Flugzeugkabine (Foto: Jackie Alexander/Unsplash).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Reisen mit psychischen Erkrankungen: Wichtige Hinweise und Rechte für Flugpassagiere

Werbung

Das Reisen per Flugzeug ist für viele Menschen eine selbstverständliche Angelegenheit, die regelmäßig Teil ihres Lebens ist. Für Menschen mit psychischen Erkrankungen jedoch kann die Vorstellung, in einem engen Flugzeug zu sitzen, starker Lärmbelastung ausgesetzt zu sein und sich den Herausforderungen einer unvorhersehbaren Reiseroute zu stellen, ein erheblicher Stressfaktor sein. Flugreisen stellen in solchen Fällen nicht nur eine körperliche, sondern auch eine psychische Herausforderung dar.

Doch auch für Menschen mit psychischen Erkrankungen sind Flugreisen grundsätzlich möglich, wenn sie gut vorbereitet sind und wissen, wie sie ihre Reise sicher und komfortabel gestalten können. Dieser Artikel beleuchtet im Detail, welche Vorkehrungen Flugpassagiere mit psychischen Erkrankungen treffen sollten, welche Rechte sie haben und welche Unterstützung von den Fluggesellschaften erwartet werden kann.

Ärztliche Atteste und das Fit-to-Fly-Zertifikat

Bevor eine Reise mit dem Flugzeug angetreten wird, sollte der Passagier mit psychischer Erkrankung unbedingt den Hausarzt oder Facharzt für Psychiatrie aufsuchen. Dies dient nicht nur der Beurteilung der körperlichen Gesundheit, sondern auch der Feststellung, ob die psychische Verfassung des Reisenden den Flug gesundheitlich unbedenklich macht. Fluggesellschaften verlangen in vielen Fällen ein sogenanntes „Fit-to-Fly-Attest“. Dieses Attest bestätigt, dass der Passagier in der Lage ist, die Reise ohne gesundheitliche Risiken für sich selbst oder andere zu unternehmen. Wichtig: Viele Airlines verlangen die ärztliche Bescheinigung auf ihrem eigenen Vordruck, der entweder auf der Homepage zum Download verfügbar ist oder aber auf Anfrage durch den Kundenservice zugeschickt wird. Dies sollte unbedingt beachtet werden, da es immer wieder vorkommt, dass wenn der airline-eigene Vordruck nicht genutzt wird, dass die Beförderung verweigert werden kann.

Für Menschen mit psychischen Erkrankungen ist das Fit-to-Fly-Attest besonders wichtig. Da Flugreisen stressig und die Bedingungen an Bord manchmal herausfordernd sein können, verlangen viele Fluggesellschaften eine Bestätigung, dass der Passagier auch während des Flugs sicher betreut werden kann. Das Attest wird von einem Facharzt ausgestellt, in der Regel von einem Psychiater, Psychotherapeuten oder einem Hausarzt, der mit der psychischen Verfassung des Reisenden vertraut ist. Das ärztliche Attest sollte nicht nur die generelle Flugfähigkeit bescheinigen, sondern auch Hinweise darauf geben, wie der Passagier während des Fluges gegebenenfalls unterstützt werden muss.

Anmeldung bei der Fluggesellschaft und besondere Vorkehrungen

Es ist von entscheidender Bedeutung, dass Flugpassagiere mit psychischen Erkrankungen ihre Fluggesellschaft vor der Reise über ihre gesundheitliche Situation informieren. In vielen Fällen kann dies durch das Ausfüllen eines speziellen Formulars oder durch einen direkten Kontakt zum Kundenservice der Fluggesellschaft erfolgen. Die frühzeitige Anmeldung ermöglicht es der Airline, sicherzustellen, dass entsprechende Maßnahmen getroffen werden, um den Flug so angenehm und sicher wie möglich zu gestalten.

Viele Fluggesellschaften sind verpflichtet, Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen – einschließlich psychischer Erkrankungen – zu unterstützen. Diese Unterstützung kann unterschiedliche Formen annehmen:

  • Individuelle Sitzplatzanpassungen: Manchmal benötigen Passagiere mit psychischen Erkrankungen mehr Platz oder bevorzugen einen bestimmten Sitzplatz, zum Beispiel am Gang, um sich sicherer zu fühlen.
  • Zusätzliche Unterstützung beim Boarding: Passagiere mit psychischen Erkrankungen können auf Wunsch beim Ein- und Aussteigen assistiert werden, um Stress zu vermeiden. Auch Hilfe beim Umgang mit Sicherheitsvorkehrungen oder Informationen zum Ablauf des Fluges kann ein wesentlicher Bestandteil der Unterstützung sein.
  • Medizinische Betreuung: Sollte während des Fluges eine gesundheitliche Krise auftreten, ist es wichtig, dass die Fluggesellschaft über den Zustand des Passagiers informiert ist, um sofortige Hilfe leisten zu können. In einigen Fällen wird auch ein medizinisches Notfallteam an Bord gebracht, wenn der Zustand des Passagiers dies erfordert.

Die rechtzeitige Information ermöglicht es, dass die nötigen Vorkehrungen getroffen werden, um den Passagier während des gesamten Fluges zu betreuen.

Verweigerung der Beförderung: Wann darf die Fluggesellschaft die Beförderung ablehnen?

Obwohl Fluggesellschaften verpflichtet sind, Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen zu unterstützen, gibt es dennoch Situationen, in denen die Beförderung verweigert werden kann. Fluggesellschaften dürfen einem Passagier die Beförderung jedoch nur dann verweigern, wenn die Person eine unmittelbare Gefahr für sich selbst oder andere darstellt. Diese Regelung ist dazu da, die Sicherheit aller Passagiere an Bord zu gewährleisten.

Ein Beispiel, in dem die Beförderung verweigert werden könnte, ist, wenn ein Passagier aufgrund seiner psychischen Erkrankung nicht in der Lage ist, die Sicherheitsvorkehrungen während des Fluges zu befolgen oder sich in einer Weise verhält, die zu einer Gefahr für andere Passagiere oder die Crew führen könnte. Diese Entscheidung muss jedoch nicht willkürlich getroffen werden, sondern muss auf klaren medizinischen Bewertungen und dem Urteil des Fachpersonals basieren.

Sollte die Fluggesellschaft eine Beförderung verweigern, ist sie gesetzlich verpflichtet, dem Passagier die Gründe dafür mitzuteilen und alternative Lösungen anzubieten. Dies könnte beispielsweise die Möglichkeit sein, den Flug auf einen späteren Zeitpunkt umzubuchen oder den Ticketpreis zu erstatten. Die Fluggesellschaft darf den Passagier jedoch nicht ohne Unterstützung im Stich lassen und muss sicherstellen, dass eine andere Lösung gefunden wird.

Assistenzleistungen für Passagiere mit psychischen Erkrankungen

Flughäfen und Fluggesellschaften sind gesetzlich verpflichtet, Menschen mit besonderen Bedürfnissen, einschließlich psychischer Erkrankungen, Unterstützung zu leisten. Zu diesen Assistenzleistungen gehören unter anderem:

  • Spezielle Unterstützung beim Boarding und der Sicherheitskontrolle: Fluggesellschaften bieten Hilfe beim Einsteigen, beim Umgang mit der Sicherheitskontrolle und beim Verlassen des Flugzeugs. Diese Unterstützung hilft, Stress zu minimieren, insbesondere für Reisende, die Schwierigkeiten haben, mit den oft überwältigenden Abläufen eines Fluges umzugehen.
  • Ruhige Bereiche am Flughafen: Einige Flughäfen bieten spezielle Ruhezonen für Reisende an, die sich aufgrund ihrer psychischen Erkrankung in einem besonders stressigen Umfeld befinden. Diese Bereiche ermöglichen eine Rückzugsmöglichkeit vor dem Flug, um Angst oder andere Symptome zu lindern.
  • Unterstützung während des Flugs: Falls erforderlich, wird die Crew des Flugzeugs den Passagier während des Flugs unterstützen. Das kann beispielsweise durch die Bereitstellung eines speziellen Sitzplatzes, die Möglichkeit, sich zu entspannen, oder die Hilfe beim Einnahmen von Medikamenten geschehen. In besonders kritischen Fällen kann auch ein medizinisches Team an Bord hinzugezogen werden, um im Notfall zu helfen.

Rechte der Passagiere bei Problemen während des Fluges

Sollte während des Fluges eine gesundheitliche Krise auftreten, etwa eine akute Verschlechterung des Gesundheitszustands oder ein psychischer Notfall, so haben Passagiere das Recht auf sofortige Unterstützung. Die Besatzung ist darauf geschult, auf gesundheitliche Notfälle zu reagieren. In solchen Fällen muss die Fluggesellschaft sicherstellen, dass die Passagiere während des Fluges nicht gefährdet werden und, wenn nötig, eine medizinische Versorgung organisiert wird.

Die Passagiere haben das Recht, sich bei der Crew zu melden, wenn sie während des Fluges Unterstützung benötigen. Die Crew ist verpflichtet, alle möglichen Maßnahmen zu ergreifen, um dem Passagier zu helfen, und gegebenenfalls die Situation mit Fachpersonal an Bord oder am Boden zu koordinieren.

Tipps für eine sichere Flugreise mit psychischen Erkrankungen

  • Frühzeitige Vorbereitung: Beginnen Sie frühzeitig mit der Planung und informieren Sie Ihre Fluggesellschaft und Ihren Arzt über Ihre gesundheitliche Situation. Je früher alle notwendigen Vorkehrungen getroffen werden, desto besser können unangenehme Überraschungen vermieden werden.
  • Medikamentenversorgung: Stellen Sie sicher, dass Sie während der Reise alle erforderlichen Medikamente dabei haben und sich genau an die vom Arzt verschriebenen Anweisungen halten. Es ist ratsam, Medikamente in der Originalverpackung mitzuführen und alle nötigen Rezepte oder ärztlichen Bescheinigungen griffbereit zu haben.
  • Beruhigungstechniken: Es kann hilfreich sein, während des Fluges Entspannungsübungen zu praktizieren. Dazu gehören Atemtechniken, Meditation oder das Hören beruhigender Musik. Diese Techniken können helfen, Stress abzubauen und die Reise angenehmer zu gestalten.
  • Begleitperson: Wenn möglich, reisen Sie mit einer Begleitperson, die mit Ihrer Situation vertraut ist und im Notfall schnell eingreifen kann. Diese Person kann Ihnen auch emotionalen Rückhalt bieten und dafür sorgen, dass Sie sich sicher fühlen.
  • Beratungseinrichtungen: Es gibt zahlreiche Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen, die Menschen mit psychischen Erkrankungen bei der Reiseplanung unterstützen können. Diese Organisationen bieten wertvolle Informationen und Ratschläge, wie man sich auf eine Flugreise vorbereitet, und können helfen, zusätzliche Ressourcen und Unterstützung bereitzustellen.

Das Reisen mit psychischen Erkrankungen stellt für viele eine zusätzliche Herausforderung dar. Doch mit der richtigen Vorbereitung und den notwendigen Unterstützungsmaßnahmen ist eine Flugreise auch für Menschen mit psychischen Erkrankungen sicher und komfortabel möglich. Eine frühzeitige ärztliche Untersuchung, das Einholen eines Fit-to-Fly-Zertifikats und die rechtzeitige Anmeldung bei der Fluggesellschaft sind wichtige Schritte, um die Reise reibungslos und angenehm zu gestalten. Wer seine Rechte kennt und sich rechtzeitig über die Assistenzmöglichkeiten informiert, kann auf einen entspannten Flug hoffen.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung