Die nationale Fluggesellschaft Usbekistans, Uzbekistan Airways, steht vor deutlichen betrieblichen Herausforderungen und einer zeitlichen Verschiebung ihrer geplanten Teilprivatisierung.
Nach Angaben des usbekischen Präsidenten Shavkat Mirziyoyev verliert das staatliche Unternehmen durch betriebliche Ineffizienzen jährlich Einnahmen in Höhe von rund 120 Millionen Us-Dollar. Diese Einschätzung stützt sich auf eine Analyse der US-amerikanischen Investmentgesellschaft Franklin Templeton, die Mängel bei der Routenplanung, lange Standzeiten zwischen den Flügen, häufige Verspätungen sowie fehlenden Wettbewerb in den Bereichen Catering und Flugzeugwartung feststellte. Die Aussagen stehen jedoch im Widerspruch zu früher veröffentlichten Stellungnahmen der Regierungszentrale, wonach die genannten 120 Millionen Us-Dollar das Potenzial für eine Steigerung des Betriebsergebnisses im Rahmen eines umfassenden Reformprogramms darstellen. Gleichzeitig gab die Regierung bekannt, dass der ursprünglich für Ende 2026 geplante internationale Börsengang der Fluggesellschaft auf das Jahr 2027 verschoben wird.
Differierende Darstellungen zu den finanziellen Auswirkungen
Die Bewertung der finanziellen Lage von Uzbekistan Airways weist in den Veröffentlichungen der usbekischen Führung auffällige Abweichungen auf. In einer Mitteilung des präsidentiellen Pressedienstes bezog sich Präsident Mirziyoyev auf die Ergebnisse der Untersuchung von Franklin Templeton und bezifferte die jährlichen Einnahmenverluste durch unzureichende Betriebsabläufe auf 120 Millionen Us-Dollar. Als Ursachen wurden unzureichend abgestimmte Flugpläne, lange Bodenzeiten der Flugzeuge, verzögerte Abflüge sowie monopolistische Strukturen bei Tochtergesellschaften für Bordverpflegung und Instandhaltung genannt.
Demgegenüber hatte die Präsidentschaftskanzlei am 15. Juni 2026 ein Dokument veröffentlicht, das die Zahlen in einem anderen Kontext darstellte. Demnach handele es sich bei dem Betrag von 120 Millionen Us-Dollar nicht um bereits eingetretene Verluste, sondern um den erwarteten zusätzlichen jährlichen Betriebsgewinn, der durch die Umsetzung eines 115 Maßnahmen umfassenden Transformationsprogramms erzielt werden könne. Diese Unstimmigkeit in der offiziellen Kommunikation verdeutlicht den analytischen und Abstimmungsbedarf im Vorfeld der angestrebten Kapitalmarktöffnung.
Die Rolle von Franklin Templeton und dem Nationalen Investitionsfonds
Franklin Templeton verwaltet den usbekischen Nationalen Investitionsfonds (UzNIF), in dem staatliche Beteiligungen an Schlüsselunternehmen des Landes gebündelt sind. Der Fonds hält einen bedeutenden Anteil an Uzbekistan Airways. Nach Berechnungen der Investmentgesellschaft könnte der Marktwert der Fluggesellschaft von derzeit etwa 1,6 Milliarden Us-Dollar auf rund 2,3 Milliarden Us-Dollar steigen, sofern das Transformationsprogramm vollständig umgesetzt wird. Dies entspräche einem Wertzuwachs von etwa 40 Prozent.
Im Mai 2026 hatte der Nationale Investitionsfonds seine erste internationale Platzierung von Vermögenswerten absolviert und Kapital in Höhe von mehreren Hundert Millionen Us-Dollar an den Börsen in London und Taschkent aufgenommen. Die Nachfrage ausländischer Investoren überstieg das Angebot deutlich. Die Platzierung galt als Testlauf für die direkte Börsennotierung staatlicher Konzernbeteiligungen. Neben Uzbekistan Airways sollen zwölf weitere Staatsunternehmen aus verschiedenen Wirtschaftssektoren schrittweise an die Börse gebracht werden, um privates Kapital anzuziehen und die Unternehmensführung an internationale Standards anzupassen.
Verzögerungen im Zeitplan für den Börsengang
Trotz der Vorgabe der Regierungsspitze, die Vorbereitungen für den Börsengang rasch voranzutreiben, hinkt der Zeitplan den ursprünglichen Erwartungen hinterher. Ursprünglich strebte die Regierung an, Ende 2026 einen Anteil von 15 bis 20 Prozent an Uzbekistan Airways an internationalen Finanzplätzen zu platzieren. Am 29. Juni 2026 erklärte der stellvertretende Premierminister Jamshid Kuchkarov jedoch im Rahmen eines regionalen Wirtschaftsseminars, dass die Erstnotierung der Fluggesellschaft sowie des Telekommunikationsanbieters Uzbektelecom nun für das Jahr 2027 vorgesehen sei.
Als Grund für die Verschiebung gelten Verzögerungen bei der internen Reorganisation der Fluggesellschaft. Obwohl das Transformationsprogramm bereits vor mehreren Monaten ausgearbeitet wurde, verläuft die praktische Umsetzung der 115 Einzelmaßnahmen langsamer als geplant. Um die Voraussetzungen für eine Platzierung am Kapitalmarkt zu schaffen, müssen unter anderem die Beschaffungsprozesse vereinfacht, Entscheidungen beim Flugzeugleasing beschleunigt und die Rechnungslegung vollständig auf internationale Rechnungslegungsstandards umgestellt werden. Zudem steht die Ausgliederung nicht betriebsnotwendiger Vermögenswerte sowie die Einführung transparenter Regelungen für gemeinwirtschaftliche Flugverbindungen im Inland aus.
Flottenstruktur und betriebliches Umfeld
Uzbekistan Airways betreibt laut aktuellen Rechedaten eine Flotte von insgesamt 44 Flugzeugen. Das Inventar umfasst unter anderem neun Airbus A320-200, zehn Airbus A320neo, fünf Airbus A321neo LR, zwei ACJ320-200, sechs Boeing 767-300ER, zwei Frachtflugzeuge vom Typ Boeing 767-300ER BCF, sieben Boeing 787-8 Dreamliner, zwei Transportflugzeuge vom Typ Iljuschin Il-76TD sowie ein Geschäftsreiseflugzeug vom Typ Pilatus PC-24. Das Streckennetz der Fluggesellschaft deckt aktuell 70 Zielorte in 27 Ländern ab.
Die betrieblichen Umstrukturierungen finden vor dem Hintergrund eines steigenden Passagieraufkommens in Zentralasien statt. Das Wachstum des Reiseverkehrs in Usbekistan hat in den vergangenen Monaten zugenommen, worauf das Angebot der nationalen Fluggesellschaft jedoch nur bedingt flexibel reagieren konnte. Die Regierungspläne sehen vor, den Flughafen Taschkent stärker als Transitdrehscheibe in der Region zu etablieren. Hierfür ist eine engere Abstimmung zwischen Uzbekistan Airways, dem staatlichen Flughafenbetreiber Uzbekistan Airports und den Entwicklungsplänen für die Flughafeninfrastruktur vorgesehen. Das Erreichen der wirtschaftlichen Zielvorgaben wird davon abhängen, wie zügig die strukturellen Anpassungen im Flugbetrieb und in den Tochtergesellschaften umgesetzt werden können.