Airbus A320 (Foto: Jan Gruber).
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Ryanair: In Shannon „ausgeladen“ und sich selbst überlassen

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Unwetter kommen immer wieder mal vor und können die Reisepläne von Passagieren ganz schön durcheinander wirbeln. In der Luftfahrt gilt der Grundsatz „Safety first“, weshalb Kapitäne bei widrigen Bedingungen eine Ausweichlandung auf einem alternativen Landeplatz oder den Rückflug zum Ursprungsort vorziehen. Doch wenn die einzige Unterstützung der Airline aus einem SMS besteht, das sinngemäß besagt, dass man selbst schauen muss wie man vom so genannten Alternate zum eigentlichen Zielort kommt, geht etwas gehörig schief.

Am vergangenen Sonntag herrschten in Teilen Irlands schwere Unwetter, Unter anderem war der größte Airport des Inselstaats, Dublin, davon betroffen. Unzählige Flüge mussten gestrichen werden, auf andere Flughäfen ausweichen oder aber waren erheblich verspätet. Der von Lauda Europe im Auftrag der Ryanair DAC durchgeführte Flug FR8438 war ebenfalls betroffen. Nach zwei Landeversuchen in Dublin, die aus Sicherheitsgründen abgebrochen werden mussten entschied der Kapitän den Alternate, im konkreten Fall Shannon, anzusteuern. Dort landete die 9H-LOA dann auch sicher. Bis dahin haben die Airline und ihre Crew definitiv alles richtig gemacht und immerhin wurden die Reisenden auch zumindest ins Zielland befördert, was bei anderen Anbietern nicht der Fall war, denn einige kehrten zum Ursprungsort zurück oder wichen zum Beispiel nach Birmingham aus.

Kundenbetreuung soll nur aus SMS, E-Mail und Push-Nachrichten bestanden haben

Doch was danach kam, war für die Passagiere von Flug FR8438 nicht gerade von vorbildlicher Einhaltung der Fluggastrechte geprägt. Zunächst hieß es warten in der 9H-LOA, anschließend bat die Crew das Flugzeug zu verlassen und im Terminal auf weitere Informationen vom Ground Handling zu warten. So versammelten sich die betroffenen Reisenden zunächst in der Gepäckhalle des Flughafens Shannon, jedoch wurden die Gepäckstücke eine längere Zeit nicht ausgegeben. Vom Ground Handling habe sich laut Betroffenen auch niemand blicken lassen, die einzige Kommunikation mit Ryanair habe in SMS, Push-Nachrichten bzw. E-Mails bestanden.

Zunächst hieß es, dass Busse organisiert werden sollen, mit denen dann die Reise nach Dublin fortgesetzt werden sollen. Nach einer weiteren Wartezeit kam dann die Hiobsbotschaft, dass es weder auf dem Luft- noch auf dem Landweg in die irische Hauptstadt weitergehen wird. Ryanair wäre nicht in der Lage dafür zu sorgen. Die Reisenden sollten sich selbst organisieren und über einen Link etwaige Rechnungen einreichen. Kurz darauf wurden die Gepäckstücke der Passagiere ausgegeben.

Pech für die Passagiere: Nächster Linienbus erst einige Stunden später

Doch: So einfach ist es gar nicht zügig mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Shannon nach Dublin zu kommen. Zunächst mit einem Linienbus nach Limerick fahren und dann dort mehrere Stunden auf den nächsten Fernbus nach Dublin warten. Grund: Ungeschickter Weise sind die Reisenden genau während einer mehrstündigen Betriebspause der Busse in die Hauptstadt angekommen. Seitens Ryanair soll sich angeblich niemand unterstützend gezeigt haben.

Für die betroffenen Passagiere war ein Umstand besonders ärgerlich, denn während diese auf ihren Smartphones vor dem Flughafen Shannon nach Möglichkeiten nach Dublin zu kommen gesucht haben, flog die 9H-LOA ihnen sprichwörtlich über den Kopf hinweg. In der Tat flog dieser Airbus A320, in dem sich die Reisenden noch kurz zuvor befunden haben, aus Shannon heraus und zwar nicht nach Wien zurück, sondern ausgerechnet nach Dublin, wo der Mittelstreckenjet dann kurz darauf landete. Lauda Europe hat die Maschine ferry, also ohne Passagiere an Bord, in die irische Hauptstadt überstellt, wo die Passagiere eigentlich hinwollten. Vorweg: Ryanair ist auf die Frage warum man denn die Reisenden nicht gleich mitgenommen hat, nicht beantwortet. Die Fluggäste von FR8437 (Dublin-Wien) hatten davon aber nicht wirklich etwas, denn scheinbar konnte die 9H-LOA ein kurzes Zeitfenster nutzen, in dem man in Dublin sicher landen konnte, danach ging wieder stundenlang nichts mehr, wofür die Airline nichts kann. Aufgrund der Flight Duty Regulations der Crew ging es dann erst am Folgetag um die Mittagszeit nach Wien.

Ryanair entschuldigt sich und schweigt zum Leerflug

Doch was sagt eigentlich Ryanair dazu, dass man die Passagiere von Flug FR8438 zwar sicher nach Shannon gebracht hat, jedoch dort sich selbst überlassen hat? Das Unternehmen übermittelte nachstehendes Statement per E-Mail: „Am Sonntag, den 20. Oktober, wurden alle Transportunternehmen, die von/nach Irland und Großbritannien reisten, stark von Sturm Ashley betroffen, der zahlreiche Flug-, Fähr- und Zugverspätungen sowie -ausfälle verursachte. Wir bedauern diese Verspätungen/Unterbrechungen aufrichtig, die ausschließlich durch Sturm Ashley und unsere Notwendigkeit, die Sicherheit von Flugzeugen und Passagieren zu priorisieren, verursacht wurden. Ryanairs Priorität bei wetterbedingten Störungen ist es, alles zu tun, um unsere Passagiere und Crews zu ihrem Ziel zu bringen, wenn auch mit Verspätungen und Umleitungen, die offensichtlich außerhalb unserer Kontrolle liegen. Passagiere dieses Fluges von Wien nach Dublin (20. Oktober) wurden per E-Mail, SMS und PUSH-Benachrichtigungen über die Umleitung informiert und anschließend über ihre Optionen auf dem Laufenden gehalten. Trotz Ryanairs Bemühungen, alternative Transportmittel zu organisieren, war die Verfügbarkeit von Transportmöglichkeiten begrenzt, und den Passagieren wurde mitgeteilt, dass sie auch einen individuellen Transport von Shannon nach Dublin/Cork organisieren können und dass sie die Kosten auf Ryanair.com zurückfordern können. Ryanair entschuldigt sich aufrichtig bei allen Passagieren, die von dieser sturmbedingten Umleitung betroffen waren, die völlig außerhalb unserer Kontrolle lag“.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Passagiere ihre Bus- und Taxi-Kosten rasch und unkompliziert ausbezahlt bekommen und der Carrier keine Diskussion darüber anbelangt, was angemessene Kosten sind und was nicht. Besonders bei höheren Taxi-Rechnungen legen sich manche Airlines durchaus quer und verweisen darauf, dass man Öffis hätte nutzen sollen. Ungeschickt nur, wenn diese eben nicht mehr fahren, weil man außerhalb der Betriebszeiten am Alternate „ausgeladen“ wurde… Die Frage warum die 9H-LOA ferry nach Dublin überstellt wurde, beantwortete Ryanair – wie bereits erwähnt – nicht. Die Konzernschwester Lauda Europe hat mit der erfolgreichen Durchführung des Überstellers – ohne Passagiere an Bord – jedenfalls selbst bewiesen, dass zumindest zu diesem Zeitpunkt eine sichere Landung in Dublin möglich war. Somit ist es nicht auszuschließen, dass den Reisenden trotz des Unwetters, das als so genannter besonderer Umstand und damit als Ausschlussgrund gilt, doch eventuell Entschädigungen in der Höhe von 400 Euro zustehen könnten. Möglicherweise wird sich der eine oder andere Jurist damit befassen müssen.

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