Boeing 787-9 (Foto: Riyadh Air).
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Riyadh Air übernimmt erste eigene Boeing 787-9 nach monatelangen Verzögerungen

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Die saudi-arabische Luftfahrtindustrie hat einen entscheidenden Meilenstein beim Aufbau ihrer neuen nationalen Fluggesellschaft erreicht. Die im Jahr 2023 ins Leben gerufene Riyadh Air hat am Donnerstag, den 4. Juni, ihre ersten beiden fabrikneuen Langstreckenflugzeuge vom Typ Boeing 787-9 Dreamliner offiziell übernommen.

Die beiden Maschinen mit den saudi-arabischen Luftfahrzeugkennzeichen HZ-RXAA und HZ-RXAB hoben von zwei unterschiedlichen Produktionsstätten des US-amerikanischen Herstellers Boeing in den Vereinigten Staaten ab, um im Rahmen eines koordinierten Überführungsfluges die Hauptstadt Riad anzusteuern. Dieser Schritt erfolgt mit einer Verzögerung von mehreren Monaten, da Produktionsengpässe bei Boeing sowie komplexe Prozesse bei der Zertifizierung der maßgeschneiderten Kabineninnenausstattung den ursprünglichen Zeitplan der Fluggesellschaft belasteten. Die Ankunft der ersten eigenen Flugzeuge erfolgt nur wenige Wochen vor dem mit Spannung erwarteten Start des regulären Passagierbetriebs, der für den Beginn des kommenden Monats angesetzt ist. Für das ehrgeizige Startup-Unternehmen, das den Luftverkehrsmarkt im Nahen Osten neu ordnen möchte, markiert die Übergabe den Übergang von der rein planerischen und testweisen Phase hin zum aktiven kommerziellen Flugbetrieb.

Eine koordinierte Überführung über den Atlantik

Die logistische Abwicklung der Flugzeugübergabe am Donnerstag wurde von der Marketingabteilung der Fluggesellschaft als medienwirksames Ereignis inszeniert. Die beiden Großraumflugzeuge starteten von entgegengesetzten Seiten des nordamerikanischen Kontinents. Die erste Maschine mit der Registrierung HZ-RXAA, welche die Boeing-Seriennummer 1265 trägt, hob um 13:30 Uhr Ortszeit vom Werk des Herstellers in Charleston im US-Bundesstaat South Carolina ab. Unter der Sonderflugnummer RXI001 nahm der Jet direkten Kurs auf den Nahen Osten.

Rund 90 Minuten zuvor war bereits das Schwesterflugzeug mit dem Kennzeichen HZ-RXAB und der Seriennummer 1279 vom Paine Field in Everett im Bundesstaat Washington an der amerikanischen Westküste gestartet. Die Flugplanung sah vor, dass sich die beiden im markanten violetten Corporate-Design der Fluggesellschaft lackierten Maschinen im europäischen Luftraum treffen, um anschließend einen koordinierten und zeitgleichen Einflug am König-Chalid-Flughafen in Riad zu absolvieren. Der Vorstandsvorsitzende von Riyadh Air, Tony Douglas, betonte anlässlich des Abflugs die fundamentale Bedeutung dieses Typs für die strategische Ausrichtung des Unternehmens. Die Flugzeuge bildeten das Fundament für die globalen Operationen, mit denen ein weltumspannendes Netzwerk aufgebaut und Fluggäste aus aller Welt mit Saudi-Arabien verbunden werden sollen.

Die Überbrückungsphase und das Testprogramm

Obwohl es sich bei den beiden Neuzugängen um die ersten physisch in das Eigentum der Gesellschaft übergehenden Flugzeuge handelt, operierte Riyadh Air in den vergangenen Wochen bereits zu Testzwecken mit einem baugleichen Flugzeugtyp. Im Rahmen des internen Vorbereitungsprogramms namens Pathway to Perfect charterte das Unternehmen eine Boeing 787-9 von der benachbarten Oman Air. Diese Maschine, registriert unter dem temporären Kennzeichen HZ-RXX, wurde ausschließlich für behördlich vorgeschriebene Validierungsflüge eingesetzt.

Die Testflüge fanden primär zwischen Riad und dem Londoner Flughafen Heathrow statt. Sie dienten dazu, die internen Abläufe der Cockpit- und Kabinenbesatzungen zu optimieren sowie die Kompatibilität mit den Abfertigungssystemen der internationalen Verkehrsflughäfen unter realen Bedingungen zu überprüfen. Der Zugang zu diesen Flügen war streng reglementiert und blieb Mitarbeitern des Unternehmens, deren Familienangehörigen sowie geladenen Gästen und behördlichen Vertretern vorbehalten. Mit der Auslieferung der eigenen Maschinen verfügt die Fluggesellschaft nun über die gesetzlich geforderten Kapazitäten, um das eigene Luftverkehrsbetreiberzeugnis für den kommerziellen Markt zu aktivieren.

Umfangreiches Auftragsbuch für die kommenden Jahre

Die langfristigen Expansionspläne der saudi-arabischen Fluggesellschaft basieren auf einer aggressiven Einkaufsstrategie bei den beiden weltweit führenden Flugzeugbauern. Der Grundstein für die Flotte wurde im März 2023 parallel zur Vorstellung der Fluggesellschaft gelegt, als eine Festbestellung über 39 Boeing 787-9 Dreamliner unterzeichnet wurde, ergänzt durch Optionen für weitere 33 Maschinen desselben Typs. Dieser Großauftrag über bis zu 72 Großraumflugzeuge unterstrich den Anspruch des Startups, vom Start weg als bedeutender Akteur auf der Langstrecke aufzutreten.

In der Folgezeit wurde die Flottenplanung kontinuierlich diversifiziert und auf andere Marktsegmente ausgeweitet. Für den Regionalverkehr und stark frequentierte Mittelstreckenrouten orderte das Unternehmen bis zu 60 Schmalrumpfflugzeuge der Airbus A321neo-Familie. Zudem sicherten sich die Planer über Verträge mit dem europäischen Hersteller Airbus bis zu 50 Großraumflugzeuge des Typs A350-1000, aufgeteilt in 25 Festbestellungen und 25 Kaufoptionen. Diese Großflughäfen sind für hochverdichtete Routen und Langstreckenverbindungen mit besonders hohem Passagieraufkommen vorgesehen. Die Bewältigung der Lieferverzögerungen bei den aktuellen Modellen verdeutlicht jedoch die Herausforderungen der globalen Luftfahrtindustrie. Die Maschine HZ-RXAA absolvierte ihren Erstflug bereits im Dezember des vergangenen Jahres, während HZ-RXAB im Februar dieses Jahres zum ersten Mal abhob. Beide Jets mussten aufgrund von Nacharbeiten in den Werkshallen des Herstellers und Verzögerungen bei Zulieferern für Kabinenkomponenten mehrere Monate auf ihre endgültige Auslieferung warten.

Die Produktionspipeline des Herstellers steht unter Beobachtung, da für ein schnelles Hochfahren des Flugbetriebs weitere Maschinen zwingend benötigt werden. Drei zusätzliche Flugzeuge befinden sich in fortgeschrittenen Stadien der Fertigstellung. Die Maschine HZ-RXAC hat ihre Testflüge durch die Werkspiloten bereits abgeschlossen und wartet auf die finale Abnahme durch die saudi-arabischen Inspektoren. Das Flugzeug HZ-RXAD durchläuft derzeit die sogenannten Customer Acceptance Tests, während das Modell HZ-RXAE nach seinem Erstflug Ende Mai für die finalen Systemüberprüfungen vorbereitet wird.

Der strategische Netzwerkausbau ab Juli

Der offizielle Verkaufsstart für die ersten regulären Linienflüge der Gesellschaft hat bereits begonnen. Am 1. Juli soll der historische Erstflug stattfinden, der Riad nonstop mit dem Flughafen London Heathrow verbindet. Die Ticketpreise spiegeln die angestrebte Positionierung im Premiumsegment wider. Ein Ticket in der Economy-Klasse wird auf den offiziellen Vertriebskanälen ab 799 Saudi-Riyal angeboten, was etwa 220 US-Dollar entspricht, während die Tarife für die Business-Klasse bei 9669 Saudi-Riyal oder rund 2575 US-Dollar starten.

Nach der Etablierung der Flaggschiff-Route nach Großbritannien soll das Streckennetz in einer ersten Phase zügig um strategisch wichtige Regional- und Kurzstreckenverbindungen erweitert werden. Vorgesehen sind zeitnahe Verbindungen zur saudi-arabischen Hafenstadt Dschidda, zum internationalen Drehkreuz Dubai sowie in die ägyptische Hauptstadt Kairo. Im europäischen Sektor wurden zudem Manchester und die spanische Hauptstadt Madrid als nächste Ziele offiziell angekündigt. Darüber hinaus strebt das Unternehmen eine rasche Expansion über den Atlantik an. Bei der zuständigen US-Behörde, dem Department of Transportation, wurde bereits ein formeller Antrag auf Erteilung von Streckenrechten für planmäßige Linien- und Charterflüge zwischen Saudi-Arabien und den Vereinigten Staaten eingereicht. Durch eine strategische Partnerschaft mit der amerikanischen Fluggesellschaft Delta Air Lines gelten die Großflughäfen New York John F. Kennedy und Atlanta als die wahrscheinlichsten ersten Destinationen auf dem nordamerikanischen Kontinent. Die termingerechte Ankunft der ersten beiden eigenen Dreamliner stellt sicher, dass die operativen Kapazitäten für die ambitionierte Eröffnungsphase zur Verfügung stehen.

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