Der Flughafen Linz befindet sich in einer akuten Existenzkrise. Am vergangenen Samstag hob der letzte Flug der Austrian Airlines (AUA) in Richtung Frankfurt ab, womit die seit 59 Jahren bestehende, strategisch wichtige Verbindung zum internationalen Drehkreuz eingestellt wurde.
Dieser Schritt der AUA, der mit sinkenden Passagierzahlen und massiven Verlusten begründet wird, verschärft die schwierige Lage des zu je 50 Prozent in Besitz der Stadt Linz und des Landes Oberösterreich stehenden Regionalflughafens. Der Airport schreibt seit fünf Jahren rote Zahlen, die Rücklagen sind weitgehend aufgebraucht. Die Passagierzahlen lagen im Jahr 2024 bei nur rund 180.000, was eine deutliche Abnahme im Vergleich zu den 436.018 Fluggästen des Jahres 2019 darstellt.
Vor diesem Hintergrund wird ein umfassender Rettungsplan diskutiert, der zwei zentrale Säulen umfasst: zum einen die Wiederbelebung der Frankfurt-Verbindung durch eine öffentliche Ausschreibung mit möglicher Anschubfinanzierung und zum anderen ein Teilprivatisierungsmodell durch ein regionales Unternehmerkonsortium. Beide Ansätze sind jedoch unmittelbar vom EU-Beihilfenrecht betroffen, was die Entscheidungsfindung verlangsamt und die Unsicherheit erhöht.
Die kritische Bedeutung des Drehkreuzes Frankfurt
Die Einstellung der Frankfurt-Route durch die AUA ist für den Linzer Flughafen ein schwerwiegender Schlag. Die Verbindung diente als essenzielles Tor zur Welt, da sie Reisenden aus Oberösterreich den Zugang zum globalen Streckennetz des Drehkreuzes Frankfurt ermöglichte. Der Verlust dieser sogenannten Hub-Anbindung verschlechtert die Attraktivität des Flughafens für Geschäftsreisende und internationale Verbindungen erheblich.
Die AUA begründete den Abzug der Flugverbindung mit einer stark rückläufigen Auslastung, die zu massiven betriebswirtschaftlichen Verlusten geführt habe. Der letzte Flug landete mit lediglich 21 Passagieren in Linz.
Das Land Oberösterreich reagiert auf diesen Ausfall mit dem Plan, die Strecke für den Sommerflugplan 2026 neu auszuschreiben. Eine Genehmigung der Europäischen Union ist hierfür jedoch unabdingbar, da es sich um eine Verbindung mit weniger als 100.000 Passagieren pro Jahr handelt. Die Genehmigung der EU ist notwendig, damit die Strecke im Rahmen einer sogenannten öffentlichen Dienstleistungsverpflichtung aufrechterhalten und vom Land finanziell unterstützt werden kann. Die Flughafenleitung zeigt sich trotz der Hürden optimistisch, dass die Ausschreibung bis Anfang November auf den Markt gebracht werden kann und die Flüge im Frühjahr 2026 zurückkehren.
Staatliche Beihilfen und die strenge EU-Prüfung
Sowohl die geplante Ausschreibung der Frankfurt-Route als auch die dringende Finanzspritze zur Abwendung einer Insolvenz unterliegen der strengen Kontrolle durch die Europäische Kommission im Rahmen des Beihilfenrechts.
Das Land Oberösterreich plant, die neu ausgeschriebene Frankfurt-Strecke mit einer Anschubfinanzierung zu subventionieren, um die Attraktivität für potenzielle Fluglinien zu erhöhen. Nach den EU-Regeln für staatliche Beihilfen im Luftfahrtsektor müssen Maßnahmen, die einen Wettbewerbsvorteil darstellen könnten, vorab bei der Kommission angemeldet und genehmigt werden. Obwohl die EU in den letzten Jahren die Möglichkeit der Gewährung von Betriebsbeihilfen für bestimmte Regionalflughäfen, insbesondere solche mit geringem Passagieraufkommen, verlängert hat, ist eine positive Entscheidung in Linz noch ausständig.
Dasselbe gilt für den bereits von den Eigentümern – Land und Stadt – beschlossenen Gesellschafterzuschuss von acht Millionen Euro. Diese Mittel sind zur Stabilisierung der Liquidität und zur Stärkung der Eigenmittel dringend erforderlich, um eine drohende Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. Davon sind 4,8 Millionen Euro bereits geflossen, die restliche Summe muss noch von der EU beihilferechtlich genehmigt werden. Die strikten Vorgaben des europäischen Rechts zielen darauf ab, eine Verfälschung des Wettbewerbs durch ungerechtfertigte Subventionen zu verhindern, was im grenzüberschreitenden Luftverkehr eine besondere Relevanz besitzt.
Private-Public-Partnership als Rettungskonzept
Parallel zur behördlichen Klärung der Beihilfefragen hat der Unternehmer Manfred Zorn aus Oberösterreich mit einem Konsortium ein Teilprivatisierungsmodell vorgeschlagen, das eine neue Eigentümerstruktur schaffen soll. Das Konzept sieht vor, dass das Konsortium die 50-prozentige Beteiligung der Stadt Linz am Flughafen übernimmt. Im Zentrum des Plans steht eine Private-Public-Partnership (PPP), bei der das Land Oberösterreich als Miteigentümer erhalten bleiben soll.
Zorns Modell sieht die Einbeziehung von bis zu 100 Unternehmen aus Oberösterreich vor, die jeweils ein Prozent des Konsortiums für je 40.000 Euro erwerben sollen. Dadurch könnten vier Millionen Euro Kapital in den Flughafen eingebracht werden. Ziel ist die Modernisierung des Flughafens, eine Erhöhung der Effizienz und die Digitalisierung von Prozessen in der Abfertigung, Logistik und im Kundenservice. Darüber hinaus sollen das Frachtgeschäft ausgebaut und weitere Geschäftsmodelle entwickelt werden.
Die Führungsebene des Landes und der Stadt hat das Interesse des Unternehmers begrüßt, wenngleich Bürgermeister Dietmar Prammer (SPÖ) die genannten Zahlen und die Unternehmensbewertung zunächst nicht nachvollziehen konnte. Landesrat Markus Achleitner (ÖVP), Aufsichtsratsvorsitzender des Airports, prüft den am Montag präsentierten Vorschlag. Er merkte an, dass die vom Konsortium avisierten vier Millionen Euro am besten für den Ankauf von Flugtickets verwendet werden könnten, was eine gewisse Skepsis gegenüber dem reinen Kaufpreis für die Anteile andeutet.
Erwartung des Landesrechnungshofsberichts und strategische Neuausrichtung
Die Turbulenzen am Flughafen Linz werden zusätzlich durch die bevorstehende Veröffentlichung des Berichts des Landesrechnungshofs im November akzentuiert. Der Bericht wird Aufschluss über das Finanzgebaren des Flughafens in der Vergangenheit geben und dürfte weitere Erkenntnisse zur Ursache der anhaltenden Verluste liefern.
Strategisch hat die Flughafenführung festgelegt, dass der künftige Erfolg von einer ausgewogenen Entwicklung abhängen wird, die Linien- und Charterverkehr, Low-Cost-Verbindungen sowie die Luftfracht einschließt. Der Frachtbereich zeigte sich bereits in der Vergangenheit als stabileres Standbein und soll weiter gestärkt werden, während der Passagierverkehr dringend neue Impulse benötigt. Die nun eingeleiteten Prozesse der Neuausrichtung, von der rechtlichen Klärung der Subventionen bis zur möglichen Teilprivatisierung, markieren einen kritischen Wendepunkt in der 59-jährigen Geschichte des Linzer Flughafens.