Boeing 737-800 (Foto: Jan Gruber).
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Ryanair kündigt Kapazitätsabbau in Wien an und fordert Abschaffung der Ticketsteuer

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Die europäische Billigfluggesellschaft Ryanair hat am 16. Oktober 2026 erneut scharfe Kritik an den staatlichen Rahmenbedingungen und Standortkosten im österreichischen Luftverkehr geäußert.

Nach Angaben der Fluggesellschaft verzeichnete der Flughafen Wien-Schwechat im September 2026 einen Rückgang des Passagieraufkommens um acht Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Als Auslöser für diesen Trend nennt das Management die pauschale österreichische Luftverkehrssteuer in Höhe von zwölf Euro pro Passagier sowie die seit den Pandemiejahren um etwa 60 Prozent gestiegenen Flugsicherungsgebühren der staatlichen Austro Control. Vor dem Hintergrund des angekündigten Winterflugplans 2026, der die Abziehungsverlagerung von vier in Wien stationierten Flugzeugen, den Abbau von 80 Arbeitsplätzen sowie die Einstellung von zwölf Flugverbindungen vorsieht, fordert die Airline die Bundesregierung unter Bundeskanzler Christian Stocker zur Abschaffung der Ticketabgabe auf. Gleichzeitig verweist Ryanair auf ein kräftiges Passagierwachstum am nahegelegenen Flughafen Bratislava im Nachbarland Slowakei, das von niedrigeren Standortentgelten profitiert.

Verlagerung von Passagierströmen an den Flughafen Bratislava

Die Kontroverse um die österreichischen Luftfahrtabgaben offenbart eine dynamische Verschiebung der Verkehrsnachfrage innerhalb der ostmitteleuropäischen AVISO-Region. Während der Flughafen Wien im Jahr 2026 nach Hochrechnungen der Airline einen Rückgang um bis zu drei Millionen Passagiere verkraften muss, verzeichnet der nur rund 60 Kilometer entfernte Flughafen Bratislava ein markantes Wachstum. In den ersten neun Monaten des Jahres 2026 hat sich das Verkehrsaufkommen des slowakischen Hauptstadtwandlers verdoppelt.

Als wesentlicher Faktor für diese Verschiebung gelten die unterschiedlichen fiskalischen und operativen Belastungen für Fluggesellschaften. Die Slowakei verzichtet auf eine bundesweite Flugticketsteuer und bietet zudem geringere Entgelte für die Flugsicherung sowie Anreizmodelle für die Stationierung von Flugzeugen. Für Passagiere aus dem Einzugsgebiet Wien und Niederösterreich stellt der benachbarte Standort Bratislava damit zunehmend eine preislich attraktive Ausweichmöglichkeit für Urlaubs- und Städtetrips dar.

Forderungen an die Bundesregierung und Kritik an Förderprogrammen

In einer Stellungnahme unterstrich Andreas Gruber, Repräsentant von Ryanair, die Position des Unternehmens gegenüber den politischen Entscheidungsträgern in Wien. Gruber forderte die vollständige Abschaffung der Zwölf-Euro-Luftverkehrssteuer bis Ende Dezember 2026 sowie eine Halbierung der Flugsicherungsgebühren, um das Gebührenniveau der Vorjahre wiederherzustellen. Zudem appellierte der Carrier an das Management des Flughafens Wien, die zwischen 2018 und 2024 angewandten Wachstumsanreizprogramme neu aufzulegen, die in der Vergangenheit maßgeblich zum Passagierwachstum am Standort beigetragen hatten.

Kritik übte der Airline-Vertreter darüber hinaus an einem von der österreichischen Bundesregierung angekündigten Unterstützungsprogramm für den Luftfahrtsektor im Volumen von 30 Millionen Euro. Dieses Programm sei auch sechs Monate nach seiner Ankündigung rechnerisch nicht zur Auszahlung gelangt, da Unklarheiten über die Verteilungskriterien und die konkrete Mittelverwendung bestünden. Aus Sicht der Fluggesellschaft wäre die ersatzlose Aufhebung der Abgaben und Steuern eine wirksamere Maßnahme zur Wiederherstellung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des Luftfahrtstandorts Österreich als staatliche Subventionsprogramme.

Wirtschaftliche Konsequenzen für den Luftfahrtstandort Österreich

Die Debatte über die Attraktivität des Flughafens Wien berührt grundlegende Fragen der österreichischen Verkehrsinfrastruktur und Tourismuswirtschaft. Der geplante Abzug von Flugzeugen und die Reduzierung des Streckennetzes betreffen nicht nur die direkte Beschäftigung bei Fluggesellschaften und Bodenabfertigungsdiensten, sondern beeinflussen auch das Angebot für den Einreise- und Wirtschaftstourismus.

Andere europäische Staaten wie Schweden oder Italien sowie ostmitteleuropäische Nachbarländer haben ihre regionalen Luftverkehrssteuern in den vergangenen Jahren reduziert oder gänzlich abgeschafft, um das Passagieraufkommen an ihren Flughäfen zu steigern. Das Management von Ryanair erklärte abschließend, dass das Unternehmen bereit stehe, neue Kapazitäten und Investitionen in Wien sowie an österreichischen Bundesländer-Flughäfen bereitzustellen, sobald eine Anpassung der Gebührenstrukturen und der Steuergesetzgebung erfolgt.

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