Comac C919 (Foto: Weimeng).
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Rückschlag für Chinas Luftfahrt: Comac reduziert Auslieferungsziele für C919 drastisch

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Der chinesische Flugzeughersteller Comac sieht sich mit erheblichen Produktionsproblemen konfrontiert und hat seine Auslieferungsziele für das Jahr 2025 drastisch revidieren müssen. Anstatt der ursprünglich angestrebten 75 C919-Maschinen wird das Unternehmen nun voraussichtlich nur etwa 25 Exemplare des Schmalrumpfflugzeugs ausliefern können.

Dieser Rückschlag ist eine Folge von Engpässen in der Lieferkette, die die ambitionierten Pläne Chinas, in den von Airbus und Boeing dominierten Markt vorzudringen, verzögern. Die C919 ist das Prestigeprojekt der chinesischen Luftfahrtindustrie, das bis dato ausschließlich von heimischen Fluggesellschaften bestellt wurde.

Ambitionierte Ziele, unvorhergesehene Hindernisse

Zu Beginn des Jahres 2025 hatte Comac noch eine optimistische Prognose von 75 Auslieferungen für die C919 abgegeben, was einer Produktion von etwa einem Flugzeug alle fünf Tage entsprochen hätte. Diese Zahl war bereits im März von 50 auf 75 erhöht worden, was das große Vertrauen in die eigene Fertigungskapazität widerspiegelte. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg nun jedoch unter Berufung auf anonyme Quellen berichtet, ist dieses Ziel unerreichbar. Die Erwartungen wurden um zwei Drittel gesenkt, und die Fluggesellschaften müssen sich auf weitere Verzögerungen einstellen.

Ein Hauptgrund für die Produktionsengpässe sind Probleme in der globalen Lieferkette, insbesondere die Abhängigkeit von ausländischen Zulieferern. Die C919 ist zwar ein chinesisches Produkt, vertraut aber für viele kritische Komponenten auf westliche Technologien. Ein zentrales Beispiel sind die Triebwerke des Typs CFM LEAP-1C, die in einem Joint Venture von General Electric (GE) und Safran hergestellt werden. Zwischenzeitliche Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und China führten zu einem vorübergehenden Exportstopp der Triebwerke, was die Produktion massiv beeinträchtigte. Obwohl die Exporte mittlerweile wieder aufgenommen wurden, ist der entstandene Rückstand erheblich und hat die Anfälligkeit des Projekts gegenüber geopolitischen Einflüssen offengelegt. Weitere amerikanische Unternehmen wie Honeywell liefern ebenfalls wichtige Bauteile, was die Abhängigkeit weiter unterstreicht.

Auswirkungen auf die chinesische Luftfahrt

Die chinesischen Fluggesellschaften China Eastern Airlines, Air China und China Southern Airlines sind die Hauptabnehmer der C919. Sie hatten ursprünglich gemeinsam mit der Auslieferung von 32 Maschinen im Jahr 2025 gerechnet, aber bis September wurden nur fünf Flugzeuge ausgeliefert. Dies zeigt das Ausmaß der Produktionsprobleme und hat direkte Konsequenzen für die Flottenplanung der Airlines.

China Eastern Airlines ist mit 11 ausgelieferten Maschinen und weiteren 95 festen Bestellungen der größte Betreiber. Air China und China Southern Airlines verfügen derzeit über fünf C919-Flugzeuge und haben jeweils 100 und 95 Einheiten geordert. Darüber hinaus haben auch kleinere inländische Fluggesellschaften wie Suparna Airlines und Tibet Airlines Bestellungen aufgegeben. Die geringen Auslieferungszahlen stehen im krassen Gegensatz zu den massiven Bestellungen, die insgesamt über 1.000 Maschinen umfassen, was das hohe inländische Interesse an dem Flugzeug unterstreicht.

Die C919 hat im Inland bereits eine hohe Akzeptanz gefunden. Cirium, ein Unternehmen für Luftfahrt-Analysen, berichtet, daß für den laufenden Monat 2167 Flüge mit dem Typ geplant sind. Diese werden hauptsächlich von China Eastern, China Southern und Air China durchgeführt, wobei Hongkong das einzige internationale Ziel ist.

Kampf um internationale Anerkennung und Marktanteile

Einer der größten Herausforderungen für Comac ist es, internationale Kunden zu gewinnen. Bis jetzt hat keine ausländische Fluggesellschaft eine feste Bestellung für die C919 aufgegeben. Die fehlenden Zertifizierungen durch westliche Luftfahrtbehörden wie die FAA in den USA oder die EASA in Europa sind ein wesentliches Hindernis für den internationalen Markteintritt. Ohne diese Zulassungen dürfen Flugzeuge in diesen Lufträumen nicht kommerziell eingesetzt werden. Schätzungen zufolge könnte eine EASA-Zertifizierung noch bis 2028 oder 2031 auf sich warten lassen.

Trotz der Hürden gibt es Berichten zufolge Interesse aus dem Ausland. Ryanair, eine der größten Low-Cost-Airlines in Europa, hat angedeutet, daß man den Kauf der C919 in Betracht ziehen würde, wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Auch die asiatische Fluggesellschaft AirAsia führt Gespräche mit Comac. Für diese Fluggesellschaften, die sich mit den langen Lieferzeiten bei Airbus und Boeing konfrontiert sehen, könnte die C919 eine attraktive Alternative darstellen, um ihre Flotten schneller zu erweitern.

Die aktuellen Produktionsprobleme sind jedoch ein deutliches Signal an potentielle internationale Kunden, daß Comac noch weit davon entfernt ist, mit der Produktionsrate der etablierten Duopolisten Airbus und Boeing mitzuhalten. Deren monatliche Auslieferungszahlen übersteigen die jährlichen Ziele von Comac bei weitem. Die Produktionsschwierigkeiten und die Abhängigkeit von ausländischen Zulieferern unterstreichen, daß China noch einen weiten Weg vor sich hat, um sich als ernstzunehmender globaler Konkurrent im zivilen Luftverkehr zu etablieren.

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