Angesichts des seit nunmehr über einem Monat andauernden Regierungsstillstands in den Vereinigten Staaten (Shutdown) und der damit verbundenen dramatischen Personalengpässe in der Flugsicherung droht die US-Regierung unter Präsident Donald Trump mit einem beispiellosen Schritt: der vorübergehenden Schließung des gesamten nationalen Luftverkehrssystems. US-Verkehrsminister Sean Duffy erklärte in einem Interview am 3. November 2025, dass die Sicherheit oberste Priorität habe. „Wenn wir der Meinung wären, dass das Reisen unsicher ist, würden wir den gesamten Luftraum schließen. Soweit sind wir noch nicht, aber es kommt zu erheblichen Verspätungen.“
Der Shutdown, der am 1. Oktober 2025 begann, hat sich zu einem eskalierenden Streit zwischen dem Kongress und dem Präsidenten entwickelt, primär über die Finanzierung von Gesundheitsvorsorgemaßnahmen und die allgemeinen Bundesausgaben. Die unmittelbare Folge ist ein wachsendes Chaos im Flugbetrieb, das sich in flächendeckenden Verspätungen und Ausfällen an den größten US-Flughäfen manifestiert. Allein am 2. November 2025 wurden landesweit mehr als 5.000 Flüge verspätet, und Flughäfen wie Newark (EWR), Chicago O’Hare (ORD) und New York JFK verzeichneten Hunderte von Verspätungen täglich. Die Regierung warnt, dass das „rollende Chaos“ durch das gesamte System zieht.
Der Engpass bei den Fluglotsen spitzt die Krise zu
Der Hauptgrund für die zunehmenden operativen Probleme und die daraus resultierenden Sicherheitsbedenken ist der akute Personalmangel in der Federal Aviation Administration (FAA), der durch den Regierungsstillstand noch verschärft wird. Verkehrsminister Duffy wies darauf hin, dass der FAA bereits 3.000 Fluglotsen fehlen – ein chronisches Problem, das seit Jahren besteht und eine „langfristige Auswirkung“ auf die Leistungsfähigkeit des US-Luftverkehrssystems hat.
Der Shutdown hat diesen Mangel in eine Krise überführt: Fast 13.000 Fluglotsen arbeiten seit Wochen ohne Bezahlung, da die Finanzierung der Bundesbehörde ausgesetzt ist. Zwar gelten die Fluglotsen als „essenzielles“ Personal und sind somit zur Weiterarbeit verpflichtet, doch die ausbleibenden Gehälter führen zu erheblichem Stress und Unruhe in den Kontrollzentren.
- Stress und Ermüdung: Viele Fluglotsen sind gezwungen, überlange Schichten und exzessive Überstunden zu leisten, um die minimalen Personalanforderungen zu erfüllen. Dies erhöht das Risiko menschlicher Fehler in einem Beruf, der höchste Konzentration erfordert.
- Fehlendes Sicherheitspolster: Branchenexperten und die Fluglotsenvereinigung warnen, dass das interne „Sicherheitsnetz“ der FAA, zu dem tägliche Inspektionen der Ausrüstung und Qualitätskontroll-Teams gehören, durch den Stillstand beeinträchtigt wird. Auch die dringend benötigte Ausbildung neuen Personals liegt auf Eis. Die Personalstärke in der Flugsicherung war schon vor dem Shutdown auf einem Tiefstand wie seit Jahrzehnten nicht mehr.
Die US-Regierung sieht sich nun gezwungen, den Flugverkehr an überlasteten Flughäfen zu drosseln, um die Sicherheit zu gewährleisten, was unmittelbar zu den massiven Verspätungen führt.
Wirtschaftliche Folgen für die kommerzielle Luftfahrt
Die weitreichenden Störungen im Flugverkehr haben bereits erhebliche wirtschaftliche Rückwirkungen. Verkehrsminister Duffy bemerkte, dass die Konsequenzen des ausbleibenden Reiseverkehrs „durch die gesamte Wirtschaft hallen“. Die kommerzielle Luftfahrt ist ein Motor der US-Wirtschaft, der Millionen von Arbeitsplätzen sichert und essentielle Geschäfts- und Freizeitaktivitäten ermöglicht.
- Verlust von Arbeitsstunden: Verspätete oder gestrichene Flüge führen zu Produktivitätsverlusten für Unternehmen und Geschäftskunden.
- Störung der Lieferketten: Auch wenn die Frachtsparte nicht primär betroffen ist, führen operative Störungen an Großflughäfen zu unvorhersehbaren Verzögerungen in der Logistik.
- Schadenersatz und Kosten: Fluggesellschaften sehen sich mit steigenden Kosten für Entschädigungen, zusätzliche Crew-Ausgaben und Umbuchungen konfrontiert.
Der anhaltende Shutdown hat die Aufmerksamkeit auch auf die finanzielle Diskrepanz innerhalb der Regierung gelenkt, beispielsweise durch die Kritik an der Beschaffung eines teuren Geschäftsreiseflugzeugs vom Typ Gulfstream G700 durch das Department of Homeland Security (DHS) inmitten des Finanzchaos.
Chronische Unterfinanzierung und politische Blockade
Der aktuelle Shutdown, der auf gescheiterten Haushaltsverhandlungen zwischen Präsident Trump und dem Kongress basiert – hauptsächlich über die Forderungen der Demokraten nach Erweiterung von Gesundheitszuschüssen unter dem Affordable Care Act – ist der zweite unter der Trump-Präsidentschaft. Er verdeutlicht die tiefgreifende Spaltung und die Unfähigkeit, grundlegende Regierungsfunktionen zu sichern.
Die Sicherheitsprobleme in der Luftfahrt sind jedoch nicht nur auf den aktuellen Stillstand zurückzuführen, sondern auf eine chronische Unterfinanzierung der FAA. Berichte aus früheren Jahren belegen, dass die FAA bereits vor den jüngsten Ereignissen mit Personalengpässen und der Notwendigkeit zur Modernisierung ihrer veralteten Kontrollsysteme kämpfte. Die derzeitige Situation ist eine Kombination aus strukturellen Mängeln und temporärer politischer Lähmung.
Angesichts der Drohung des US-Verkehrsministers, den Luftraum komplett zu schließen, falls die Sicherheit nicht mehr gewährleistet werden kann, steigt der politische Druck auf die Verhandlungsparteien, eine schnelle Lösung für den Haushaltsstreit zu finden. Eine Schließung des US-Luftraums wäre ein wirtschaftlicher Schock mit globalen Auswirkungen und würde die USA in eine beispiellose logistische Krise stürzen.