Die staatliche marokkanische Fluggesellschaft Royal Air Maroc weitet ihren Flugbetrieb in Europa aus und nimmt vier neue Zielorte in ihr Streckennetz auf. Seit den Sommermonaten werden Bilbao und Alicante in Spanien, Verona in Italien sowie Lille in Nordfrankreich bedient.
Die Strecken werden vorwiegend mit Schmalrumpfflugzeugen des Typs Boeing 737 geflogen, die neben dem Passagierverkehr auch Zusatzfracht im Unterdeck transportieren können. Ziel der Netzwerkanpassung ist die stärkere Anbindung regionaler Märkte in Europa an das Drehkreuz am Flughafen Casablanca, um Umsteigeverbindungen für die marokkanische Diaspora bereitzustellen und den Frachtverkehr Richtung Afrika auszubauen.
Mit den neuen Destinationen deckt das Unternehmen spezifische regionale Verkehrsströme ab. Die Anbindung von Verona erhöht die Zahl der bedienten italienischen Flughäfen der Airline auf acht, während Lille als europäischer Knotenpunkt für den nordfranzösischen Raum und angrenzende Regionen fungiert. In Spanien ergänzen Bilbao und Alicante das bestehende Flugangebot zu den Großstädten Madrid und Barcelona. Die Kapazitäten auf den Strecken ermöglichen pro Flug die Mitnahme von bis zu drei Tonnen Frachtgut, das über das Drehkreuz Casablanca weiter auf Strecken nach Westafrika, Nordamerika und den Nahen Osten verteilt wird.
Die Ausweitung der Frequenzen erfolgt in einem Marktumfeld, das auf den betroffenen Strecken durch intensiven Wettbewerb mit europäischen Low-Cost-Anbietern geprägt ist. Royal Air Maroc versucht, sich in diesem Segment durch die Kombination von Passagierbeförderung und Luftfrachtdienstleistungen zu behaupten. Das Unternehmen nutzt dabei die Nachfrage nach Transportkapazitäten für Industriegüter, Erzeugnisse der Automobilbranche sowie Pharmaprodukte, die aus den europäischen Exportregionen über Marokko auf den afrikanischen Kontinent geleitet werden.
Branchenbeobachter verweisen jedoch auf die betriebswirtschaftlichen Herausforderungen dieses Netzkonzepts. Der Einsatz von Mittelstreckenflugzeugen für den kombinierten Transport erfordert eine hohe Auslastung sowohl in der Kabine als auch im Frachtraum, um gegenüber reinen Frachtgesellschaften oder spezialisierten Billigfliegern konkurrenzfähig zu bleiben. Zudem hängt der wirtschaftliche Erfolg dieser Routen stark von der reibungslosen Abwicklung der Umsteige- und Umladeprozesse am überlasteten Drehkreuz Casablanca ab.