Der europäische Billigflieger Ryanair hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026/2027 einen deutlichen Einbruch beim Nettogewinn hinnehmen müssen. Wie die Fluggesellschaft am 20. Juli bekannt gab, fiel der Gewinn nach Steuern um 34 Prozent auf 538 Millionen Euro, verglichen mit 820 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.
Hauptgründe für den Rückgang sind ein starker Anstieg der Preise für nicht abgesichertes Kerosin sowie ein Verfall der durchschnittlichen Ticketpreise um sechs Prozent. Der Gesamtumsatz stieg trotz höherer Passagierzahlen nur geringfügig um ein Prozent auf 4,38 Milliarden Euro, da das Unternehmen die Flugpreise senken musste, um die Nachfrage in einem von Unsicherheiten geprägten Marktumfeld zu stützen.
Das Passagieraufkommen legte im Berichtsquartal um sechs Prozent auf 61,3 Millionen Fluggäste zu, wobei die Auslastung der Maschinen unverändert bei 94 Prozent lag. Gleichzeitig kletterten die Betriebskosten jedoch um elf Prozent auf 3,81 Milliarden Euro. Die Verdopplung der Preise für die ungehedgten 20 Prozent des Treibstoffbedarfs auf 150 US-Dollar pro Barrel schlug hierbei spürbar zu Buche. Um die finanzielle Stabilität abzusichern, verweist die Unternahmensführung auf eine hohe Absicherungsquote von 80 Prozent für das restliche Geschäftsjahr zu günstigeren Konditionen. Zudem konnte die Fluggesellschaft durch die Rückzahlung einer Anleihe im Mai ihre Nettoverschuldung vollständig abbauen und verfügt nun über eine schuldenfreie Bilanz mit Barreserven von über 2,8 Milliarden Euro.
Parallel zur Vorlage der Quartalszahlen bekräftigte die Konzernleitung ihre Drohung, Flugkapazitäten konsequent aus Märkten mit hohen staatlichen Abgaben abzuziehen. Ryanair verlagert Flugzeuge schrittweise an Standorte in Ländern wie Italien, Marokko, Albanien oder Schweden, die Flughafengebühren und Luftverkehrsteuern senken. Standorte in Deutschland, Österreich und Irland verlieren dadurch Marktanteile und Verbindungen. Für das gesamte Geschäftsjahr rechnet Ryanair weiterhin mit einem Anstieg des Passagieraufkommens um vier Prozent auf 216 Millionen Kunden, macht aber das Erreichen der finanziellen Jahresziele von der Entwicklung der Kerosinpreise und den Nachzahlungen bei den Gehältern abhängig.
Luftfahrtexperten und Finanzanalysten verweisen zudem auf anhaltende Risiken durch die Lieferverzögerungen beim US-Hersteller Boeing. Zwar sind mittlerweile alle 210 bestellten Maschinen der Sonderbaureihe B-8200 ausgeliefert, doch die Zertifizierung des größeren Typs Boeing 737 MAX 10 verschiebt sich weiter. Das Erreichen der langfristigen Wachstumsziele von über 300 Millionen Passagieren bis zum Jahr 2034 hängt maßgeblich davon ab, ob der Hersteller die versprochenen Flugzeuge ab dem Frühjahr 2027 pünktlich liefern kann. Zudem beeinträchtigen anhaltende Streiks bei den europäischen Flugsicherungen den Flugbetrieb in den Sommermonaten.