Ein Strategiewechsel der mexikanischen Billigfluggesellschaft Volaris kündigt sich an. Nach monatelanger Wiederaufnahme und Aufstockung internationaler Flüge aus Monterrey streicht das Unternehmen sämtliche US-Verbindungen von seinem nordmexikanischen Drehkreuz. Die Entscheidung betrifft acht Strecken in die Vereinigten Staaten, die allesamt bis Juli 2025 eingestellt werden sollen. Damit verändert sich das internationale Netz der Fluggesellschaft grundlegend.
Noch Ende 2024 hatte Volaris mit großem Aufwand mehrere neue Verbindungen zwischen Monterrey und verschiedenen US-amerikanischen Städten eröffnet. Darunter befanden sich Routen nach San Antonio, Chicago, Oakland, Los Angeles und Miami – viele davon erst kurz zuvor wieder in Betrieb genommen oder gar neu aufgenommen. Der nun angekündigte Rückzug erscheint vor diesem Hintergrund überraschend.
Im Zeitraum von Januar bis Juli 2025 hatte Volaris Flüge von Monterrey nach San Antonio, Chicago, Oakland, Los Angeles, Miami, Houston, Dallas und Denver angeboten. Besonders häufig bedient wurden dabei die Strecken nach Houston (bis zu 14 wöchentliche Flüge) sowie nach Dallas und San Antonio (jeweils bis zu sieben Flüge pro Woche). Bereits im Mai verschwinden diese Routen vollständig aus dem Flugplan.
Im Juni verbleiben lediglich die Verbindungen nach Los Angeles (dreimal wöchentlich) und Miami (einmal wöchentlich). Mit dem Juli verschwindet schließlich auch die Strecke nach Los Angeles – Miami bleibt somit der letzte verbliebene US-Flug ab Monterrey. Dieser endet Ende Juli 2025 und markiert damit das vollständige Ende der US-Verbindungen von Volaris ab diesem Standort.
Monterrey verliert Anbindung an bedeutende US-Ziele
Die betroffenen Ziele sind nicht nur wichtige Drehkreuze im US-amerikanischen Luftverkehr, sondern auch beliebte Destinationen für Geschäfts- und Familienreisende aus Mexiko. Chicago O’Hare, Los Angeles International, Miami International sowie die Flughäfen in Oakland, Houston und Dallas stellen essenzielle Verbindungen für viele Passagiere dar – sowohl aus wirtschaftlichen als auch aus kulturellen Gründen.
Durch den Rückzug entsteht eine spürbare Lücke in der internationalen Anbindung Monterreys, das bislang als wichtiger Knotenpunkt für Flüge in die Vereinigten Staaten galt. Die nun entfallenden Strecken könnten mittelfristig durch andere Fluggesellschaften ersetzt werden, jedoch ist unklar, ob und wann dies geschehen wird.
Hintergründe: Marktveränderungen und interne Umstrukturierungen
Die Beweggründe für diesen Strategiewechsel wurden von Volaris bislang nicht detailliert öffentlich gemacht. Branchenkenner vermuten eine Mischung aus sinkender Nachfrage, wachsendem Konkurrenzdruck auf den betroffenen Routen sowie eine Umstrukturierung innerhalb der Flotte. Gerade die Verlagerung von Flugzeugen zu profitableren oder wachstumsstärkeren Märkten dürfte ein entscheidender Faktor gewesen sein.
Auch die Auswirkungen der internationalen Wirtschaftslage sowie die laufende Konsolidierung des nordamerikanischen Luftverkehrsmarktes dürften ihren Teil beigetragen haben. In Zeiten erhöhter Betriebskosten und volatiler Nachfrage setzen viele Fluggesellschaften vermehrt auf Strecken mit höherer Auslastung und stabileren Erträgen.
Neue Wachstumsregionen im Fokus
Während Volaris sich aus Monterrey zurückzieht, setzt die Fluggesellschaft in anderen Regionen auf Expansion. Bereits für Juli 2025 ist die Aufnahme zweier neuer Routen von San Antonio in Texas nach den mexikanischen Städten Morelia und San Luis Potosí geplant. Beide Verbindungen sollen dreimal wöchentlich bedient werden und zielen auf den wachsenden Verkehr zwischen dem Süden der USA und Zentralmexiko ab.
San Luis Potosí gilt als aufstrebendes wirtschaftliches Zentrum mit zunehmender Bedeutung im internationalen Geschäftsreiseverkehr. Morelia hingegen erfreut sich sowohl bei mexikanischen Auslandsrückkehrern als auch bei Urlaubern zunehmender Beliebtheit.
Auch im Westen der Vereinigten Staaten bleibt Volaris aktiv. So wird ab März 2025 eine neue tägliche Direktverbindung von Oakland nach Los Cabos eingerichtet. Die Strecke verbindet das kalifornische Ballungszentrum rund um die San Francisco Bay Area mit den bekannten Urlaubsregionen Cabo San Lucas und San José del Cabo auf der Halbinsel Baja California.
Umstellung auf zielgerichtete Marktstrategien
Die jüngsten Entscheidungen deuten auf eine gezielte Umstrukturierung innerhalb der internationalen Netzplanung von Volaris hin. Während Märkte wie Monterrey mit sinkender Rentabilität zu kämpfen haben, verlagert die Fluggesellschaft ihre Kapazitäten dorthin, wo höhere Auslastung und stabilere Erträge erwartet werden. Dies entspricht dem Vorgehen vieler sogenannter Ultra-Low-Cost-Carrier, die ihre Strecken häufig kurzfristig anpassen und eng am Nachfrageverhalten ausrichten.
Durch die Konzentration auf wachstumsstarke Zielgebiete versucht Volaris, sich im umkämpften Markt besser zu positionieren und sich gegen regionale Wettbewerber sowie große US-amerikanische Airlines zu behaupten.
Herausforderungen und Chancen für den Standort Monterrey
Für den Flughafen Monterrey stellt der Rückzug von Volaris aus dem US-Verkehr eine Herausforderung dar. Die entfallenden Verbindungen werden kurzfristig zu einer Reduzierung des Passagieraufkommens führen. Langfristig könnten andere Airlines in die Lücke stoßen – ob mexikanische Mitbewerber wie Viva Aerobus oder internationale Gesellschaften, bleibt jedoch abzuwarten.
Es bleibt auch die Frage offen, ob Volaris mittelfristig eine Rückkehr in Betracht zieht, sollte sich das Marktumfeld verbessern. In der Vergangenheit hatte die Airline mehrfach Strecken aufgegeben und später wieder aufgenommen – ein Muster, das sich unter bestimmten Umständen wiederholen könnte.
Der Rückzug von Volaris aus dem US-Verkehr ab Monterrey zeigt exemplarisch die Volatilität und Anpassungsfähigkeit im internationalen Luftverkehr. Marktveränderungen, interne Prioritäten und operative Effizienz bestimmen zunehmend die Entscheidungen von Fluggesellschaften. Während Passagiere in Nordmexiko künftig auf Alternativen angewiesen sind, konzentriert sich Volaris auf neue Chancen im Zentrum und Westen Mexikos sowie in wirtschaftlich interessanteren Verbindungen mit den Vereinigten Staaten.