Winglets B737-Max-200 und B737-800 (Foto: Jan Gruber).
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Ryanair kritisiert massive Verspätungen durch europäische Flugsicherungen

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Die Fluggesellschaft Ryanair hat am Donnerstag, den 8. Januar 2026, eine scharfe Bilanz über die betrieblichen Störungen während der vergangenen Weihnachtsfeiertage gezogen. Nach Angaben des Unternehmens waren zwischen dem 22. und 31. Dezember 2025 insgesamt über 3.200 Flüge von Verspätungen betroffen, was die Reisepläne von rund 600.000 Passagieren beeinträchtigte. Als Hauptursache nennt der Marktführer einen akuten Personalmangel bei den nationalen Flugsicherungsdiensten (Air Traffic Control, ATC). Besonders negativ fielen dabei Spanien und Frankreich auf, die zusammen für etwa zwei Drittel aller Verspätungen verantwortlich zeichneten. In Spanien waren knapp 1.100 Flüge betroffen, in Frankreich rund 1.000. Auch Portugal und Deutschland rangieren auf der Liste der defizitären Dienstleister weit oben.

Ryanair-Chef Eddie Wilson bezeichnete die Situation als inakzeptabel und warf der EU-Kommission unter Präsidentin Ursula von der Leyen Untätigkeit vor. Das Unternehmen nutzt in seiner Kommunikation den spöttischen Beinamen „Ursula von Derlayed-Again“, um den Frust über ausbleibende Reformen im europäischen Luftraum auszudrücken. Laut Ryanair schränken die personellen Engpässe bei den Flugsicherungen die Reisefreiheit der EU-Bürger massiv ein, da systematische Fehlplanungen bei der Personalbesetzung zu vermeidbaren Wartezeiten führen. Die Fluggesellschaft fordert nun alle betroffenen Passagiere auf, über eine eigens eingerichtete Internetplattform Protestmails an die zuständigen Verkehrsminister zu senden, um den Druck auf die Politik zu erhöhen.

Branchenexperten und zusätzliche Daten des europäischen Flugsicherungsdienstes Eurocontrol bestätigen, dass die Kapazitätsengpässe im europäischen Luftraum ein strukturelles Problem darstellen. Während das Verkehrsaufkommen zum Jahreswechsel 2025/2026 nahezu wieder Rekordwerte erreichte, kämpfen viele Kontrollzentren mit einer Überalterung der Belegschaft und langwierigen Ausbildungsprozessen für neue Fluglotsen. In Frankreich führten zudem punktuelle Streiks und technische Umstellungen in den Kontrollzentren zu zusätzlichen Kapazitätsbeschränkungen. In Deutschland sorgt die komplexe Luftraumstruktur in Verbindung mit militärischen Übungsgebieten regelmäßig für Engpässe, die bei personeller Unterbesetzung sofort zu Verzögerungen im zivilen Sektor führen.

Der Vorstoß von Ryanair zielt auf eine grundlegende Reform des „Single European Sky“ ab, ein Projekt, das bereits seit Jahren eine Vereinheitlichung und Effizienzsteigerung des europäischen Luftraums anstrebt, jedoch immer wieder an nationalen Interessen scheitert. Die Fluggesellschaft betont, dass gerade in der Hochsaison, wenn viele Familien unterwegs sind, die Zuverlässigkeit der Infrastruktur gewährleistet sein muss. Da die Flugsicherungsgebühren von den Airlines gezahlt werden, fordert die Branche eine entsprechende Gegenleistung in Form von ausreichenden Kapazitäten. Ohne politische Intervention auf EU-Ebene befürchten Marktbeobachter, dass sich ähnliche Szenarien auch in der kommenden Sommersaison wiederholen werden.

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