Die irische Fluggesellschaft Ryanair hat am Mittwoch Verkehrszahlen für den Flughafen Wien veröffentlicht und warnt vor einer weiteren Abwanderung des Luftverkehrs in benachbarte Länder.
Laut Angaben der Airline verzeichnete der Wiener Flughafen im April einen Rückgang des Passagieraufkommens um 10 % im Vergleich zum Vorjahresmonat. Dieser Trend bestätige die Prognose, wonach der österreichische Markt im Jahr 2026 bis zu drei Millionen Passagiere verlieren könnte. Als Hauptgründe nennt Ryanair die staatliche Luftverkehrssteuer von 12 Euro pro Fluggast sowie die seit der Corona-Pandemie drastisch gestiegenen Flughafenkosten und Flugsicherungsgebühren. Letztere seien laut Unternehmensangaben um 60 % angestiegen, was die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts erheblich schwäche.
Im direkten Gegensatz zur Entwicklung in Österreich verzeichnet der Flughafen Bratislava in der benachbarten Slowakei ein Rekordwachstum. Allein im April stieg das dortige Verkehrsaufkommen um 170 %. Ryanair führt diesen Erfolg auf die gezielte Entlastung des Luftverkehrssektors in der Slowakei zurück, wo Steuern abgeschafft und Gebühren gesenkt wurden. Ähnliche Tendenzen zeigten sich auch in Schweden, Italien und Ungarn, die durch kostengünstigere Rahmenbedingungen verstärkt Airlines und Touristen anziehen. Die Billigfluggesellschaft droht nun offen mit einem weiteren Kapazitätsabbau an allen österreichischen Flughäfen im kommenden Winter, sollte die Regierung nicht umgehend reagieren und die steuerlichen Belastungen reduzieren.
Andreas Gruber, Sprecher von Ryanair, forderte die Bundesregierung unter Kanzler Stocker sowie die Verantwortlichen des Flughafens Wien zu einem Kurswechsel auf. Konkret verlangt die Fluggesellschaft die vollständige Abschaffung der Luftverkehrssteuer sowie eine Halbierung der Flugsicherungsgebühren. Zudem müssten Wachstumsförderprogramme und Anreizsysteme für Fluggesellschaften am Flughafen Wien reaktiviert werden. Ryanair betont, die einzige Airline zu sein, die das Passagieraufkommen in Österreich signifikant steigern könne, sofern die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wieder ein konkurrenzfähiges Niveau erreichen. Ohne solche Maßnahmen werde sich die Verlagerung des Verkehrs in günstigere Nachbarstaaten unweigerlich fortsetzen.
Die aktuelle Situation wird durch die jüngste Schließung der Ryanair-Basis in Berlin untermauert, die das Unternehmen als warnendes Beispiel für Standorte mit hohen regulatorischen Kosten anführt. Der Wirtschaftsstandort Österreich riskiert laut Branchenexperten nicht nur den Verlust von Konnektivität, sondern auch Einbußen im Tourismussektor und den damit verbundenen Arbeitsplätzen. Der Flughafen Wien steht somit vor der Herausforderung, seine Gebührenstruktur zu überdenken, um im harten europäischen Wettbewerb der Billigflieger nicht weiter ins Hintertreffen zu geraten.