Airbus A330-300 (Foto: Johnpsolis).
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SAS-Premierenflug nach Indien muss auf halber Strecke umkehren

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Die skandinavische Fluggesellschaft SAS hat bei der mit großer Aufmerksamkeit verfolgten Wiederaufnahme ihrer Flugverbindungen nach Indien einen schweren operativen Rückschlag erlitten. Der offizielle Erstflug auf der neu eingerichteten Langstreckenroute zwischen Kopenhagen und der indischen Metropole Mumbai musste auf halber Strecke über dem Kaspischen Meer umkehren, da der Fluggesellschaft die endgültigen behördlichen Genehmigungen für den Einflug und die Landung im indischen Luftraum fehlten.

Die Maschine vom Typ Airbus A330-300 kehrte nach mehreren Stunden Flugzeit zum Ausgangsflughafen in Dänemark zurück, ohne ihr Ziel erreicht zu haben. Für das Luftfahrtunternehmen, das nach fast zwei Jahrzehnten Abwesenheit eine strategisch wichtige Expansion auf dem asiatischen Markt feierte, bedeutet der Vorfall einen erheblichen Imageverlust sowie immense zusätzliche Kosten für Passagierentschädigungen und Treibstoff.

Unerwartete Kehrtwende über Aserbaidschan

Die Flugverbindung mit der Flugnummer SK969 sollte den feierlichen Auftakt für die neue Direktverbindung bilden. Es handelte sich um den ersten Linienflug der Fluggesellschaft nach Indien seit rund 17 Jahren, nachdem sich das Unternehmen im Jahr 2009 im Zuge tiefgreifender Umstrukturierungen vollständig aus diesem Markt zurückgezogen hatte. Die eingesetzte Großraummaschine mit dem Luftfahrzeugkennzeichen LN-RKM hob am Kopenhagen-Kastrup Flughafen ab, allerdings bereits mit einer flugplanmäßigen Verzögerung von knapp viereinhalb Stunden.

Das Flugzeug befand sich bereits seit rund vier Stunden in der Luft und überflog gerade den Luftraum von Aserbaidschan, als die Cockpitbesatzung die Anweisung erhielt, den Flug abzubrechen. Zu diesem Zeitpunkt war den Verantwortlichen in der Operationszentrale der Fluggesellschaft klar geworden, dass die erforderliche finale Einflug- und Landegenehmigung der indischen Luftfahrtbehörden nicht rechtzeitig vorliegen würde. Anstatt den Flug in Richtung des indischen Subkontinents fortzusetzen, wo im schlimmsten Fall eine Verweigerung des Luftraumeintritts oder eine Festsetzung der Maschine gedroht hätte, entschieden sich die Piloten für eine vollständige Umkehr und flogen den gesamten Weg zurück nach Dänemark.

Das Risiko des spekulativen Abflugs

In einer offiziellen Stellungnahme erklärte das Management der Fluggesellschaft, dass man sich im Vorfeld des Fluges in kontinuierlichen und fortgeschrittenen Gesprächen mit den zuständigen indischen Regierungsstellen befunden habe. Das Unternehmen sei fest davon ausgegangen, dass die verbleibenden formalen Dokumente und bürokratischen Freigaben während des laufenden Fluges finalisiert und digital übermittelt würden. Diese Praxis ist in der internationalen Zivilluftfahrt bei kurzfristigen bürokratischen Verzögerungen zwar nicht völlig unbekannt, birgt jedoch bei interkontinentalen Routen ein extremes operatives Risiko.

Da die Erteilung der Genehmigung durch die indische Luftfahrtbehörde Directorate General of Civil Aviation jedoch ausblieb und auch während des Überflugs der kaukasischen Region keine Bestätigung eintraf, erwies sich die Spekulation der Flugplanung als Fehlkalkulation. Die Fluggesellschaft betonte, dass man zu keinem Zeitpunkt die Sicherheit des Flugbetriebs oder der Fluggäste gefährdet habe, räumte jedoch ein, dass das geplante Verfahren nicht wie antizipiert funktionierte.

Erhebliche Belastungen für die Fluggäste

Für die Passagiere an Bord des Airbus A330-300 resultierte die administrative Panne in einem extrem zehrenden Flugerlebnis. Nach einer ohnehin langen Wartezeit am Boden in Kopenhagen verbrachten die Reisenden rund acht Stunden in der Luft, um am Ende wieder genau dort zu landen, wo ihre Reise begonnen hatte. Inklusive der Verzögerungen vor dem Abflug und der Abwicklung nach der Rückkehr waren viele Passagiere rund zwölf Stunden in der Obhut der Fluggesellschaft, ohne ihrem eigentlichen Reiseziel Mumbai auch nur einen Kilometer näher gekommen zu sein.

Einige Reisende äußerten nach der Landung in Kopenhagen scharfe Kritik an der Informationspolitik und der Entscheidungsfindung der Fluglinie. Es wurde als unverantwortlich bezeichnet, eine vollbesetzte Langstreckenmaschine ohne gesicherte Landerechte starten zu lassen und die Passagiere den physischen und zeitlichen Strapazen eines Fluges nach Nirgendwo auszusetzen. Neben den verlorenen Urlaubstagen und verpassten Geschäftsterminen entstanden vielen Betroffenen Anschlussverluste bei im Voraus gebuchten Inlandsflügen, Hotelreservierungen oder Zugverbindungen innerhalb Indiens. Die Fluggesellschaft bemühte sich nach Kräften, die Kunden am Flughafen Kopenhagen zu betreuen, Hotelunterkünfte bereitzustellen und Umbuchungen auf alternative Flugrouten anderer Fluggesellschaften in die Wege zu leiten.

Finanzielle und rechtliche Konsequenzen für die Fluggesellschaft

Der abgebrochene Erstflug zieht für das skandinavische Luftfahrtunternehmen massive finanzielle Konsequenzen nach sich. Branchenexperten schätzen die reinen Betriebskosten für den rund achtstündigen Rundflug des Airbus A330-300 inklusive des enormen Kerosinverbrauchs, der Start- und Überflugsgebühren sowie der Crew-Kosten auf mehrere hunderttausend Euro. Da es sich bei der gewählten Maschine um ein älteres Modell der weiträumigen Flotte handelt, liegt der Treibstoffverbrauch pro Passagierkilometer zudem höher als bei moderneren Mustern.

Hinzu kommen die rechtlichen Verpflichtungen gemäß der europäischen Fluggastrechteverordnung. Da der Grund für die Annullierung und den Flugabbruch eindeutig im Verantwortungsbereich der Fluggesellschaft liegt und keine außergewöhnlichen Umstände wie Wetterkapriolen oder Streiks vorlagen, haben die Passagiere Anspruch auf die gesetzliche Höchstentschädigung von 650 Euro pro Person. Bei einer Kapazität von 266 Sitzen summiert sich allein diese Entschädigungssumme auf einen namhaften Betrag. Hinzu kommen die Kosten für die kurzfristige Unterbringung in Hotels sowie die extrem teuren Last-Minute-Umbuchungen auf Konkurrenzlinien wie Air India oder Lufthansa, um die Passagiere an ihr Ziel zu bringen.

Strategische Bedeutung der neuen Indien-Route

Der Vorfall überschattet eine der wichtigsten strategischen Netzwerkexpansionen der Fluggesellschaft im aktuellen Kalenderjahr. Die Direktverbindung zwischen Kopenhagen und Mumbai war als prestigeträchtiges Aushängeschild konzipiert, um das Drehkreuz Kopenhagen als primäres Tor zwischen Nordeuropa und den wirtschaftlich boomenden Märkten in Südasien zu etablieren. Es handelt sich zudem um eine historische Premiere, da diese spezifische Städteverbindung zuvor noch von keiner Fluggesellschaft im Nonstop-Dienst bedient wurde.

Die Fluglinie, die nach einer umfassenden finanziellen Restrukturierung und dem Wechsel zur globalen Allianz Skyteam ihre Langstreckenstrategie komplett neu ausrichtet, erhofft sich von der Route eine hohe Auslastung durch Geschäftsreisende sowie den ethnischen Reiseverkehr zwischen Skandinavien und Indien. Um den Marktstart zu unterstützen, wurden umfangreiche Marketingmaßnahmen initiiert, darunter auch exklusive Status-Angebote für indische Vielflieger. Das Unternehmen betonte trotz des misslungenen Starts, dass man unverändert an der Route festhalte. Der reguläre Flugbetrieb soll aufgenommen werden, sobald die ausstehende bürokratische Freigabe der indischen Behörden formal vorliegt, was für die kommenden Tage erwartet wird. Bis dahin müssen die nachfolgenden Flüge jedoch potenziell angepasst oder verschoben werden, während die Rechts- und Regulierungsabteilungen in Kopenhagen und Neu-Delhi unter Hochdruck an einer Lösung des Dokumentenproblems arbeiten.

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