Ein langwieriger Arbeitskampf in der kanadischen Luftfahrtindustrie ist durch eine verbindliche Entscheidung der Schlichterin Paula Knopf beigelegt worden. Die größte Fluggesellschaft des Landes, Air Canada, wird die Vergütungen für das Kabinenpersonal über eine Laufzeit von vier Jahren um insgesamt mehr als 20 Prozent anheben. Dieser Beschluss markiert das Ende eines monatelangen Streits mit der Gewerkschaft Canadian Union for Public Employees (CUPE), der im Jahr 2025 in einem viertägigen Streik gipfelte und zu massiven Flugausfällen im nordamerikanischen Luftverkehr führte. Der Schiedsspruch sieht vor, dass die Lohnsteigerungen rückwirkend und in Stufen erfolgen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Airline zu wahren und gleichzeitig der Inflation Rechnung zu tragen.
Ein entscheidender Punkt der neuen Regelung ist die Einführung einer Vergütung für Tätigkeiten am Boden. Zukünftig werden Flugbegleiter auch für Aufgaben wie das Boarding der Passagiere anteilig bezahlt. Bisher war es in der Branche üblich, dass die Entlohnung erst mit dem Schließen der Flugzeugtüren oder dem Lösen der Bremsen begann. Mit dieser Entscheidung folgt Air Canada einem Trend auf dem nordamerikanischen Markt, den Delta Air Lines bereits im Jahr 2022 initiiert hatte. Die Schiedsrichterin begründete diesen Schritt mit der gestiegenen Arbeitsbelastung während der Abfertigungsprozesse und der Notwendigkeit, moderne Arbeitszeitmodelle in der Luftfahrt zu etablieren.
Besondere Berücksichtigung fand in dem Verfahren auch die Tochtergesellschaft Air Canada Rouge. Paula Knopf ordnete eine überproportionale Erhöhung der Lohnsätze für das dortige Personal an, um ein Abdriften der Gehälter unter das Niveau vergleichbarer kanadischer Billigflieger zu verhindern. Damit wird sichergestellt, dass die Gehaltsstruktur innerhalb des Konzerns gewahrt bleibt, während gleichzeitig die Lohnkosten für die Niedrigpreistochter kalkulierbar bleiben. Die Gewerkschaft bezeichnete den Abschluss als notwendige Anpassung an die wirtschaftliche Realität, während das Management von Air Canada die nun gewonnene Planungssicherheit für die kommenden Jahre hervorhob.
Die Einigung umfasst neben den finanziellen Aspekten auch Anpassungen bei den Ruhezeiten und der Schichtplanung, was die operative Stabilität des Flugbetriebs erhöhen soll. Da der Schiedsspruch für beide Seiten bindend ist, entfällt das Risiko weiterer Arbeitsniederlegungen bis zum Ende der Vertragslaufzeit im Jahr 2029. Branchenexperten gehen davon aus, dass dieser Abschluss als Referenz für kommende Tarifverhandlungen bei anderen kanadischen Fluggesellschaften dienen wird, die ebenfalls mit Forderungen nach Bodenvergütungen und signifikanten Lohnsteigerungen konfrontiert sind.