Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben sich im September 2026 durch verschärfte US-Sanktionen gegen die iranische Zivilluftfahrt weiter intensiviert. Nach dem Ablauf einer Frist des US-Finanzministeriums drohte der Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates des Iran, Mohsen Rezaei, Nachbarstaaten mit Gegenmaßnahmen, sollten deren Flughäfen iranische Flugzeuge aufgrund des Drucks aus Washington aussperren.
Trotz der Aussetzung zahlreicher Flugverbindungen nach Irak, Oman, Georgien, Aserbaidschan und Katar halten einige iranische Fluggesellschaften den Betrieb in Richtung China, Russland und Teilen der Türkei aufrecht. Die Maßnahmen der US-Regierung zielen darauf ab, ausländische Dienstleister im Luftfahrtsektor unter Druck zu setzen, um den internationalen Flugbetrieb des Iran weitgehend zu unterbinden.
Verschärfung der US-Sanktionen und Ablauf von Übergangsfristen
Die diplomatischen und wirtschaftlichen Auseinandersetzungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Islamischen Republik Iran erreichten mit Ablauf des 23. September 2026 eine neue Stufe. US-Finanzminister Scott Bessent hatte im Vorfeld angekündigt, dass durch die Androhung von Sekundärsanktionen gegen globale Luftfahrtdienstleister die Operationen iranischer Fluggesellschaften ab diesem Stichtag weitgehend zum Erliegen kommen würden. Eine vorübergehende Lizenz, die Abwicklungsgeschäfte mit sanktionierten Akteuren erlaubte, lief am 23. September 2026 um 00:01 Uhr Ortszeit der US-Ostküste ab.
Bereits am 8. September 2026 hatte das US-Finanzministerium Sanktionen gegen 36 Einheiten verhängt, darunter 27 iranische Fluggesellschaften. Die US-Behörden begründeten diesen Schritt mit dem Vorwurf, der Iran nutze zivile Fluggesellschaften zum Transport von Waffen und Militärpersonal sowie zur verdeckten Beschaffung von Fluggeräten und Ersatzteilen über ausländische Zwischenhändler. Um die Durchsetzung zu erzwingen, richtet sich das US-Finanzministerium direkt an ausländische Abfertigungsunternehmen, Verkaufsagenturen und Betankungsdienste an internationalen Flughäfen. Firmen, die weiterhin Dienstleistungen für sanktionierte iranische Fluggesellschaften erbringen, riskieren den Ausschluss vom US-Finanzmarkt.
Drohungen der iranischen Führung und Einstellungen von Flugverbindungen
Als Reaktion auf die zunehmende Isolation formulierte der Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates des Iran, Mohsen Rezaei, am 23. September 2026 im staatlichen Fernsehen eine Warnung an die Regierungen der Nachbarländer. Rezaei erklärte, dass der Iran den Betrieb von Flughäfen in den Nachbarstaaten unterbinden werde, falls diese mit den USA kooperierten und iranischen Maschinen die Landung verweigerten. Über welche spezifischen Mittel die iranische Führung diese Drohung umzusetzen gedenkt, blieb in den Erklärungen unklar.
Ungeachtet dieser Drohungen setzten mehrere Staaten die Bedienung durch iranische Fluggesellschaften aus. Die iranische Zivilluftfahrtbehörde durch ihren Sprecher Majid Akhavan bestätigte, dass die Flughäfen in Bagdad und Maskat ab Mitternacht des 23. September 2026 keine iranischen Flüge mehr akzeptieren. Es werde versucht, Flüge mit Ziel Bagdad auf den Flughafen im irakischen Nadschaf umzuleiten. Auch Behörden und Reisebüros in Georgien, Aserbaidschan und Katar meldeten die Aussetzung von Flugverbindungen aus dem Iran.
Lage auf internationalen Routen und Haltung Chinas
Trotz der Ausweitung der Restriktionen kam der internationale Flugbetrieb der iranischen Fluggesellschaften nicht vollständig zum Erstrecken. Trackingdaten von Flugverfolgungsdiensten wie Flightradar24 belegen, dass eine Maschine der Fluggesellschaft Mahan Air aus Teheran nach Ablauf der US-Frist am 23. September 2026 im chinesischen Guangzhou landete. Weitere Verbindungen nach Shanghai sowie einzelne Flüge nach Istanbul verblieben im Flugplan, wenngleich andere Verbindungen in die Türkei gestrichen wurden.
Die Fortführung der Flüge nach China unterstreicht die ablehnende Haltung der Pekinger Führung gegenüber den einseitigen US-Sanktionen. China hält an den Wirtschaftsbeziehungen mit dem Iran fest und stellt für den iranischen Luftverkehr eine der verbliebenen Verbindungen nach Ostasien dar. Auch der Flugverkehr nach Russland wird von den Maßnahmen vorerst nicht im selben Maße beeinträchtigt wie die Routen in die Arabische Halbinsel oder in den Kaukasus.
Infrastrukturprobleme und operative Herausforderungen für die iranische Luftfahrt
Die neuerlichen Sanktionen verschärfen die ohnehin angespannte Lage der iranischen Zivilluftfahrt. Aufgrund jahrzehntelanger Beschränkungen leidet die Flotte der landeseigenen Fluggesellschaften unter Überalterung und Ersatzteilmangel. Die Unfähigkeit, regelmäßige Wartungen im Ausland durchzuführen oder auf internationalen Flughäfen Treibstoff zu beziehen, erschwert die Aufrechterhaltung des Flugbetriebs erheblich.
Die Strategie der US-Behörden, Bodendienstleister und Treibstofflieferanten an ausländischen Flughäfen mit Sekundärsanktionen zu bedrohen, greift direkt in die Logistik der Fluggesellschaften ein. Da Abfertigungsunternehmen an internationalen Drehkreuzen Überreaktionen und US-Strafen vermeiden wollen, verweigern sie häufig die Betankung oder die Gepäckabfertigung für iranische Maschinen. Dies führt auch ohne formelle Einreiseverbote der jeweiligen Gastländer zu einer faktischen Einstellung von Flugverbindungen. Die kommenden Wochen werden zeigen, inwieweit der Iran in der Lage ist, über bilaterale Verhandlungen oder Ausweichrouten Lücken im Flugnetz aufrechtzuerhalten.