Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair hat die österreichische Bundesregierung unter Bundeskanzler Stocker scharf für die Rahmenbedingungen im nationalen Luftverkehrsmarkt kritisiert. Anlass der Kritik ist die Ankündigung der Lufthansa-Tochter Eurowings, ihre operative Basis am Flughafen Graz zu schließen. Nach Einschätzung von Ryanair-Managementvertretern ist dieser Schritt ein direktes Resultat einer verfehlten Luftfahrtpolitik.
Insbesondere die pauschale Luftverkehrsabgabe in Höhe von zwölf Euro pro Passagier, hohe Flughafengebühren sowie steigende Kosten für die Flugsicherung Austro Control belasten die Wirtschaftlichkeit von Point-to-Point-Verbindungen abseits des Hauptstadtdrehkreuzes Wien erheblich. Das Unternehmen warnt vor einem anhaltenden Abzug von Flugzeugkapazitäten und Investitionen in kostengünstigere EU-Nachbarländer.
Die Debatte um die österreichische Ticketsteuer und die Standortkosten für Fluggesellschaften schwelt in der Alpenrepublik seit Jahren. Während die Bundesregierung die Abgabe verteidigt und punktuelle Hilfspakete für Regionalflughäfen im Umfang von rund 30 Millionen Euro vorschlägt, fordert die Luftfahrtbranche vehement deren komplette Abschaffung. Branchenstatistiken zeigen, dass die Luftverkehrsteuer jährlich rund 140 Millionen Euro in das Staatsbudget einbringt, demgegenüber jedoch laut Kritikern erhebliche Einbußen bei der touristischen Wertschöpfung und im regionalen Arbeitsmarkt stehen. Der Flughafen Graz verliert durch den Abzug von Eurowings wichtige Direktverbindungen zu europäischen Wirtschaftszentren und Urlaubsdestinationen, was die wirtschaftliche Situation des steirischen Flughafens verschärft.
Luftfahrtexperten betrachten den Konflikt als Teil einer breiteren Konsolidierung im europäischen Luftraum, bei der Fluggesellschaften ihre Flotten flexibel dorthin verlagern, wo die operativen Zugangskosten am niedrigsten sind. Länder wie Italien oder Schweden haben zuletzt eigene Luftfahrtabgaben reduziert oder abgeschafft, um das Passagierwachstum und die Ansiedlung von Flugzeugen zu forcieren. In Österreich führt die Kombination aus staatlichen Steuern und den vergleichsweise hohen Gebühren der teilprivatisierten oder kommunalen Flughäfen zu einem Wettbewerbsnachteil im Segment der Billigflieger. Kritische Marktbeobachter geben jedoch zu bedenken, dass die aggressive Rhetorik von Ryanair auch als Instrument im harten Verdrängungswettbewerb gegen den Lufthansa-Konzern dient, um eigene Marktanteile und künftige Gebührenrabatte zu verhandeln.
Die langfristigen Folgen dieser Standortpolitik betreffen vor allem die Anbindung der Bundesländer. Ohne stationierte Flugzeuge von Anbietern wie Eurowings oder Ryanair sinkt die Flexibilität für Passagiere aus den Regionen, da verbleibende Verbindungen oft nur über teurere Drehkreuze abgewickelt werden. Das Flughafenmanagement in den Bundesländern steht somit vor der Herausforderung, neue Airline-Partner zu gewinnen, während der finanzielle Spielraum durch sinkende Passagierzahlen schrumpft. Ob die Bundesregierung an ihrem steuerlichen Kurs festhält oder auf den wachsenden Druck der Wirtschaft reagiert, wird den Luftverkehrsstandort Österreich in den kommenden Jahren nachhaltig prägen.