Der europäische Flugzeughersteller Airbus steht im Jahr 2025 vor einer paradoxen Situation: Trotz beeindruckender Produktionszahlen und einer deutlichen Verbesserung gegenüber dem Vorjahr kämpft das Unternehmen mit hartnäckigen Engpässen bei der Lieferung von Flugzeugtriebwerken. Diese Lieferkettenprobleme haben die Auslieferungen im August gebremst und gefährden das ehrgeizige Jahresziel von über 800 ausgelieferten Flugzeugen.
Dennoch liegt Airbus im direkten Wettstreit mit seinem US-Rivalen Boeing klar in Führung. Während Airbus die Auslieferungen von sogenannten „Segelfliegern“ – Flugzeugen ohne Triebwerke – in Kauf nehmen muss, sieht sich Boeing mit eigenen Herausforderungen konfrontiert, die von einer geringeren Produktionsrate bei der Boeing 737 Max bis hin zu einer drohenden Arbeitsniederlegung reichen. Der September wird für Airbus zum entscheidenden Monat, um das Jahresziel noch zu erreichen, doch der Vorsprung gegenüber Boeing scheint unaufholbar.
Die Triebwerksmisere: Eine Belastung für die Produktionskette
Das Hauptproblem, das die Auslieferungen von Airbus im Jahr 2025 behindert, liegt in der Versorgung mit Flugzeugtriebwerken. Die Triebwerkshersteller CFM International und Pratt & Whitney, die die Motoren für die beliebte Airbus A320-Familie liefern, kommen mit der Produktion nicht hinterher. Insbesondere die Lieferengpässe beim CFM LEAP-Triebwerk haben sich zu einem chronischen Problem entwickelt, dem sich Airbus bereits seit geraumer Zeit stellen muss. Das Unternehmen hat auf diesen Umstand reagiert, indem es neue Flugzeuge ohne Triebwerke ausliefert und sie vorübergehend auf Lagerplätzen abstellt. Diese sogenannten „Gliders“ (Segelflieger) warten auf die Ankunft ihrer Triebwerke, um dann an die Kunden übergeben zu werden.
Die Konsequenzen sind offensichtlich: Obwohl die Fertigungslinien von Airbus auf Hochtouren laufen und die Produktion mit den eigenen Plänen Schritt hält, verzögern sich die tatsächlichen Übergaben an die Kunden. Guillaume Faury, der CEO von Airbus, hat in einer Mitteilung an Reuters bestätigt, dass die Auslieferungen „backloaded“ seien und das Unternehmen weiterhin mit „anhaltenden Problemen in der Triebwerksversorgung beim A320-Programm“ konfrontiert sei. Dennoch bleibt Faury zuversichtlich und bekräftigte das ehrgeizige Ziel, im Gesamtjahr 2025 über 800 Flugzeuge auszuliefern.
Der August 2025 fiel dabei leicht hinter den Erwartungen zurück, da die Triebwerksengpässe die Auslieferungszahlen drückten. Dennoch zeigt ein Vergleich zum Vorjahr, dass Airbus die eigene Leistung massiv steigern konnte. Im August 2024 lieferte das Unternehmen lediglich 47 Flugzeuge aus, während die Zahlen in diesem Jahr um mehr als 20 Prozent höher liegen. Airbus wird in den verbleibenden Monaten des Jahres fast 100 Flugzeuge pro Monat ausliefern müssen, um sein Jahresziel zu erreichen. Ein ambitioniertes Unterfangen, das sich jedoch nicht wesentlich von der Situation im Jahr 2024 unterscheidet, als das Unternehmen ebenfalls einen starken Endspurt hinlegen musste, um seine Ziele zu erreichen.
Der Wettlauf der Giganten: Airbus gegen Boeing
Trotz der eigenen Schwierigkeiten behält Airbus im direkten Vergleich mit seinem Erzrivalen Boeing die Oberhand. Während Airbus im August eine beachtliche Anzahl an Auslieferungen verbuchte, lieferte der amerikanische Flugzeughersteller im gleichen Zeitraum lediglich 40 Flugzeuge aus. Damit bleibt Boeing in diesem Jahr im Hintertreffen, eine Entwicklung, die sich bereits in den Vormonaten abgezeichnet hat. Ende Juli lag Boeing in den kumulierten Auslieferungszahlen um 20 Prozent hinter Airbus zurück.
Die Gründe für die schwächere Performance von Boeing sind vielschichtig. Die Produktion der Boeing 737 Max-Serie ist aufgrund von strengen Auflagen der amerikanischen Luftfahrtbehörde FAA (Federal Aviation Administration) auf eine monatliche Höchstzahl von 38 Flugzeugen begrenzt. Obwohl Boeing die FAA mehrfach aufgefordert hat, diese Quote zu überprüfen und anzupassen, wurde dies bislang verweigert. Hinzu kommt eine drohende Arbeitsniederlegung: Ein möglicher Streik von bis zu 32.000 Mitarbeitern könnte die Produktion bei Boeing vollständig zum Erliegen bringen und den Rückstand auf Airbus weiter vergrößern.
Die Herausforderungen, denen sich beide Flugzeughersteller gegenübersehen, verdeutlichen die komplexen und fragilen Lieferketten in der Luftfahrtindustrie. Während Airbus mit Triebwerksengpässen kämpft, hat Boeing mit regulatorischen Hürden und internen Problemen zu kämpfen. Die Konkurrenz ist jedoch angesichts des wachsenden globalen Bedarfs an neuen Flugzeugen von entscheidender Bedeutung. Der Vorsprung, den Airbus sich im Jahr 2025 erarbeitet hat, scheint jedoch so groß, dass der europäische Hersteller das Jahr unabhängig von den endgültigen Auslieferungszahlen als klarer Sieger beenden wird.
Ausblick: Der Kampf um die globalen Märkte
Die jüngsten Auslieferungen von Airbus verteilten sich auf Kunden in der indo-pazifischen Region, darunter Etihad Airways, Malaysia Airlines und IndiGo, was die wachsende Bedeutung dieses Marktes für den europäischen Flugzeughersteller unterstreicht. Die Fluggesellschaften in Asien und dem Nahen Osten investieren massiv in die Modernisierung und Erweiterung ihrer Flotten, und sowohl Airbus als auch Boeing wetteifern um die Gunst dieser Kunden. Die Nachfrage nach effizienten und modernen Flugzeugen ist ungebrochen, und der Auftragsbestand beider Hersteller ist prall gefüllt.
Die Entwicklungen im August und die Aussichten für den September zeigen, dass die Luftfahrtindustrie weiterhin mit Lieferkettenproblemen zu kämpfen hat, die die Produktionsziele der Hersteller belasten. Die politischen Entscheidungen, wie das kürzlich erzielte Abkommen zwischen der EU und den USA über die Rückkehr zu einem Null-Zoll-Ansatz für zivile Flugzeuge, könnten jedoch in Zukunft dazu beitragen, die Produktionsbedingungen zu verbessern. Airbus-CEO Guillaume Faury begrüßte diese Entwicklung und betonte, dass sie für die gesamte Industrie von Vorteil sei. Unabhängig von diesen externen Faktoren wird der September für Airbus ein entscheidender Monat sein, um die Lücke zu seinem Jahresziel zu schließen und die Führungsrolle im globalen Flugzeugmarkt zu festigen. Die Luftfahrtindustrie bleibt ein dynamischer und hart umkämpfter Sektor, in dem es sowohl auf technische Innovationskraft als auch auf die Stabilität der Lieferketten ankommt.