Rekord: Gunther Pitterka “sammelte” 1.582 Flughäfen

Gunther Pitterka wird in Lido empfangen (Foto: Jan Gruber).
Gunther Pitterka wird in Lido empfangen (Foto: Jan Gruber).

Rekord: Gunther Pitterka “sammelte” 1.582 Flughäfen

Gunther Pitterka wird in Lido empfangen (Foto: Jan Gruber).
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Eigentlich ist Gunther Pitterka „Vollblut-Eisenbahner“, denn er ist Inhaber und Geschäftsführer der Salzburger Eisenbahn Transport Logistik GmbH. Die private Bahngesellschaft ist nicht im Personenverkehr aktiv, sondern befördert Güter kreuz und quer durch Europa. Mittlerweile besitzt man zahlreiche Diesel- und Elektrolokomotiven und beschäftigt weit über 200 Mitarbeiter.

Pitterka, der ursprünglich unter Flugangst litt, hat aber auch „Kerosin im Blut“. In seiner Freizeit „sammelt“ er nämlich Flughäfen. Er hat sich irgendwann zum Ziel gesetzt, dass er jener Mann werden möchte, der auf den meisten Airports gestartet oder gelandet ist. Als Referenz dient dazu die Statistik auf Flugstatistik.de. Auf diesem Portal protokolliert der Vielflieger seine Reisen und war bislang die Nummer Zwei. Das spornte den Salzburger, der in seiner „fliegerischen Karriere“ mit 743 unterschiedlichen Airlines, 566 Flugzeugtypen in 188 Länder auf sechs Kontinenten geflogen ist, an. Er wollte den Rekord von 1581 Airports knacken und tat das am Samstag auch.

Dazu charterte Pitterka eine Let 410 der tschechischen Silver Air auf der Strecke vom slowenischen Portoroz zum italienischen Flugplatz Venedig-Lido. Somit „sammelte“ der Salzburger zwei weitere Airports, auf denen er zuvor nicht war, und stellte ist nun neuer Rekordhalter bei Flugstatistik.de. Über die Jahre hinweg nutzte er insgesamt 1.582 unterschiedliche Flughäfen.

Bemerkenswerte Flugstatistik

Die Statistik von Gunther Pitterka weist einige bemerkenswerte Details auf: Mit 502 Flügen war er besonders häufig mit Austrian Airlines unterwegs. Auf Platz Zwei findet sich Lufthansa mit 335 Flugeisen und mit Air Berlin war der Salzburger 257 Mal unterwegs. Doch die Airline spielt für ihn keine Rolle, denn es geht darum von A nach B zu kommen und nach Möglichkeiten einen weiteren Airport, auf dem er zuvor nicht war, zu „sammeln“. Deswegen kommt es häufig vor, dass er Langstreckenreisen „stückelt“, um auf zusätzlichen Flughäfen starten und landen zu können.

Die „Top 3“ der Maschinentypen, mit denen der Salzburger geflogen ist: 260 Flüge mit Airbus A320, 239 Stück mit de Havilland Dash 8-400 und 189 Legs mit Embraer 195LR. In seiner Statistik finden sich auch ein paar Exoten. Zum Beispiel ist er 41 Mal mit de Havilland DHC-6 „Twin Otter“ geflogen. Auch flog er 36 Mal mit de Havilland Dash 8-100 – ein mittlerweile selten anzutreffendes Kurzstreckenflugzeug. Die Let 410, mit der er am Samstag die Rekordreise absolvierte, ist für ihn definitiv auch kein „Neuland“ gewesen.

Da Salzburg die „Homebase“ von Gunther Pitterka ist, scheint er diesen Airport als eine Art „zweites Wohnzimmer“ zu betrachten. Seit 1995 hat er diesen Airport stolze 1.072 Mal genutzt. Ab Frankfurt am Main ist er 654 Mal geflogen und Wien rangiert mit 477 Starts oder Landungen auf Platz Drei. Sein erster protokollierter Flug führte übrigens im Jahr 1995 mit Boeing 747-230B von Lufthansa nach San Francisco. Die Maschine hatte damals die Registrierung D-ABZH und trug den Taufnamen „Bonn“.

Flugangst wandelte sich in „Sammelleidenschaft“

Pitterka hatte nach diesem Langstreckenflug offensichtlich seine vormalige Flugangst überwunden und wurde nun Vielflieger. Zwischen 1995 und dem 19. November 2022 war der Eisenbahn-Manager auf 1.582 unterschiedlichen Flughäfen anzutreffen. Betrachtet man seine Streckenkarte, so ist diese aufgrund der Vielzahl der unterschiedlichen Airports nur schwer lesbar. Das hat auch seinen guten Grund, denn man muss es mal schaffen auf so vielen Flughäfen starten oder landen. Das schaffen selbst Berufspiloten nicht, denn zahlreiche Airports, die Pitterka besucht hat, können nur mit speziellem Fluggerät angesteuert werden. Wenn man beispielsweise auf YouTube Dokumentationen über spektakuläre Airports in abgelegenen Regionen oder im Gebirge sieht, ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Salzburger schon dort war, bei annähernd 100 Prozent.

Die Sammelleidenschaft wird Pitterka keinesfalls beenden, denn nun gilt es den Rekordplatz auf Flugstatisk.de zu halten und ausbauen. Es gibt noch ein paar Airports, auf denen er noch nicht war. Beispielsweise erzählte der Salzburger, dass ihm in der Türkei noch sieben Flughäfen „fehlen“ würden. Auch betrachtet er den Umstand, dass er in „nur“ 188 Staaten war als „ausbaufähig“. Es ist also damit zu rechnen, dass Pitterka noch viele Flugreisen unternehmen wird und möglicherweise einen Wert aufstellen wird, den so schnell keiner knacken kann.

Let 410 von Portoroz nach Venedig-Lido gechartert

Um die Nummer Eins auf Flugstatistik.de zu werden, wurde der Vielflieger kreativ. Bei der tschechischen Regionalfluggesellschaft Silver Air charterte er die Let 410 mit der Registrierung OK-SLD. Diese wurde von Elba aus ins slowenische Portoroz überstellt. Anschließend flog Pitterka mit Freunden und geladenen Gästen nach Venedig. Gelandet wurde aber nicht auf dem Marco-Polo-Flughafen oder in Treviso. Das wäre ja „langweilig“ gewesen, denn dort war er längst. Die Let 410 landete auf der Graspiste des Flugplatzes Venedig-Lido. Dort war Pitterka noch nicht und somit „sammelte“ er Airport Nummer 1.582 und übernahm damit am Samstag die Spitzenposition bei Flugstatistik.de.

Auch für die Silver-Air-Crew war der Sonderflug, der als SLD102 durchgeführt wurde, ein besonderes Ereignis. Selbstredend: Auch für die Besatzungsmitglieder waren Landung und anschließender Start auf dem Flugplatz Lido eine Premiere. Mittlerweile kommt es auch bei Silver Air nicht mehr sonderlich oft vor, dass man auf einer Graspiste startet oder landet. Der Maschinentyp kann und darf dies aber und für die erfahrenen Flugzeugführer war das Unterfangen auch ein „Klax“. Aber auf diesem besonderen Flugplatz, der einst Venedigs fliegerisches Tor zur Welt war, zu landen, ist für „Vollblutflieger“ dann doch ein emotionales Ereignis.

Insel-Flugplatz war einst das Tor zur Welt für Venedig

Lido war mal der internationale Flughafen der Stadt Venedig. Allerdings stellte sich nach dem Zweiten Weltkrieg heraus, dass keine Möglichkeit besteht, dass dieser auf die neuen Anforderungen der Zivilluftfahrt erweitert werden kann. Man konnte die Piste nicht wirklich verlängern und auch die Lage auf der Insel erwies sich als Nachteil. Daher wurde der Airport im Jahr 1953 für den kommerziellen Verkehr geschlossen und dient seither der Allgemeinen Luftfahrt. Die Graspiste ist offiziell 994 Meter lang, so dass die Anzahl der Maschinentypen, die hier starten und landen dürfen, eingeschränkt ist. Nachfolger im Passagierverkehr sind übrigens die Airports Treviso und Marco Polo, die sich auf dem Festland befinden.

Wenn man nicht zufälligerweise selbst Pilot ist, kann man als „normaler Passagier“ auf einem durchaus interessanten Weg vom Flughafen Marco Polo auf die Insel Lido gelangen. Vom größten Airport aus verkehren Linienboote nach fixem Fahrplan zur Insel. Mit 15 Euro pro Richtung sind die Fährverbindungen nicht gerade günstig. Es geht aber noch teurer: Man kann sich ein Wassertaxi nehmen, das nach Taxameter verkehrt. Dafür bekommt man einen privaten Transfer, der einen nach Wunsch quasi überall hinbringen kann. Hat man einen Pilotenschein und ein geeignetes Flugzeug zur Verfügung, dann kann man natürlich auch auf dem Flugplatz Lido landen. Treibstoff gibt es an einer ein wenig historisch anmutenden Tankstelle. Diese fügt sich ideal in das Umfeld der originalen Gebäude, in der einst Passagiere regulär abgeflogen sind, ein. Diese wurden vom Platzbetreiber mühevoll in Schuss gehalten und sind im Innenbereich durchaus beeindruckend. In jener Ära, in der diese gebaut wurden, ging es darum monumental zu klotzen und nicht zu kleckern. Daran erinnert die einstige Haupthalle, die enorm hoch, aber ansonsten nicht sonderlich groß ist.

Lido-Management begrüßte den Salzburger persönlich

Die Rekord-Landung von Gunther Pitterka auf dem Flugplatz Venedig-Lido war auch für das Management des Aeroclub Venedig ein besonderer Anlass. Es kommt nur noch selten vor, dass ein Airliner auf der Graspiste des kleinen Airports landet. Die Let 410 ist zwar nicht sonderlich groß, aber immerhin ein kommerzielles Passagierflugzeug – ein kleines eben. Zwei Vorstandsmitglieder, die natürlich selbst Piloten sind, haben den Salzburger bereits auf dem Vorfeld erwartet und persönlich begrüßt. Typisch Flugzeugführer: Es folgte anschließend auch ein kleiner Plausch mit den Piloten von Silver Air, denn Erfahrungsaustausch ist wichtig und immerhin war auch die Silver-Air-Crew sehr stolz darauf, dass sie den Rekordflug von Gunther Pitterka durchführen durften.

Da immer wieder neue Airports ans Netz gehen und nur darauf warten in die Sammlung des Salzburgers aufgenommen zu werden, ist damit zu rechnen, dass Pitterka früher oder später auch noch den Eintrag ins Guinness-World-Records-Buch schaffen wird. Eine etwaige Prüfung durch das Gremium dürfte nicht sonderlich kompliziert sein, denn er dokumentiert jede Reise genau und hebt beispielsweise Bordkarten, die als Nachweis herangezogen werden können, auf. Wer weiß, vielleicht führt auch die geplante Elektrifizierung der Luftfahrt dazu, dass viele kleine Regio-Landeplätze einen linienähnlichen Verkehr bekommen. Pitterka würde sie gerne in seine „Sammlung“ aufnehmen, denn der Rekord soll nicht nur gehalten, sondern auch deutlich ausgebaut werden.

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