Der Flughafen Bremen verliert einen seiner wichtigsten Verkehrsträger im internationalen Passagiergeschäft. Die irische Fluggesellschaft Ryanair hat für die Sommersaison 2027 kein Flugprogramm mehr für den hanseatischen Standort angemeldet und beendet damit ihren dortigen Flugbetrieb zum Ende des Winterflugplans 2026/2027.
Wie die Behörde der Bremer Senatorin für Wirtschaft, Häfen und Transformation am 7. Oktober 2026 bestätigte, sind vorausgegangene Verhandlungen über die Entgelt- und Gebührenstruktur ohne Einigung gescheitert. Für den ohnehin finanziell belasteten Flughafen bedeutet die Entscheidung der Fluggesellschaft den Verlust von rund 400.000 Passagieren pro Jahr, was knapp einem Fünftel des gesamten Fluggastaufkommens am Standort entspricht.
Verhandlungskonflikt um Entgelte und Infrastrukturkosten
Dem vollständigen Rückzug der Fluggesellschaft gingen monatelange Auseinandersetzungen über die Konditionen für die Nutzung der Bremer Flughafeninfrastruktur voraus. Auslöser der veränderten Verhandlungspositionen waren Zugeständnisse, die der Flughafen der Deutschen Lufthansa machen musste, um eine im Jahr 2026 eingestellte Zubringerverbindung nach Frankfurt am Main ab dem Jahr 2027 zumindest mit reduzierten Frequenzen wieder aufzunehmen. In der Folge forderte auch Ryanair Nachlässe bei den Lande- und Passagiergebühren.
Nach Angaben der Bremer Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt zielten die Forderungen des Billigfliegers darauf ab, die Leistungen und Einrichtungen des Flughafens nahezu gebührenfrei zu nutzen. Aus Berechnungen des Ressorts geht hervor, dass die von Ryanair verlangten Sonderkonditionen die Erlösbasis des Airports um rund vier Millionen Euro pro Jahr gemindert hätten. Da der Flughafen mit der Fluggesellschaft zuletzt jährliche Einnahmen von etwa drei Millionen Euro erzielte, hätte die Umsetzung der Forderungen bedeutet, dass der Flughafen rechnerisch bis zu fünf Euro pro Ryanair-Passagier als Subvention hätte beisteuern müssen. Diese Bedingungen wurden von der Landesregierung und der Flughafenführung als wirtschaftlich nicht tragbar abgelehnt.
Verbleibendes Flugangebot bis März 2027 und betroffene Strecken
Bis zum vollkommenen Rückzug Ende März 2027 bedient die Fluggesellschaft im Winterflugplan 2026/2027 weiterhin ausgewählte Ziele. Neben täglichen Verbindungen nach Palma de Mallorca stehen unter anderem Ziele wie Alicante, Málaga, Zadar, Lamezia Terme sowie London-Stansted auf dem Programm. Ab April 2027 sind sämtliche Buchungsmöglichkeiten über die Kanäle der Airline eingestellt.
Der Ausfall der Verbindungen trifft vor allem den individuellen Urlaubs- und Privatreiseverkehr in der Weser-Ems-Region. Besonders der Wegfall der Verbindung nach London-Stansted wird von der Flughafenführung als kritisch bewertet, da diese Route auch von Geschäftsreisenden genutzt wurde. Der Vorstand befindet sich nach eigenen Angaben bereits in Gesprächen mit alternativen Anbietern, um die Anbindung an die britische Hauptstadt kurzfristig durch andere Fluggesellschaften neu zu organisieren.
Verschärfung der finanziellen Schieflage und Einsatz eines Sanierungsgeschäftsführers
Der Verlust des Großkunden verschärft die ohnehin angespannte wirtschaftliche Lage der Flughafengesellschaft. Der Fehlbetrag des Airports summiert sich für das laufende Geschäftsjahr nach Angaben des Aufsichtsrates auf rund 13 Millionen Euro. Trotz bisheriger Einsparungen von etwa 4,1 Millionen Euro droht der Gesellschaft ohne weitere Gegenmaßnahmen mittelfristig eine bilanzielle Überschuldung.
Der Aufsichtsratsvorsitzende und Häfenstaatsrat Kai Stührenberg bezeichnete die Entscheidung der Fluggesellschaft als schweren strukturellen Einschnitt. Gleichwohl betonte er, dass der Flughafen im Kern überlebensfähig bleibe. Um die Restrukturierung voranzutreiben und den Betrieb betriebswirtschaftlich zu konsolidieren, soll kurzfristig ein externer Sanierungsgeschäftsführer eingesetzt werden. Ziel der Maßnahme ist die Erarbeitung eines nachhaltigen Sanierungskonzepts, das eine ausgeglichene Jahresbilanz ohne permanente städtische Zuschüsse ermöglicht.
Einordnung in die bundesweite Entwicklung der Standortkosten
Der Schritt in Bremen reiht sich ein in eine Serie von Kapazitätsreduzierungen der irischen Fluggesellschaft auf dem deutschen Markt. Ryanair begründet die Streichungen seit Jahren mit den im europäischen Vergleich überdurchschnittlich hohen Standortkosten in Deutschland, die sich aus der Luftverkehrsteuer, den Luftsicherheitsgebühren sowie stark gestiegenen Entgelten für die Flugsicherung zusammensetzen. Bereits an den Flughafenstandorten Hamburg, Berlin-Brandenburg sowie Dresden hatte die Airline ihr Angebot in den vergangenen Jahren deutlich reduziert oder Strecken komplett gestrichen.
Während die Fluggesellschaft ihre Flotte zunehmend auf kostengünstigere Märkte in Süd- und Osteuropa verlagert, geraten deutsche Regionalflughäfen unter Druck. Der Fall Bremen verdeutlicht das Spannungsfeld zwischen den Rentabilitätserwartungen internationaler Low-Cost-Carrier und den Grenzen der finanziellen Leistungsfähigkeit kommunaler Flughafenbetreiber.