Die Deutsche Lufthansa plant eine weitreichende Umgestaltung ihres europäischen Kurz- und Mittelstreckennetzes bis zum Jahr 2028. Wie Konzernchef Carsten Spohr auf einer internen Mitarbeiterversammlung darlegte, wird die Kernmarke ihre Kapazitäten in Europa spürbar reduzieren.
Ziel ist es, die anhaltenden Verluste im Zubringergeschäft einzudämmen, welche die Rentabilität der profitableren Langstreckenverbindungen belasten. Bis zum Jahr 2027 sollen bis zu 15 Flugzeuge aus der aktiven Kurzstreckenflotte abgezogen werden, was die Streichung von tausenden Flügen zur Folge haben wird. Bereits in diesem Sommer operiert die Fluggesellschaft mit 25 Maschinen weniger als ursprünglich vorgesehen.
Diese Maßnahmen wirken sich direkt auf die Märkte im ehemaligen Jugoslawien sowie auf die deutschen Drehkreuze aus. Verbindungen wie die Strecke von Frankfurt nach Skopje wurden bereits eingestellt, während die Verbindung zwischen München und Ljubljana zu einer reinen Sommerroute herabgestuft wird. Gleichzeitig verschiebt sich das Gewicht innerhalb der deutschen Drehkreuze. Trotz der im April erfolgten Schließung der Tochtergesellschaft CityLine soll der Flughafen München künftig eine wichtigere Rolle einnehmen. Die Betriebskosten pro Passagier sind am bayerischen Standort niedriger als am Flughafen Frankfurt, was München für künftiges Wachstum attraktiver macht.
Zur Effizienzsteigerung plant die Fluggesellschaft zudem die Streichung sogenannter Doppelverbindungen, um zeitnahe Parallelflüge zu den beiden deutschen Drehkreuzen zu vermeiden. Darüber hinaus soll die klassische Kernmarke auf europäischen Strecken weiter schrumpfen, indem Flugverbindungen vermehrt auf kostengünstigere Tochtergesellschaften wie die neu gegründete Lufthansa City Airlines übertragen werden. Das Management erhofft sich von dieser Maßnahme eine Senkung der operativen Kosten und eine Steigerung der Arbeitsproduktivität, um die strukturellen Nachteile des klassischen Netzbetriebs auszugleichen.
Dieser tiefgreifende Umbau erfolgt in einem schwierigen Marktumfeld. Der deutsche Luftverkehr leidet seit Jahren unter gestiegenen staatlichen Steuern und Standortgebühren, was den Erholungskurs im Vergleich zu anderen europäischen Ländern bremst. Kritiker geben jedoch zu bedenken, dass die Auslagerung an Tochtergesellschaften und der Abbau von Frequenzen das Risiko bergen, Marktanteile dauerhaft an die wachsende Konkurrenz zu verlieren. Im osteuropäischen Raum ist die Lufthansa im Kapazitätsvergleich bereits auf den siebten Rang abgerutscht, was den schwindenden Einfluss der Fluggesellschaft in diesen Regionen verdeutlicht.