Die christliche Hilfsorganisation Samaritan’s Purse, bekannt für ihre schnellen Reaktionen in Katastrophengebieten weltweit, hat ein bedeutendes Kapitel ihrer logistischen Arbeit abgeschlossen: Am 14. November 2025 wurde in einer feierlichen Zeremonie in Greensboro, North Carolina, die letzte noch unter US-Registrierung fliegende Douglas DC-8 offiziell außer Dienst gestellt. Gleichzeitig wurde ein modernerer Boeing 767 Frachter in den aktiven Dienst gestellt. Dieser Wechsel, so die in North Carolina ansässige Organisation, markiert nicht nur das Ende der Ära eines legendären Flugzeugs, sondern auch den Beginn einer deutlich leistungsfähigeren Phase in der humanitären Luftbrücke.
Die viermotorige DC-8 war über ein Jahrzehnt lang das Rückgrat der schweren Luftfrachtoperationen von Samaritan’s Purse. Seit ihrer Übernahme im Jahr 2015 führte sie mehr als 200 Missionen durch und lieferte Millionen Pfund an lebenswichtiger Fracht in Krisengebiete. Die Außerdienststellung der „Mighty DC-8“ wird von Luftfahrtexperten als historisches Ereignis betrachtet, da weltweit nur noch eine geringe Zahl dieses einst weit verbreiteten Langstreckenflugzeugs in Betrieb ist. Mit der Indienststellung der 767 stellt die Organisation ihre Luftfrachtkapazitäten auf eine neue, größere Basis.
Ein langes Leben: Die Geschichte der „Mighty DC-8“
Das betroffene Flugzeug mit der Luftfahrzeugzelle Nummer 427 von insgesamt 554 gebauten DC-8 kann auf eine ungewöhnlich lange und vielseitige Geschichte zurückblicken. Es rollte an Heiligabend 1968 vom Band und trat zunächst in den Dienst der finnischen Fluggesellschaft Finnair, bevor es in den frühen 1980er Jahren zur französischen Luftwaffe wechselte. Später wurde es Teil der Flotte von Air Transport International, wo es zu einer sogenannten Combi-Konfiguration umgebaut wurde – einer Kombination aus Passagier- und Frachtmaschine, die 10 Paletten Fracht und 32 Passagiere befördern konnte.
Die Geschichte schien beendet, als das Flugzeug schließlich auf einem Flugzeugfriedhof in Roswell, New Mexico, abgestellt wurde – einem Ort, an dem Flugzeuge meist zerlegt und ausgeschlachtet werden. Flugingenieur Joe Proffitt berichtet, dass Samaritan’s Purse das Flugzeug dort entdeckte, nachdem der Präsident der Organisation, Franklin Graham, während der Ebola-Krise 2014 nach einer Möglichkeit suchte, eine eigene schwere Luftbrückenkapazität aufzubauen.
Wiederbelebung und humanitäre Missionen
Samaritan’s Purse kaufte die DC-8 im Jahr 2015, ließ sie in San Antonio, Texas, grundlegend überholen und mit einem Triebwerks-Upgrade versehen, um sie als primäres Langstrecken-Transportmittel wieder in Dienst zu stellen. Die erste Hilfsmission der wiederbelebten Maschine führte sie im April 2016 nach dem Erdbeben der Stärke 7,8 in Ecuador. Die Fracht: ein Notlazarett, Ärzte, Pflegepersonal und dringend benötigte medizinische Versorgung.
Innerhalb der Organisation erhielt der Frachter den Spitznamen „The Mighty DC-8“. Laut Joe Proffitt beförderte das einzigartige Flugzeug seit 2016 mehr als 9 Millionen Pfund Fracht in 217 Missionen. Die Crewmitglieder sehen das Flugzeug als ein Instrument, das physische Hilfe und spirituelle Hoffnung zu Millionen von Menschen auf der ganzen Welt brachte.
Die einzigartige Rolle des Flugzeugs machte es auch zu einem Magneten für Luftfahrtenthusiasten. Proffitt erinnert sich an Fotografen, die Zäune säumten, um die Maschine bei ihrer Ankunft oder beim Start abzulichten, was die Faszination für diesen klassischen Jet unterstrich.
Von Katastrophenhilfe bis zur persönlichen Unterstützung
Die Missionen der DC-8 umfassten die gesamte Bandbreite der humanitären Hilfe. Dazu gehörten die Unterstützung von Opfern großer Katastrophen ebenso wie zutiefst persönliche Flüge. Zu den vom Flugingenieur Proffitt als besonders bedeutsam hervorgehobenen Einsätzen gehörten Flüge während der Covid-19-Pandemie, bei denen Kinder und ihre Mütter nach lebensrettenden Herzoperationen in ihre Heimat in der Mongolei zurückgebracht wurden.
Ein weiterer herausragender Einsatz war die Beförderung des 200-millionsten Schuhkartons der Initiative Operation Christmas Child nach Polen, von wo er zu einem durch den Krieg in der Ukraine vertriebenen Mädchen weitergeleitet wurde. Bis zu ihrem letzten Dienstjahr blieb der Frachter aktiv und unterstützte Hilfseinsätze in Israel und lieferte kritische Güter nach Jamaika nach dem Durchzug des Hurrikans Melissa.
Generationswechsel: Die Boeing 767 übernimmt
Mit der Außerdienststellung der DC-8 schlägt Samaritan’s Purse das Kapitel einer deutlich erweiterten Luftbrückenkapazität auf. Die Organisation hat eine Boeing 767 in ihre Flotte integriert, die das Langstreckengeschäft weiterführen wird. Die Boeing 767, ein Großraumflugzeug der zweiten Generation, bietet im Vergleich zur DC-8 eine höhere Nutzlastkapazität und eine verbesserte Betriebseffizienz auf Interkontinentalstrecken.
Die neue 767 hat ihre Arbeit bereits aufgenommen. Ihr erster großer Lufteinsatz fand am 24. Oktober 2025 statt und beförderte über 290.000 Pakete mit Zusatznahrung für Frauen und Kinder in den Gazastreifen, ergänzt durch Decken, Solarleuchten und andere Hilfsgüter. Nur kurz darauf demonstrierte die 767 ihre erweiterte Kapazität, als sie eine komplette Notfall-Feldklinik in einem einzigen Flug nach Jamaika nach Hurrikan Melissa transportierte. Die Klinik umfasste einen Operationssaal, eine Intensivstation, eine Notaufnahme, eine Entbindungsstation, ein Labor, eine Apotheke und eine Blutbank – eine logistische Leistung, die die gesteigerte Transportfähigkeit des neuen Flugzeugs unterstreicht.
Aviation als Kernwerkzeug der humanitären Hilfe
Die Luftfahrt hat sich für Samaritan’s Purse zu einem entscheidenden Werkzeug entwickelt. Die Organisation betreibt eine Flotte von über 20 Flugzeugen, darunter zwei Hubschrauber und einen Boeing 757 Frachter. Die neu eingeführte 767 wird die Kapazität für die Langstreckenarbeit nun deutlich erhöhen.
Franklin Graham, Präsident von Samaritan’s Purse, unterstreicht die Wichtigkeit der Luftfahrt für die Mission der Organisation. Jedes Frachtflugzeug trägt die Aufschrift „Helping in Jesus’ Name“ auf der Nase, was die Verbindung zwischen der humanitären Hilfe und der christlichen Botschaft verdeutlicht. „Nach einer Katastrophe wollen wir, dass die Menschen wissen, warum wir lebensrettende Hilfsgüter bringen. Wir wollen, dass sie wissen, dass Gott sie liebt und sie nicht vergessen sind“, so Graham. Er fügte hinzu, dass die 767 es der Organisation ermöglichen werde, „weit mehr Hilfsgüter – schneller und effektiver – zu transportieren“.
Die Verabschiedung der DC-8 war ein emotionaler Moment für die Mitarbeiter. Flugingenieur Joe Proffitt, der mehr als 50 Missionen auf dem Typ flog, fasste die Stimmung zusammen: „Lebewohl N782SP … es ist bittersüß, auf Wiedersehen zu sagen.“ Die Organisation schließt damit eine bemerkenswerte Ära und rüstet sich mit modernster Technologie für die Herausforderungen der weltweiten humanitären Logistik.