Brasilien ist von einer Tragödie im Luftverkehr erschüttert worden: Eine ATR 72-500 der Fluggesellschaft VoePass stürzte am Freitag, dem 2. August 2024, im Bundesstaat São Paulo ab. Keiner der 61 Menschen an Bord überlebte das Unglück. Während das Land um die Opfer trauert, haben die Ermittlungen zur Klärung der Absturzursache begonnen. Der Vorfall reiht sich in die Liste der schwersten Flugunfälle in der Geschichte der brasilianischen Luftfahrt ein und wirft dringende Fragen zur Sicherheit in der Zivilluftfahrt auf.
Das Unglück ereignete sich in der Stadt Vinhedo, etwa 75 Kilometer von der Metropole São Paulo entfernt. Die ATR 72-500 war als Flug 2Z2283 von Cascavel im Bundesstaat Paraná nach São Paulo-Guarulhos unterwegs, dem größten Flughafen Brasiliens. Laut Daten der Plattform „Flightradar 24“ begann das Flugzeug kurz vor dem Absturz, innerhalb weniger Sekunden stark an Höhe zu verlieren und sackte um fast 4.000 Meter ab. Augenzeugenberichte und in sozialen Netzwerken verbreitete Videos zeigen, wie das Flugzeug ins Trudeln geriet, bevor es in ein Wohngebiet stürzte und in Flammen aufging. Dicker Rauch stieg aus den Trümmern auf, während Rettungskräfte verzweifelt versuchten, zu den Überresten des Flugzeugs vorzudringen.
Erste Ermittlungen und mögliche Ursachen
Die brasilianische Luftwaffe (FAB) hat den Flugdatenschreiber und den Stimmenrekorder, die sogenannten „Black Boxes“, aus den Trümmern geborgen. Diese Geräte sind von zentraler Bedeutung für die Ermittlungen, da sie genaue Informationen über die letzten Minuten des Fluges und die Gespräche im Cockpit liefern werden. Die Untersuchungen zur Absturzursache stehen jedoch noch am Anfang. Marcelo Moreno, der Leiter des Zentrums für die Untersuchung und Vorbeugung von Luftfahrtunfällen (Cenipa), betonte, dass alle möglichen Faktoren – von technischen und umweltbedingten Einflüssen bis hin zu menschlichem Versagen – geprüft werden.
Laut meteorologischen Berichten könnte das Wetter eine Rolle bei dem Unglück gespielt haben. In der Unglücksregion wurden zum Zeitpunkt des Absturzes Turbulenzen, Gewitter und Vereisungsbedingungen gemeldet. Der Geschäftsführer von VoePass, Eduardo Busch, erklärte, dass eine Vereisung der Tragflächen eine mögliche Ursache sein könnte. Solche Vereisungen können den Auftrieb eines Flugzeugs erheblich beeinträchtigen und zu einem Kontrollverlust führen. Busch betonte jedoch, dass die Piloten erfahren gewesen seien und das Flugzeug in einwandfreiem Zustand gestartet sei.
Der Absturz hat in Brasilien große Betroffenheit ausgelöst. Der Gouverneur von São Paulo, Tarcísio de Freitas, drückte sein Beileid den Angehörigen der Opfer aus und versprach, alle notwendigen Ressourcen für die Aufklärung des Unfalls bereitzustellen. Auch die Fluggesellschaft VoePass, die das Unglück tief bedauert, kündigte umfassende Unterstützung für die Familien der Opfer an.
Historischer Kontext und Vergleich
Der Absturz der ATR 72-500 von VoePass gehört zu den tödlichsten Flugunfällen in der brasilianischen Geschichte. Er erinnert schmerzlich an andere verheerende Unglücke, die das Land in der Vergangenheit erschüttert haben. So stürzte im November 2016 ein Flugzeug mit der Fußballmannschaft von Chapecoense auf dem Weg zum Finale der Copa Sudamericana in Kolumbien ab, wobei 71 Menschen ums Leben kamen. Auch im Januar 2023 kam es zu einem ähnlichen Unfall, als eine ATR 72-500 in Nepal abstürzte und 72 Menschen starben.
Diese Vorfälle unterstreichen die Gefahren, die im Luftverkehr trotz aller Fortschritte in der Technologie und Sicherheitsvorkehrungen bestehen. Die Tatsache, dass es sich bei dem verunglückten Flugzeug um das gleiche Modell handelt wie bei dem Unglück in Nepal, lenkt die Aufmerksamkeit erneut auf die Sicherheitsstandards und die Betriebsbedingungen der ATR 72-500. Die kommenden Wochen und Monate werden entscheidend sein, um zu klären, ob systemische Probleme oder spezifische Umstände zu diesem tragischen Ereignis geführt haben.
Während Brasilien um die Opfer trauert, richtet sich der Blick der Luftfahrtindustrie auf die Ergebnisse der Untersuchungen. Diese werden nicht nur für die Hinterbliebenen von Bedeutung sein, sondern auch für die Sicherheit im internationalen Luftverkehr. Die Ergebnisse der Auswertung der Flugschreiber könnten Aufschluss darüber geben, ob neue Sicherheitsvorkehrungen notwendig sind, um ähnliche Tragödien in Zukunft zu verhindern.