Ein außergewöhnlich starkes Doppelbeben hat im Nordwesten und Zentrum Venezuelas schwere Verwüstungen angerichtet und das öffentliche Leben weitgehend zum Erliegen gebracht. Innerhalb von nur 39 Sekunden erschütterten zwei massive Erdstöße am frühen Mittwochabend das Land.
Die US-Erdbebenwarte USGS maß Magnituden von 7,2 und 7,5, womit die Ereignisse zu den weltweit heftigsten Erschütterungen des laufenden Jahres zählen. Angesichts der geringen Herdtiefe des zweiten Hauptbebens von nur rund zehn Kilometern kam es insbesondere in den Bundesstaaten Yaracuy und Carabobo sowie in der Küstenregion La Guaira zu katastrophalen strukturellen Schäden. Die amtierende geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez rief umgehend den nationalen Notstand aus.
In der mehr als 150 Kilometer vom Epizentrum entfernten Hauptstadt Caracas stürzten zahlreiche Gebäude ein, darunter nach Berichten von Augenzeugen auch ein 22-stöckiges Hochhaus im Stadtteil Altamira. Umgestürzte Strommasten, Trümmerberge und aufgebrochene Straßendecken blockieren seither die Rettungswege in vielen dicht besiedelten Vierteln. Zur Vermeidung von Folgebränden und Explosionen ordnete das Innenministerium die präventive Abschaltung der zentralen Gasversorgung an, während weite Teile des betroffenen Gebiets zudem ohne Strom- und Mobilfunkversorgung sind. Der internationale Flughafen Simón Bolívar in Maiquetía bei Caracas stellte den Flugbetrieb nach schweren Erschütterungen im Terminalgebäude und auf den Rollfeldern vollständig ein.
Die Rettungsmannschaften und zivilen Helfer stehen unter hohem Zeitdruck, da unter den Trümmern eingestürzter Wohn- und Geschäftshäuser zahlreiche Verschüttete vermutet werden. Eine automatische Modellrechnung der USGS prognostiziert aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte im betroffenen Radius eine Opferzahl, die weit in den vier- bis fünfstelligen Bereich steigen könnte. In der Küstenstadt Tucacas wurden bereits kurz nach den Beben Dutzende Verletzte geborgen, während dort zeitgleich die Suche nach Vermissten unter den Resten eines fünfstöckigen Gebäudes andauert. Erschwert werden die Bergungsarbeiten durch mehr als 20 registrierte Nachbeben, die bereits destabilisierte Bausubstanz akut bedrohen.
Der Katastrophenfall rief auch internationale Reaktionen hervor. US-Präsident Donald Trump sicherte der venezolanischen Übergangsregierung über seine Kommunikationsplattform Truth Social umgehende logistische und medizinische Unterstützung durch amerikanische Such- und Rettungsteams zu. Auch Nachbarstaaten wie Argentinien boten humanitäre Soforthilfe an. Die Erschütterungen waren aufgrund ihrer immensen seismischen Energie noch im benachbarten Kolumbien, in Aruba sowie in Teilen Nordbrasiliens spürbar, wo es in grenznahen Städten zu vorsorglichen Evakuierungen kam.