Entry/Exit System (EES) in Salzburg (Foto: Salzburg Airport Presse).
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Salzburg: Die operative Einführung des biometrischen Entry/Exit Systems (EES)

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Der Salzburger Flughafen W. A. Mozart hat am 12. November 2025 offiziell mit der operativen Einführung des europäischen Einreise-/Ausreisesystems (EES) begonnen. Diese digitale Neuerung, die die traditionelle manuelle Passstempelung an den Schengen-Außengrenzen ablöst, ist ein zentraler Pfeiler des europäischen Smart-Borders-Programms.

Nach jahrelangen Verzögerungen auf EU-Ebene und einem Start in Österreich am Pilotstandort Wien-Schwechat im Oktober, positioniert sich Salzburg als strategischer Implementierungspunkt, der die charakteristischen Anforderungen eines alpinen Tourismus-Flughafens mit bedeutenden saisonalen Schwankungen berücksichtigt. Die umfassende technische Umrüstung dient der lückenlosen biometrischen Erfassung aller Drittstaatsangehörigen, die sich für einen Kurzaufenthalt von maximal 90 Tagen im Schengen-Raum aufhalten.

Die europäische Kommission hat eine schrittweise Implementierung des EES in allen 29 teilnehmenden Schengen-Staaten auf den Weg gebracht. Die Umstellungsphase ist auf sechs Monate angesetzt und soll bis zum 10. April 2026 zur hundertprozentigen Ablösung der manuellen Kontrolle durch das neue, vollständig digitalisierte System führen. EES betrifft alle Nicht-EU-Bürger, die den Schengen-Raum für Kurzaufenthalte betreten, unabhängig davon, ob sie visumfreien Zugang genießen oder ein Kurzaufenthalts-Visum benötigen. Für den Salzburger Flughafen, der insbesondere im Winter ein hohes Aufkommen an internationalen Skitouristen verzeichnet, bringt die Neuerung erhebliche operative Herausforderungen mit sich.

Maßgeschneidertes Konzept für den alpinen Tourismus-Flughafen

Der Salzburger Flughafen W. A. Mozart, dessen Passagierverkehr stark von den saisonalen Höhepunkten des Wintertourismus beeinflusst wird, hat ein differenziertes Implementierungskonzept für das EES entwickelt. Dieses Konzept zielt darauf ab, die Abläufe während der Spitzenlastzeiten mit erhöhtem Zufluss von Drittstaatsankömmlingen zu optimieren und die Auswirkungen auf die Abfertigungsgeschwindigkeit so gering wie möglich zu halten.

Die Investitionen in Salzburg konzentrierten sich auf mehrere strategische Bereiche der Flughafeninfrastruktur. Erstens erfolgte eine umfassende Modernisierung der bestehenden Grenzkontroll-Checkpoints im Hauptterminal. Dort wurde die neue EES-Biometrie-Technologie integriert, welche die zentrale Speicherung von Namen, Geburtsdaten, Reisedokumentnummern, Fingerabdrücken und biometrischer Gesichtserkennung ermöglicht. Zweitens wurde ein dedizierter „EES-Satellit“ innerhalb des Vorfeldbereiches geschaffen. Dieser Satellitenbereich ist speziell für die Bewältigung des erhöhten Aufkommens während der intensiven Wintertourismusperiode konzipiert, um Engpässe am Hauptterminal zu vermeiden.

Drittens musste auch der General-Aviation-Bereich, der den privaten Luftverkehr abwickelt, technisch umgerüstet werden, um private Flugoperationen mit den neuen EES-kompatiblen Verfahren durchzuführen. Die Verantwortlichen des Salzburger Flughafens führten parallel zu den nationalen Aktivitäten in Wien-Schwechat umfangreiche Testläufe in den Ein- und Ausreisebereichen durch, um operative Überraschungen während der eigentlichen Inbetriebnahme zu minimieren.

Biometrie und Datenflut: Die Technologie hinter dem EES

Das EES ist ein hochkomplexes technisches System, das auf der zentralisierten Sammlung und Speicherung umfangreicher Daten zu jedem Grenzübertritt basiert. Die Erfassung umfasst nicht nur die alphanumerischen Daten aus dem Reisedokument, sondern auch biometrische Identifikatoren wie die Abdrücke von zehn Fingern und ein hochauflösendes Gesichtsbild. Zusätzlich speichert das System präzise räumlich-zeitliche Koordinaten jedes Grenzübertritts.

Diese biometrischen Daten sind der Kern des Systems. Sie ermöglichen eine eindeutige Identifizierung der Reisenden und sollen verhindern, dass Personen die zulässige Aufenthaltsdauer überschreiten oder versuchen, mit gefälschten oder manipulierten Dokumenten einzureisen. Die genaue Aufzeichnung der Ein- und Ausreisen soll die Überwachung des Kurzaufenthalts von maximal neunzig Tagen innerhalb des 180-Tage-Referenzzeitraums deutlich verbessern und automatisieren.

Die Datenerfassung am Salzburger Flughafen erfolgt über verschiedene Kanäle. Biometrische Reisepässe ermöglichen Reisenden über zwölf Jahren die Nutzung automatisierter Kiosk-Systeme zur Vorerfassung ihrer Daten. Bei der Erstregistrierung oder bei bestimmten Personengruppen können Grenzbeamte die biometrischen Daten auch manuell an den traditionellen Kontrollschaltern aufnehmen. Privilegierte Reisende, wie Diplomaten, können von Ausnahmeverfahren Gebrauch machen.

Herausforderungen im Regelbetrieb: Wartezeiten und die Wintersaison

Die Einführung eines derart tiefgreifenden technologischen Wandels an einer Außengrenze ist ein Mammutprojekt, das in der Einführungsphase kaum ohne Reibungsverluste ablaufen wird. Die Flughafenbetreiber in Salzburg rechnen offen mit anfänglichen Verzögerungen und Wartezeiten, insbesondere, da die Erstregistrierung von Reisenden, deren biometrische Daten noch nicht im System hinterlegt sind, zeitaufwendiger ist als die reine Stempelung.

Die größte operative Belastungsprobe für den Salzburger Flughafen wird die bevorstehende winterliche Hochsaison darstellen. Tausende von Skitouristen, insbesondere aus Drittstaaten wie dem Vereinigten Königreich, das seit dem Brexit nun den Status eines Drittstaates im EES-Kontext einnimmt, werden erwartet. Britische Staatsangehörige, die historisch gesehen EU-Bürger waren, unterliegen nun den gleichen Registrierungsanforderungen wie alle anderen Nicht-EU-Staatsangehörigen. Die Notwendigkeit der biometrischen Erfassung dieser großen Personengruppe in kurzer Zeit erfordert die volle Funktionalität der neu eingerichteten Infrastruktur, einschließlich des EES-Satelliten.

Österreich hat sich, mit dem Start in Wien und Salzburg, im europäischen Vergleich als zügiger bei der nationalen Implementierung erwiesen. Die intensive Planungsarbeit des österreichischen Bundesministeriums des Innern zusammen mit den Flughafenbetreibern hat dazu beigetragen, die „Hausaufgaben“ vor der flächendeckenden Einführung zu erledigen.

Ausnahmen und der breitere Kontext des europäischen Grenzschutzes

Nicht alle Nicht-EU-Staatsangehörigen unterliegen der EES-Registrierungspflicht. Staatsangehörige der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA), darunter Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz, genießen weiterhin einen Ausnahmestatus. Gleiches gilt für Bürger von Kleinstaaten wie Andorra und San Marino sowie für Drittstaatsangehörige mit einer gültigen Aufenthaltsberechtigung oder einem Langzeitvisum in einem EU- oder Schengen-Land.

Das EES ist der erste Schritt im Rahmen des umfassenden europäischen Smart-Borders-Pakets. Es wird durch das geplante Europäische Reiseinformations- und Genehmigungssystem (ETIAS) ergänzt, welches visumfreie Drittstaatsangehörige vor der Einreise einer Sicherheitsprüfung unterziehen wird. Bis zur vollständigen Implementierung beider Systeme bleibt der Flughafen Salzburg, wie alle Schengen-Außengrenzen, in einer kritischen Übergangsphase. Der erfolgreiche Betrieb des EES in Salzburg ist jedoch ein wichtiger Indikator dafür, wie gut die spezifischen Herausforderungen von Tourismus-Flughäfen in der Alpenregion bewältigt werden können.

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