Regiojet-Garnitur in Wien (Foto: Jan Gruber).
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RegioJet gewinnt Ausschreibung für Schnellzugstrecke R10

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Das tschechische Verkehrsministerium hat das private Eisenbahnverkehrsunternehmen RegioJet mit dem Betrieb der Schnellzuglinie R10 auf der Strecke von Prag über Hradec Králové nach Trutnov beauftragt.

Die Betriebsaufnahme ist für den Fahrplanwechsel im Dezember 2028 vorgesehen. RegioJet setzte sich in der öffentlichen Ausschreibung mit einem Angebot von 70,40 Tschechischen Kronen (CZK) pro Zugkilometer durch. Dieser Betrag liegt deutlich unter der aktuellen Vergütung von 246,80 CZK pro Zugkilometer, die derzeit an den Staatskonzern České dráhy gezahlt wird. Über die vereinbarte Vertragslaufzeit von sechs Jahren entspricht dies einer potenziellen Einsparung für die öffentliche Hand von knapp zwei Milliarden Kronen.

Der Zuschlag beinhaltet die Verpflichtung zur Modernisierung des eingesetzten Wagenmaterials. RegioJet plant den Einsatz von gebrauchten, aber umfassend umgebauten Reisezugwagen, die in drei Beförderungsklassen unterteilt werden. Zur vorgesehenen Ausstattung gehören eine Klimatisierung, kostenfreies WLAN, Steckdosen, USB-Anschlüsse sowie barrierefreie Bereiche und Abstellmöglichkeiten für Fahrräder und Kinderwagen. An Bord soll das herkömmliche Verpflegungskonzept des Anbieters mit kostenlosen Getränken und Gastronomiediensten umgesetzt werden. Zudem strebt das Unternehmen die Einrichtung einer eigenen Bahnhofslounge in Hradec Králové an.

Branchenbeobachter und Verkehrsjournalisten bewerten den extrem niedrigen Kilometerpreis jedoch mit Skepsis. Die erhebliche Differenz zum bisherigen Subventionsbedarf wirft Fragen hinsichtlich der langfristigen Kalkulation und der betriebswirtschaftlichen Tragfähigkeit auf. Da die Entscheidung des Verkehrsministeriums noch nicht rechtskräftig ist, bleibt der Ausgang des Verfahrens vorerst offen. Unterlegene Bieter wie die Staatsbahn České dráhy haben die Möglichkeit, innerhalb der gesetzlichen Fristen Einspruch gegen das Vergabeergebnis einzulegen und die Kalkulationsgrundlagen gerichtlich überprüfen zu lassen.

Der geplante Betreiberwechsel steht beispielhaft für die fortschreitende Liberalisierung des Schienenpersonennah- und Fernverkehrs in der Tschechischen Republik. Während der Eintritt privater Anbieter auf den Hauptstrecken zu einer Erhöhung des Sitzplatzangebots geführt hat, stehen die Eisenbahnverkehrsunternehmen vor der Herausforderung, steigende Personalkosten und Trassenpreise abzufedern. Der wirtschaftliche Erfolg auf der Linie R10 wird maßgeblich davon abhängen, ob RegioJet den zugesagten Qualitätsstandard ohne spätere Nachforderungen an den Aufgabenträger aufrechterhalten kann.

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