Boeing 737-Max-200 (Foto: Angelika Evergreen).
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Ryanair kämpft mit Boeing-Lieferverzögerungen und senkt Passagierprognosen für 2026

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Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair hat im Januar 2025 bekannt gegeben, dass sie ihre Passagierprognose für das Geschäftsjahr 2026 um 4 Millionen auf 206 Millionen Passagiere gesenkt hat. Ein zentraler Grund für diese Anpassung sind wiederholte Lieferverzögerungen von Boeing, die den Ausbau der Flotte erheblich beeinträchtigen. Trotz dieser Herausforderungen konnte Ryanair im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025 einen erheblichen Gewinnanstieg verbuchen, was auf eine stabilisierte Nachfrage und eine erfolgreiche Behebung interner Streitigkeiten zurückzuführen ist.

Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025 (Q3 FY25) erzielte Ryanair einen Gewinn nach Steuern von 149 Millionen Euro, was im Vergleich zum Vorjahr eine deutliche Verbesserung darstellt (2024: 15 Millionen Euro). Der Umsatz stieg um 10 % auf 2,96 Milliarden Euro, was Ryanair in eine stabile Position für die verbleibenden Monate des Jahres versetzt. Michael O’Leary, CEO von Ryanair, erklärte, dass die starke Performance im dritten Quartal vor allem auf die Behebung eines Streits mit Online-Reisebüros (OTAs) im späten Jahr 2023 zurückzuführen sei. In diesem Zeitraum war das Geschäft aufgrund der Konflikte mit den OTAs negativ betroffen. Nachdem dieser Konflikt beigelegt wurde, konnte Ryanair nun wieder zu einer „normalen“ Geschäftsentwicklung zurückkehren.

Der Betriebskostenanstieg von 8 % auf 2,93 Milliarden Euro wurde größtenteils durch die höhere Passagierzahl von 44,9 Millionen, was einem Anstieg von 9 % im Jahresvergleich entspricht, ausgeglichen. Ryanair wies im vierten Quartal darauf hin, dass sich die Ticketpreise stabilisierten, was auf eine anhaltend starke Nachfrage hindeutet.

Boeing-Lieferverzögerungen als Hemmschuh für Wachstum

Trotz des positiven Trends bei den Passagierzahlen bleibt das größte Problem für Ryanair die anhaltende Verzögerung bei den Boeing 737 MAX-Lieferungen. Diese Problematik führte bereits zu einer Senkung der Passagierprognose für das Jahr 2026 und beeinträchtigt die Fluggesellschaftsstrategie für die kommenden Jahre. Bis zum 31. Dezember 2024 hatte Ryanair insgesamt 172 Boeing 737 MAX 8-200 in seiner Flotte und 609 Flugzeuge insgesamt. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 wurden nur zwei weitere Maschinen dieses Typs ausgeliefert, was den Ausbau des Flugzeugparks erschwert.

Die Verzögerungen bei den Lieferungen sind insbesondere auf Produktionsprobleme bei Boeing zurückzuführen, die durch einen Streik von Boeing-Mitarbeitern im Herbst 2024 noch verschärft wurden. Obwohl Boeing die Produktion im Dezember 2024 wieder aufnahm, bleibt die Situation weiterhin angespannt. O’Leary betonte, dass Ryanair in enger Zusammenarbeit mit Boeing daran arbeite, die Auslieferung neuer Flugzeuge zu beschleunigen. Allerdings bleibe das Risiko weiterer Lieferverzögerungen hoch, was Ryanairs Pläne für die Sommermonate 2025 und darüber hinaus beeinträchtigen könnte.

Ryanair setzt auf Kapazitätsumverteilung und Steuererleichterungen

Trotz dieser Herausforderungen bleibt Ryanairs Ziel, jährlich 200 Millionen Passagiere zu befördern, weiterhin bestehen. Die Fluggesellschaft setzt dabei zunehmend auf eine Umverteilung ihrer Kapazitäten auf Flughäfen und Regionen, die Anreize für Wachstum bieten, wie z. B. Steuererleichterungen. Insbesondere Schweden, Ungarn und verschiedene italienische Regionen haben in der Vergangenheit Maßnahmen ergriffen, um den Luftverkehr zu fördern. Ryanair erwartet auch, dass die Kapazität im europäischen Kurzstreckenmarkt in den kommenden Jahren weiterhin begrenzt bleibt, da zahlreiche europäische Airlines mit Problemen bei der Wartung ihrer Airbus-Flotten und einer allgemeinen Konsolidierung im Markt zu kämpfen haben.

O’Leary betonte, dass Ryanair von der weiteren Konsolidierung der Branche profitieren werde, insbesondere durch die Übernahme von ITA durch Lufthansa und die anstehende Privatisierung von TAP Air Portugal. In der Zwischenzeit geht Ryanair davon aus, dass die Probleme mit Boeing und die Konkurrenzsituation den europäischen Luftverkehr weiterhin auf Trab halten werden.

Prognose für das Gesamtjahr 2025

Für das gesamte Geschäftsjahr 2025 rechnet Ryanair mit einem Gewinn nach Steuern (PAT) zwischen 1,55 und 1,61 Milliarden Euro, was jedoch weiterhin von externen Faktoren abhängt, darunter geopolitische Unsicherheiten wie die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten, sowie mögliche weitere Probleme bei der Flugzeuglieferung und beim Personalmanagement der Flugverkehrskontrolle (ATC) in Europa.

Trotz dieser Unsicherheiten bleibt Ryanair aufgrund seiner stabilen Marktstellung und seiner fortgesetzten Bemühungen zur Kapazitätsumverteilung und Kostenkontrolle optimistisch für die kommenden Jahre.

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