Der angekündigte Teilrückzug der irischen Fluggesellschaft Ryanair vom Flughafen Berlin Brandenburg (BER) führt beim Betreiber Flughafen Berlin Brandenburg GmbH bereits im laufenden Geschäftsjahr zu sinkenden Passagierzahlen.
Wie die Vorsitzende der Geschäftsführung, Aletta von Massenbach, in Berlin bekanntgab, rechnet das Unternehmen für das Gesamtjahr 2026 mit einem Aufkommen von rund 25,7 Millionen Passagieren, nachdem im Vorjahr 2025 noch 26,1 Millionen Fluggäste registriert worden waren. Massenbach bezeichnete diese Dämpfung explizit als direkten Ryanair-Effekt. Für das darauffolgende Jahr 2027 wird eine weitere Abschwächung der Verkehrszahlen auf 25,0 bis 25,2 Millionen Passagiere prognostiziert, womit der Flughafen weit unter den ursprünglichen Erwartungen von bis zu 27 Millionen Fluggästen verbleibt. Um den finanziellen Folgen des Kapazitätsabbaus entgegenzuwirken, hat das Management ein Maßnahmenpaket zur Einsparung von Sach- und Betriebskosten sowie zur Verschiebung geplanter Sachinvestitionen auf den Weg gebracht.
Schließung der Ryanair-Basis und Einschränkungen im Flugangebot
Die Schließung der operativen Basis der Fluggesellschaft Ryanair am BER erfolgt zum 24. Oktober 2026. Damit zieht der irische Anbieter seine bisher am Hauptstadtflughafen stationierten sieben Flugzeuge samt der dazugehörigen Cockpit- und Kabinenbesatzungen ab. Obwohl Ryanair die Bundeshauptstadt auch künftig im Zielnetz behalten und über Flüge von anderen europäischen Standorten ansteuern wird, halbiert sich das bisherige Flugangebot des Anbieters am Standort Berlin Brandenburg.
Dieser Schritt bedeutet für den Flughafen BER den Verlust von schätzungsweise 2,5 Millionen Sitzplätzen pro Jahr. Nach Angaben von Aletta von Massenbach kann dieser erhebliche Wegfall an Kapazitäten zwar von anderen am Standort vertretenen Fluggesellschaften teilweise abgepuffert, jedoch keineswegs vollständig kompensiert werden. Die Flughafengesellschaft reagiert auf den Ausfall der Erträge aus Entgelten und Passagiergebühren mit einer Überprüfung sämtlicher Ausgabenpositionen. Neben operativen Sparmaßnahmen werden auch geplante Bau- und Modernisierungsvorhaben zeitlich nach hinten verschoben.
Kritik an Standortkosten im deutschen Luftverkehrsraum
Die Entscheidung der irischen Fluggesellschaft reiht sich ein in eine anhaltende Auseinandersetzung zwischen Niedrigpreis-Anbietern und der deutschen Luftfahrtpolitik. Ryanair-Vertreter bezeichneten den Flughafen BER öffentlich als wirtschaftlich unrentabel im europäischen Standortvergleich. Flughafenchefin Massenbach zeigte Verständnis für die Frustration der Airline bezüglich der hohen Gebührenstruktur in Deutschland, stellte jedoch klar, dass sich die Vorwürfe des Anbieters primär gegen die Bundesregierung und die staatlich verursachten Standortkosten richten.
Die Luftverkehrsbranche weist seit geraumer Zeit darauf hin, dass die im internationalen Vergleich überdurchschnittlich hohen staatlichen Abgaben – darunter die Luftverkehrsteuer, die Luftsicherheitsgebühren sowie die Entgelte der Flugsicherung – die Erholung des deutschen Luftverkehrs nach dem Einbruch durch die Pandemie hemmen. Während der Flugverkehr auf dem europäischen Festland in vielen Segmenten wieder das Niveau von 2019 übertrifft, hinkt die Dynamik an deutschen Flughäfen hinterher.
Prognosen für den Standort Berlin Brandenburg und Gegenmaßnahmen
Der Teilrückzug der Airline stellt den Flughafen Berlin Brandenburg vor strukturelle Herausforderungen bei der Refinanzierung seiner hohen Bau- und Kapazitätskosten. Das Unterschreiten der angestrebten Passagierzahlen von 27 Millionen im Jahr 2027 verringert nicht nur die Einnahmen aus dem Flugbetrieb, sondern trifft auch die Gastronomie- und Handelsflächen in den Terminals.
Die Flughafengesellschaft versucht nun, das Streckennetz durch die Anwerbung anderer internationaler Fluggesellschaften zu stabilisieren und die Anbindung im Langstrecken- und Punkt-zu-Punkt-Verkehr zu verstärken. Allerdings bleibt abzuwarten, in welchem Umfang andere Fluggesellschaften bereit sind, die durch den Abzug freigewordenen Slots und Marktanteile im aktuellen Kostenumfeld des deutschen Flugmarktes zu übernehmen.