Ryanair-Chef Michael O’Leary sorgt mit einer für ihn durchaus ungewöhnlichen Äußerung für Aufsehen. Der Manager sagte gegenüber der Financial Times, dass seiner Ansicht nach das Fliegen „zu billig geworden ist, um Gewinne zu erzielen“.
„Es ist zu billig geworden für das, was es ist. Ich finde es absurd, dass jedes Mal, wenn ich nach Stansted fliege, die Zugfahrt ins Zentrum von London teurer ist als der Flugpreis“, so der Chef der größten Billigfluggesellschaft Europas.
Derartige Aussagen von Michael O’Leary sind extrem selten, denn normalerweise wirft er anderen Fluggesellschaften Wucherpreise vor und kündigt gerne einen Satz später eine weitere Billigticket-Aktion des von ihm geleiteten Konzerns an. Dazu kommt, dass jenes Luftfahrtunternehmen, das den Preiskampf in Stansted maßgeblich gestaltet, nicht ganz zufällig Ryanair samt Group-CEO O’Leary ist.
Der Zeitpunkt der Aussagen des Ryanair-Holdings-Vorstandsvorsitzenden dürfte gar strategischer Natur sein, denn auch der Billigflieger hat mit massiv gestiegenen Kosten zu kämpfen. Über Fuel-Hedging-Geschäfte konnte man sich im Bereich des Treibstoffeinkaufs temporär absichern, jedoch eben nicht auf Dauer.
Deswegen ist es gar nicht verwunderlich, dass Michael O’Leary gegenüber der Financial Times auch sagte, dass er damit rechnet, dass die durchschnittlichen Preise bei der von ihm geleiteten Airline auf 50 bis 60 Euro steigen werden. Eigenen Angaben nach liegt man momentan bei etwa 40 Euro. „Preistreiber“ sollen sowohl die steigenden Spritpreise als auch Umweltsteuern, die von diversen Staaten erhoben werden, sein.
„Es war mein Werk Flugreisen billig zu machen. Ich habe damit eine Menge Geld verdient. Aber letztlich glaube ich nicht, dass der Flugverkehr bei einem Durchschnittspreis von 40 Euro mittelfristig tragbar ist. Das ist einfach zu billig. Aber ich denke, dass sie auch bei 50 und 60 Euro noch sehr günstig und erschwinglich sein werden“, so Michael O’Leary, der vor einigen Jahren noch angekündigt hat, dass Fliegen irgendwann gar nichts mehr kosten wird.
Hinsichtlich der Ölpreise sagte der Manager, dass er davon ausgeht, dass diese „vier oder fünf Jahre lang“ auf hohem Niveau bleiben werden. Entspannung werde erst dann eintreten „wenn wir uns von russischem Öl und Gas lösen können“. Gleichzeitig geht er davon aus, dass die Carrier einem großen Inflationsdruck ausgesetzt ein werden sowie die Kosten für Personal, Airports und Flugsicherung stark steigen werden.
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