Die südkoreanische Fluggesellschaft Asiana Airlines ist von der Fair Trade Commission (FTC) des Landes zu einer Rekordstrafe in Höhe von 12,1 Milliarden Won ($8,7 Millionen) verurteilt worden. Die Strafe, die höchste, die seit 1991 in Südkorea für eine Fusionsverletzung verhängt wurde, folgt auf die Feststellung, daß die Fluggesellschaft Bedingungen mißachtet hat, die mit ihrer Fusion mit Korean Air verbunden sind.
Die beiden Airlines, die im Dezember 2024 die endgültige Fusionsgenehmigung erhalten hatten, haben demnach in weniger als einem Jahr gegen die Auflagen verstoßen, indem sie die durchschnittlichen Ticketpreise über das erlaubte Maß hinaus erhöht haben. Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die Herausforderungen bei der Überwachung von Fusionen in der Luftfahrtindustrie und auf die möglichen negativen Folgen für die Verbraucher.
Verbotene Preiserhöhungen: Die Verstoßung gegen Fusionsauflagen
Der Prozeß der Fusion zwischen den beiden größten südkoreanischen Fluggesellschaften, Korean Air und Asiana Airlines, ist seit der Ankündigung der Übernahmeabsicht im November 2020 von komplexen regulatorischen Hürden begleitet. Am 12. Dezember 2024 erteilte die südkoreanische FTC die endgültige Genehmigung für die Fusion, jedoch unter strengen Auflagen. Diese sollten den Wettbewerb am Markt schützen und sicherstellen, daß die Verbraucher durch die marktbeherrschende Stellung des fusionierten Unternehmens nicht benachteiligt werden.
Eine der zentralen Auflagen war, daß die durchschnittlichen Ticketpreise der beiden Fluggesellschaften die inflationsbereinigten Niveaus von 2019 nicht überschreiten dürfen. Laut einer Erklärung der FTC hat Asiana Airlines in den ersten drei Monaten des Jahres 2025 auf vier Routen diese Preisobergrenze überschritten. Die gravierendste Erhöhung wurde auf der Business-Class-Route zwischen Seoul Incheon (ICN) und Barcelona (BCN) festgestellt, wo die Tarife die erlaubte Grenze um 28,2 Prozent überschritten. Auch auf anderen wichtigen internationalen Strecken wurden die Auflagen mißachtet: Auf den Business-Class-Routen von Seoul nach Frankfurt (FRA) und nach Rom (FCO) wurden die Preise um 12,5 Prozent bzw. 8,4 Prozent angehoben. Aber auch Passagiere der Economy-Class waren betroffen: Auf der Route nach Rom stiegen die Preise um 2,9 Prozent über die Grenze, und auf der innerkoreanischen Route von Gwangju (KWJ) nach Jeju (CJU) wurde eine Erhöhung von 1,3 Prozent festgestellt.
Diese Preiserhöhungen stellen einen klaren Verstoß gegen die Fusionsauflagen dar, die eine zehjährige Geltungsdauer haben. Die FTC sieht darin eine direkte Mißachtung der Bedingungen, die sie zur Genehmigung der Fusion aufgestellt hatte.
Weitere Hindernisse: Das Loyalitätsprogramm und seine Fallstricke
Neben den Preisverstößen stößt die Integration der beiden Fluggesellschaften auch an anderer Stelle auf Widerstand bei der Aufsichtsbehörde. Im Juni 2025 legte Korean Air der FTC einen Plan zur Integration der Vielfliegerprogramme vor, der jedoch von der Aufsichtsbehörde abgelehnt wurde. Das Unternehmen hatte vor, sein eigenes Programm, SKYPASS, mit dem Programm von Asiana Airlines, dem Asiana Club, zusammenzuführen. Die FTC befand den Plan jedoch als nicht ausreichend detailliert, insbesondere in Bezug auf die Umrechnungsverhältnisse der Meilen und die Einlöseoptionen. Die Aufsichtsbehörde forderte daher eine sofortige Überarbeitung, um die Rechte der Kunden von Asiana Airlines zu schützen.
Obwohl die genauen Details des Plans nicht veröffentlicht wurden, berichteten Medien, daß das vorgeschlagene Umrechnungsverhältnis eine Entwertung der Asiana-Meilen um 30 Prozent vorgesehen hätte. Nach dem Plan wäre eine Korean Air-Meile nur 0,7 Asiana-Meilen wert gewesen. Eine solche Entwertung würde die Vielflieger von Asiana Airlines stark benachteiligen und wäre ein weiteres Beispiel dafür, wie eine Fusion zu Lasten der Verbraucher gehen kann. Die FTC sieht sich in der Pflicht, solche Entwicklungen zu verhindern.
Die Integration der Vielfliegerprogramme ist ein entscheidender Schritt für die vollständige betriebliche Zusammenführung der beiden Fluggesellschaften. Die Ablehnung des Plans durch die FTC wird den gesamten Prozeß voraussichtlich verzögern, was den Beginn der endgültigen Integration bis nach Oktober 2026 verschieben könnte.
Der lange Weg zur Übernahme: Von der Absichtserklärung zur Tochtergesellschaft
Die Geschichte der Fusion zwischen Korean Air und Asiana Airlines reicht fast fünf Jahre zurück. Im November 2020 kündigte Korean Air seine Absicht an, seinen Konkurrenten zu übernehmen. Seitdem hat das Unternehmen erhebliche Fortschritte gemacht. Am 12. Dezember 2024 erwarb Korean Air 131.578.947 neu ausgegebene Aktien von Asiana Airlines, was einer Beteiligung von 63,88 Prozent entspricht. Damit wurde Asiana Airlines zu einer Tochtergesellschaft von Korean Air.
Nach dem Erwerb der Mehrheitsbeteiligung haben die beiden Fluggesellschaften mit der operativen Integration begonnen. Korean Air hat angekündigt, diesen Prozeß innerhalb von zwei Jahren abzuschließen und dabei keine Arbeitsplätze abzubauen. Das Unternehmen geht sogar davon aus, daß die kombinierte Firma expandieren und somit natürliches Personalwachstum ermöglichen werde. Eine Arbeitsplatzgarantie, die in vielen Fusionsprozessen selten ist, soll die Bedenken der Mitarbeiter beider Unternehmen zerstreuen.
Die Fusion hat das Potential, die südkoreanische Luftfahrtlandschaft nachhaltig zu verändern. Das fusionierte Unternehmen würde eine marktbeherrschende Stellung einnehmen und könnte die Flugrouten und Preise maßgeblich beeinflussen. Aus diesem Grund ist die Überwachung durch die FTC von entscheidender Bedeutung, um die Interessen der Passagiere zu wahren.
Eine teure Lektion und die Zukunft der Fluggesellschaften
Die verhängte Rekordstrafe gegen Asiana Airlines ist ein klares Signal der südkoreanischen Aufsichtsbehörde, daß sie Verstöße gegen Fusionsauflagen nicht toleriert. Die Fluggesellschaften haben nun eine teure Lektion gelernt. Der Vorfall verdeutlicht, daß die Integration zweier so großer Unternehmen nicht nur aus betrieblicher Sicht, sondern auch aus regulatorischer Sicht eine enorme Herausforderung darstellt.
Die Ablehnung des Vielflieger-Integrationsplans und die verhängte Strafe könnten den Zeitplan für die vollständige Integration weiter nach hinten verschieben. Dies bedeutet, daß die Passagiere noch länger auf eine nahtlose Integration der Services warten müssen. Für die Kunden von Asiana Airlines ist die Entwicklung ihres Loyalitätsprogramms von besonderer Bedeutung, und die FTC scheint entschlossen zu sein, eine faire Lösung zu erzielen. Das fusionierte Unternehmen muß nun beweisen, daß es in der Lage ist, die Auflagen der Aufsichtsbehörden strikt einzuhalten und dabei die Interessen der Verbraucher zu schützen, um das Vertrauen des Marktes nicht zu verlieren.