Das pakistanische Unterhaus-Komitee für öffentliche Finanzen hat eine alarmierende Bilanz über den Zustand der nationalen Fluggesellschaft Pakistan International Airlines gezogen. Im Zentrum der parlamentarischen Untersuchung stehen Schulden in Höhe von 650 Milliarden Rupien, die vom Vorsitzenden des Gremiums, Syed Naveed Qamar, als finanzielles schwarzes Loch bezeichnet wurden.
Die Kritik richtet sich dabei nicht nur gegen die misswirtschaftlichen Strukturen innerhalb der Fluglinie, sondern auch gegen das Finanzministerium, dem es bisher nicht gelungen ist, eine tragfähige Strategie zur Rückzahlung oder Umstrukturierung dieser massiven Verbindlichkeiten vorzulegen. Ein Prüfbericht für das Geschäftsjahr 2023-24 offenbart zudem gravierende operative Mängel, die von jahrelang am Boden stehenden Flugzeugen bis hin zu Unregelmäßigkeiten bei der Abführung von Steuergeldern reichen. Während Teile der Schulden bereits in eine staatliche Holdinggesellschaft ausgelagert wurden, bleibt die langfristige Sanierung des angeschlagenen Konzerns ungewiss.
Strukturelle Schuldenlast und die Rolle der Holdinggesellschaft
Die finanzielle Krise von Pakistan International Airlines hat eine Dimension erreicht, die das nationale Budget erheblich belastet. Während einer Sitzung des Komitees erläuterte der pensionierte Generalleutnant Muhammad Ali, dass ein erheblicher Teil der Verbindlichkeiten im Rahmen eines sogenannten Arrangement-Schemas auf die P.I.A. Holding Company Limited übertragen wurde. Von den untersuchten 131,5 Milliarden Rupien an unmittelbaren Verbindlichkeiten wurden bereits 115 Milliarden an diese neue Einheit delegiert. Damit ist das Problem jedoch keineswegs gelöst, sondern lediglich verschoben. Der Vorstandsvorsitzende der Fluggesellschaft, Muhammad Amir Hayat, räumte vor dem Ausschuss ein, dass das Finanzministerium bislang keine Entscheidung darüber getroffen hat, wie mit diesen Schulden in der Holding weiter verfahren werden soll.
Diese Unklarheit über die zukünftige Tilgung sorgt für erhebliche Spannungen zwischen der Legislative und der Exekutive. Der Ausschussvorsitzende kritisierte scharf, dass ohne eine klare Richtung des Finanzministeriums die Gefahr besteht, dass die Schulden unkontrolliert weiter anwachsen und die wirtschaftliche Stabilität des Landes gefährden. Die Abgeordneten forderten die Geschäftsführung der Airline zudem auf, ausstehende Forderungen in Höhe von mindestens 5 Milliarden Rupien umgehend einzutreiben, um die Liquidität des Unternehmens zumindest punktuell zu stützen.
Steuerliche Verfehlungen und einbehaltene Abgaben
Ein besonders schwerwiegender Punkt des Auditberichts betrifft den Umgang mit staatlichen Geldern. Den Prüfern zufolge hat die Fluggesellschaft Bundesverbrauchssteuern und Vorauszahlungen, die direkt von den Passagieren beim Ticketkauf erhoben wurden, nicht fristgerecht an die Staatskasse abgeführt. Gemäß dem Federal Excise Duty Act von 2005 müssen diese Beträge innerhalb von 45 Tagen hinterlegt werden. Pakistan International Airlines nutzte diese Gelder jedoch offenbar, um eigene Liquiditätsengpässe zu überbrücken, anstatt sie wie gesetzlich vorgeschrieben weiterzuleiten. Dieser Vorgang hat nicht nur die rechtlichen Verpflichtungen der Airline erhöht, sondern wird vom Komitee auch als systematisches Versagen der internen Kontrollmechanismen gewertet.
Die Verzögerungen bei der Steuerabführung haben die ohnehin prekäre Lage der Gesellschaft weiter verschärft, da nun zusätzliche Strafzahlungen und Zinsen drohen. Der Ausschuss wertet dies als klares Indiz für eine mangelhafte Finanzführung, die über Jahre hinweg geltendes Recht missachtete, um den operativen Betrieb mühsam aufrechtzuerhalten.
Operatives Versagen und am Boden stehende Flotte
Neben den rein finanziellen Kennzahlen offenbart der Prüfbericht ein dramatisches Bild des operativen Managements. Demnach entstanden dem Unternehmen Verluste in Höhe von 22 Milliarden Rupien durch die übermäßig lange Stilllegung von Flugzeugen. Ein besonders eklatanter Fall betrifft eine Maschine, die über einen Zeitraum von 652 Tagen am Boden blieb. Die Prüfer führen diese Ausfälle auf Management-Fahrlässigkeit zurück. Während das Verteidigungsministerium argumentierte, dass die Folgen der globalen Pandemie sowie Unterbrechungen in der weltweiten Lieferkette für Ersatzteile eine zeitnahe Wartung verhinderten, ließen die Abgeordneten diese Entschuldigung nur bedingt gelten.
Besonders kritisiert wurde, dass unplanmäßige strukturelle Reparaturen nicht effizient koordiniert wurden, was zu einer unnötigen Verlängerung der Standzeiten führte. Jede Stunde, die ein Flugzeug am Boden verbringt, generiert keine Einnahmen, verursacht aber weiterhin Fixkosten. In der Summe führten diese Verzögerungen zu einem finanziellen Schaden von 21,82 Milliarden Rupien. Hinzu kommen weitere Verluste in Höhe von 8,6 Milliarden Rupien, die dadurch entstanden, dass ausgemusterte Flugzeuge und alte Ersatzteile nicht rechtzeitig verkauft oder fachgerecht verwertet wurden. Wertvolle Ressourcen lagerten somit ungenutzt in den Hangars, anstatt durch Veräußerung dringend benötigtes Kapital zu generieren.
Immobilienstreitigkeiten und fragwürdige Beschaffungen
Die Untersuchung des Ausschusses erstreckte sich auch auf das umfangreiche Immobilienportfolio der Fluggesellschaft. Es wurde bekannt, dass zwei umstrittene Liegenschaften – ein Fußballplatz in Karachi und ein Hotel in Larkana – ebenfalls in die Holdinggesellschaft überführt wurden. Hierbei gab es jedoch erhebliche Abweichungen zwischen den Anweisungen des Vorstands und der tatsächlichen Umsetzung durch das Management, was zu einem geschätzten Verlust von 2,61 Milliarden Rupien führte.
Des Weiteren stießen die Auditoren auf Unregelmäßigkeiten bei der Beschaffung von Material und Vorräten. In mehreren Fällen wurden Zahlungen in Höhe von 1,669 Milliarden Rupien ohne ausreichende Validierung geleistet. Zudem wurden bei der Beschaffung von Ersatzteilen die Regeln der staatlichen Regulierungsbehörde für das öffentliche Beschaffungswesen missachtet. Diese Verstöße führten zu einem weiteren Verlust von 112 Millionen Rupien. Das Bild, das sich dem Komitee bot, war das eines Unternehmens, in dem interne Richtlinien und staatliche Vorgaben systematisch umgangen wurden, was die Intransparenz der Finanzströme weiter förderte.
Zukunftsperspektiven und politische Forderungen
Angesichts der massiven Mängel forderte das Komitee für öffentliche Finanzen eine sofortige Überarbeitung der Sanierungspläne. Die bisherige Strategie, Schulden lediglich in eine Holding auszulagern, ohne einen Plan für deren Tilgung zu haben, wird als unzureichend angesehen. Die politische Führung Pakistans steht nun vor der schwierigen Aufgabe, entweder radikale Privatisierungsmaßnahmen einzuleiten oder weiteres Steuergeld in ein Unternehmen zu pumpen, dessen interne Strukturen als hochgradig ineffizient gelten.
Die Geschäftsführung von Pakistan International Airlines steht unter erheblichem Druck, die Effizienz der Wartungsprozesse zu steigern und die Stillstandszeiten der Flotte drastisch zu reduzieren. Ohne eine funktionierende operative Basis wird es der Airline nicht gelingen, aus eigener Kraft Gewinne zu erwirtschaften, um die Zinslast ihrer Schulden zu tragen. Der Fall der nationalen Fluggesellschaft gilt in Pakistan mittlerweile als Paradebeispiel für die Probleme staatseigener Betriebe, bei denen politische Einflussnahme und mangelndes professionelles Management zu einer chronischen Unterfinanzierung und technologischem Rückstand geführt haben. Die kommenden Monate werden zeigen, ob das Finanzministerium dem Druck des Parlaments nachgibt und eine detaillierte Lösung für das 650-Milliarden-Rupien-Problem präsentiert.