Waldbrände in Urlaubsregionen führen im Sommer regelmäßig zu komplexen reiserechtlichen Auseinandersetzungen. Für die rechtliche Beurteilung ist dabei primär die gewählte Reiseform maßgeblich. Während Pauschalreisende durch die Umsetzung der EU-Pauschalreiserichtlinie europarechtlich weitgehend geschützt sind, tragen Individualreisende ein erheblich höheres finanzielles Risiko.
Wenn Naturkatastrophen das Reiseziel unmittelbar bedrohen, durch Rauch belasten oder Behörden Evakuierungen anordnen, gestattet das Recht bei Pauschalreisen einen kostenfreien Rücktritt vor Reisebeginn oder Preisminderungen sowie eine Kündigung während des Aufenthalts. Da Waldbrände juristisch als unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände eingestuft werden, entfallen jedoch Schadensersatzansprüche gegen Reiseveranstalter oder Fluggesellschaften.
Bei der konkreten Umsetzung der EU-Vorgaben zeigen sich im nationalen Vergleich zwischen Deutschland und Österreich feine, aber wesentliche Unterschiede im Detail. In Deutschland sind die Bestimmungen in den §§ 651a ff. des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) verankert, während in Österreich das Pauschalreisegesetz (PRG) Anwendung findet. Nach österreichischem Recht (§ 10 PRG) kann der Reisende vor Reisebeginn ohne Stornogebühr zurücktreten, wenn am Bestimmungsort oder in dessen unmittelbarer Nähe unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände auftreten, die die Durchführung der Reise oder die Beförderung an den Zielort erheblich beeinträchtigen. Analog zum deutschen BGB verpflichtet auch das österreichische PRG den Veranstalter, geleistete Zahlungen innerhalb von 14 Tagen vollständig zu erstatten.
Deutliche Abweichungen ergeben sich jedoch bei Individualbuchungen bezüglich der Stornierung von Hotelunterkünften. Während in Deutschland das Vertretungs- und Leistungsstörungsrecht des BGB greift, kommt in Österreich bei Beherbergungsverträgen häufig das Allgemeines Bürgerliche Gesetzbuch (ABGB) sowie die Österreichischen Hotelvertragsbedingungen (ÖHV) zur Anwendung. Nach § 1104 ABGB entfällt die Zahlungspflicht des Gastes, wenn die Erreichung oder Nutzung des Beherbergungsbetriebs durch Elementarereignisse wie Brände oder Hochwasser völlig unmöglich wird. Ist das Hotel jedoch weiterhin erreichbar und nutzbar, bleibt der Gast nach österreichischem Recht zur Zahlung verpflichtet, selbst wenn die Anreise durch gesperrte Verkehrswege im Umfeld erschwert ist.
Sowohl nach deutscher als auch nach österreichischer Rechtsprechung stellt eine bloß abstrakte Befürchtung oder eine Reisewarnung ohne unmittelbare Betroffenheit des konkreten Urlaubsorts keinen kostenfreien Rücktrittsgrund dar. Juristen raten Betroffenen in beiden Ländern daher eindringlich dazu, Rauchbelastungen, behördliche Evakuierungsaufrufe oder Infrastrukturausfälle vor Ort gründlich zu dokumentieren. Bei Flugausfällen greift für Individualreisende in beiden Staaten gleichermaßen die EU-Fluggastrechteverordnung, die Betreuungsleistungen und Ticketerstattungen vorschreibt, Ausgleichszahlungen wegen der höheren Gewalt durch die Brände jedoch ausschließt.