Die irische Fluggesellschaft Ryanair hat am heutigen Freitag, den 22. Mai 2026, deutliche Kritik an der deutschen Bundesregierung geäußert. Hintergrund ist die Entscheidung des Bundestags, die Luftverkehrsteuer nicht wie zuvor angekündigt vollständig um drei Euro pro Passagier zu senken.
Der Low-Cost-Carrier sieht darin ein gebrochenes Versprechen, das den deutschen Luftverkehrsstandort im internationalen Vergleich weiter schwäche. Ryanair betont, dass die Kombination aus hoher Steuerlast, steigenden Flugsicherungsgebühren und teuren Sicherheitsentgelten das Wachstum massiv ausbremse. Während andere europäische Nationen wie Schweden, Italien oder Ungarn ihre Abgaben gesenkt oder abgeschafft hätten, stagniere der deutsche Markt bei einer Erholungsrate von lediglich 89 Prozent des Vorkrisenniveaus.
Die wirtschaftlichen Konsequenzen dieser Kostenstruktur zeigen sich bereits in konkreten Flottenentscheidungen. Ryanair bestätigte erneut, die Basis am Flughafen Berlin Brandenburg zum Winterflugplan 2026 weitgehend aufzugeben und sieben dort stationierte Flugzeuge in kostengünstigere EU-Staaten zu verlagern. Diese Entwicklung betrifft nicht nur Billigflieger; auch der Flagcarrier Lufthansa hatte zuletzt Streichungen im innerdeutschen Streckennetz mit mangelnder Wettbewerbsfähigkeit begründet. Branchenexperten weisen darauf hin, dass insbesondere Regionalflughäfen unter dem Rückzug von Airlines leiden, da die hohen Fixkosten pro Abflug den Betrieb dünner besiedelter Routen unrentabel machen. Die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz steht hierbei vor der Herausforderung, die Haushaltsdisziplin mit den Forderungen der Industrie nach Entlastungen in Einklang zu bringen.
Eddie Wilson, CEO von Ryanair, unterstrich, dass das Unternehmen bei einer grundlegenden Reform der Zugangskosten bereit wäre, das Passagieraufkommen in Deutschland auf jährlich 34 Millionen Reisende zu verdoppeln. Dies würde die Stationierung von 30 zusätzlichen Flugzeugen und die Schaffung tausender Arbeitsplätze bedeuten. Da jedoch die Kosten für Luftsicherheit und Flugsicherung im Jahr 2026 auf einem historisch hohen Niveau verharren, sieht die Airline derzeit keine Basis für Investitionen. Zusätzliche Recherchen belegen, dass Deutschland mittlerweile die höchsten staatlich induzierten Standortkosten in Europa aufweist, was zu einer zunehmenden Verkehrsverlagerung an ausländische Drehkreuze führt.
Die Kritik der Airline trifft auf eine politisch angespannte Lage, in der über die künftige Ausrichtung der Verkehrsinfrastruktur gestritten wird. Während Wirtschaftsverbände vor einem dauerhaften Konnektivitätsverlust warnen, hält die Bundesregierung an Teilen der steuerlichen Belastungen fest, um fiskalische Ziele zu erreichen. Für die Passagiere bedeutet das Ausbleiben der Steuersenkung weiterhin höhere Ticketpreise im Vergleich zum europäischen Ausland. Ryanair droht damit, weitere Kapazitäten aus Deutschland abzuziehen, sollte keine tiefgreifende Reform der Entgeltstruktur erfolgen, was den Druck auf die deutschen Flughafenstandorte im laufenden Geschäftsjahr weiter erhöhen dürfte.