Der irische Billigflieger Ryanair hat für die kommenden zwei Jahre eine massive Reduzierung seines Flugangebots in Belgien angekündigt. Grund für diese Entscheidung sind die geplanten Erhöhungen der Luftverkehrsabgaben durch die belgischen Behörden.
Das Unternehmen plant, die Sitzplatzkapazität am Flughafen Brüssel-Süd Charleroi im Jahr 2026 um 1,1 Millionen Plätze zu kürzen. Für das Jahr 2027 ist eine weitere Streichung im selben Umfang vorgesehen. Ryanair reagiert damit auf die Absicht des Stadtrats von Charleroi, ab April 2026 eine lokale Abgabe von drei Euro pro abfliegendem Passagier einzuführen. Zudem plant die föderale Regierung Belgiens, die nationale Fluggaststeuer bis Jänner 2027 von derzeit zwei Euro auf zehn Euro zu verfünffachen.
Die Fluggesellschaft, die im Jahr 2025 noch 11,6 Millionen Passagiere von und nach Belgien beförderte, rechnet bei Umsetzung der Pläne mit einem Rückgang auf 9,6 Millionen Reisende bis 2027. Ryanair argumentiert, dass diese steuerlichen Maßnahmen die Wettbewerbsfähigkeit Belgiens massiv untergraben, während andere europäische Staaten wie Schweden, Italien oder Ungarn Luftverkehrsteuern senken oder ganz abschaffen, um das Wachstum und den Tourismus zu fördern. Der Kapazitätsabbau wird laut Unternehmensangaben unweigerlich zu einer geringeren Frequenz auf bestehenden Routen, einer schlechteren Anbindung des Landes und zum Verlust von Arbeitsplätzen an den Flughäfen sowie im gesamten Tourismussektor führen.
Zusätzliche Recherchen verdeutlichen die angespannte Lage am Standort Charleroi, der stark von der Präsenz des Billigfliegers abhängig ist. Experten weisen darauf hin, dass Ryanair bereits in der Vergangenheit Basen in Europa geschlossen oder verkleinert hat, um Druck auf Gebührenstrukturen auszuüben. Parallel zum Steuerstreit kritisiert Konzernchef Michael O’Leary die europäische Kostenbelastung durch das Emissionshandelssystem der EU (ETS). Er bezeichnet es als wettbewerbsverzerrend, dass innereuropäische Flüge durch diese Zertifikate belastet werden, während Langstreckenflüge von und nach Europa weiterhin davon befreit bleiben. Diese Kombination aus lokalen Steuern und europäischen Abgaben führe dazu, dass Airlines ihre Flotten vermehrt in kostengünstigere Märkte außerhalb Belgiens verlagern.
Die belgische Regierung steht nun vor der Herausforderung, die Einnahmen aus den geplanten Steuern gegen den drohenden Verlust an Konnektivität und Wirtschaftskraft abzuwägen. Ryanair fordert eine sofortige Rücknahme der Steuerpläne und warnt davor, dass Passagiere verstärkt auf grenznahe Flughäfen in den Nachbarländern ausweichen werden, wo die steuerliche Belastung niedriger ausfällt. Branchenbeobachter erwarten für die kommenden Monate schwierige Verhandlungen zwischen dem Flughafenbetreiber, der Regionalregierung und der Airline, da der angekündigte Abzug von insgesamt 2,2 Millionen Sitzplätzen innerhalb von zwei Jahren ein erhebliches Loch in die Bilanz des Flughafens Charleroi reißen würde.