Doppelgleisigkeiten und eine Ausrichtung der Betriebsqualität am Standard der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB). Ein im Jahr 2024 eingeleiteter Qualitätssicherungsprozess bei den ÖBB soll ab der Fahrplanperiode 2026 seine volle Wirkung entfalten. In Bezug auf das Klimaticket verteidigte Hanke die Beibehaltung des Produkts, verwies jedoch auf notwendige Einsparungen wie die Einstellung der Gratis-Abos für 18-Jährige sowie eine geplante Preisanpassung um zwei Prozent für das Jahr 2027.