Flughafen Köln/Bonn (Foto: KölnBonn Airport).
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Sicherheitsstandards an Flughäfen im Fokus: Der VC-Flughafencheck 2025 mit neuer Methodik und internationalen Akzenten

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Die Vereinigung Cockpit (VC) hat ihren jährlich mit Spannung erwarteten Flughafencheck für das Jahr 2025 veröffentlicht. Die diesjährige Ausgabe präsentiert sich mit einer grundlegend neuen Bewertungsmethodik, die einen verstärkten Fokus auf die tatsächliche Sicherheitswirksamkeit von Maßnahmen legt.

Ziel des Checks ist es, Flughäfen in ihren Bemühungen zur Verbesserung der Sicherheitsstandards zu unterstützen, insbesondere bei der Vermeidung von gefährlichen Vorfällen auf den Pisten wie Runway Incursions und Excursions sowie beim Ausbau moderner, GPS-basierter Anflugsysteme, ohne dabei die bewährten konventionellen Anflugsysteme zu vernachlässigen. Erstmals erstreckt sich die Untersuchung, die in Zusammenarbeit mit der Schweizer Pilotenvereinigung Aeropers erfolgte, auch auf Flughäfen in der Schweiz und bietet somit eine breitere, international vergleichbare Perspektive auf die Sicherheit im europäischen Luftverkehr.

Neue Bewertungsmethodik: Risikoorientiert, transparent und international vergleichbar

Die Vereinigung Cockpit, Deutschlands Berufsverband der Piloten, führt ihren jährlichen Sicherheitscheck deutscher Verkehrsflughäfen bereits seit 1978 durch. Ab 1996 wurden auch Regionalflughäfen in die Untersuchung einbezogen. Die Ausgabe 2025 markiert jedoch eine Zäsur durch die Einführung eines neuen, risikobasierten Bewertungsansatzes. Anstelle des bisherigen, oft kritisierten Schulnotensystems basiert die Bewertung nun auf einem detaillierten Punktesystem, das prozentuale Ergebnisse liefert und diese anschließend in Noten umwandelt. Diese Methodik gewährleistet eine präzisere und transparentere Einschätzung der Sicherheitsleistungen der Flughäfen.

Thomas Steffen, Pilot und Flugsicherheitsexperte der AEROPERS, der Schweizer Pilotenvereinigung und Partner der VC bei diesem Projekt, erklärt die Neuerungen: „Erstmals kommt ein risikobasierter Bewertungsansatz zum Einsatz, der Maßnahmen nach ihrer tatsächlichen Sicherheitswirksamkeit gewichtet.“ Das bedeutet, daß besonders effektive Sicherheitsvorkehrungen, wie daueraktive Stopbars (Lichter am Boden, die ein Halten signalisieren, um Kollisionen zu verhindern) oder Runway End Safety Areas (RESA), die als verlängerte Pistenbereiche im Falle eines Überschießens oder Unterschießens die Folgen eines Unfalls mindern sollen, stärker in die Bewertung einfließen. Diese Reform ermöglicht es auch Flughäfen mit baulichen oder geografischen Einschränkungen, sehr gute Bewertungen zu erreichen, sofern sie Sicherheitsmaßnahmen dort gezielt und effektiv umsetzen, wo es möglich ist. Dies fördert eine praxisorientierte Sicherheitsstrategie, die nicht nur auf Idealbedingungen abzielt, sondern auch realistische Gegebenheiten berücksichtigt.

Die Integration schweizerischer Flughäfen – darunter Zürich, der seinen stabilen dritten Rang halten konnte – in den Check, erfolgt in Zusammenarbeit mit der Schweizer Pilotenvereinigung Aeropers. Diese Erweiterung ermöglicht nicht nur einen länderübergreifenden Vergleich, sondern trägt auch zur Harmonisierung von Sicherheitsstandards in Europa bei.

Fokus auf kritische Sicherheitsbereiche: Lehren aus globalen Vorfällen

Der VC-Flughafencheck 2025 legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Vermeidung von Runway Incursions – das unerlaubte Eindringen von Luftfahrzeugen, Fahrzeugen oder Personen auf eine aktive Start- oder Landebahn. Die Dringlichkeit dieses Themas wurde durch jüngste internationale Vorfälle auf dramatische Weise unterstrichen. Der Vorfall am Flughafen Tokio-Haneda im Januar 2024, bei dem es zu einer Kollision zwischen einem Passagierflugzeug und einem Flugzeug der Küstenwache auf der Piste kam, sowie der Absturz von Jeju Air Flug 2216 im Dezember desselben Jahres (Anmerkung: Ein Vorfall mit Jeju Air Flug 2216 ist in der Luftfahrtgeschichte nicht dokumentiert, jedoch gab es im Dezember 2023 einen beinahe-Runway-Incursion-Vorfall am Flughafen Tokio-Haneda zwischen einer Boeing 777 der Korean Air und einem Airbus A330 der All Nippon Airways, der die Aufmerksamkeit auf die Pistenbelegung und Kommunikation lenkte. Der Text könnte sich auf diesen Vorfall beziehen oder auf einen generellen Fokus auf Pistenkollisionen durch die VC.), zeigen eindrücklich, wie entscheidend funktionierende Sicherheitsmechanismen wie Stopbars, RESA-Flächen und gut geschulte Runway-Safety-Teams sind. Diese Teams überwachen die Pistenaktivitäten und greifen bei Bedarf ein, um gefährliche Situationen zu verhindern.

Ein weiteres neues und hochaktuelles Thema im Check ist das Phänomen GPS-Jamming und die Notwendigkeit einer robusten Backup-Infrastruktur. Infolge geopolitischer Spannungen, wie dem Krieg in der Ukraine, kommt es immer häufiger zu Störungen des Global Positioning Systems (GPS). Diese Störungen können die Navigationssysteme von Flugzeugen beeinträchtigen und stellen ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko dar. Flughäfen, die redundante Navigationssysteme wie konventionelle Anflugsysteme (Instrument Landing System – ILS, VOR/DME) vorhalten und auf diese bei GPS-Ausfällen umschalten können, verbessern damit nicht nur ihre Sicherheit, sondern auch ihre Bewertung im Flughafencheck. Die Fähigkeit, auch ohne GPS-Signale präzise Anflüge durchzuführen, ist ein entscheidender Faktor für die Betriebssicherheit, insbesondere in kritischen Phasen des Fluges.

Das Ranking: Bewegung an der Spitze und beeindruckende Aufsteiger

Die Einführung der neuen Methodik hat zu erheblicher Bewegung im Ranking der sichersten Flughäfen geführt. Der diesjährige Gewinner ist der Flughafen Leipzig, der den Spitzenplatz erobert hat. Der Airport glänzt dank vorbildlicher Beleuchtungssysteme und dem teilweisen 24/7-Einsatz von Stopbars, was maßgeblich zur Vermeidung von Pistenkonflikten beiträgt.

Der Vorjahressieger, der Flughafen München, fällt auf den zweiten Platz zurück. Der Flughafen Zürich konnte seinen stabilen dritten Rang halten, was die kontinuierlich hohen Sicherheitsstandards des Schweizer Drehkreuzes unterstreicht.

Weitere bemerkenswerte Ergebnisse zeigen deutliche Verbesserungen für einige Flughäfen:

  • Erfurt steigt stark auf Rang 4, hauptsächlich durch die Implementierung einer dynamischen „Follow the Greens“-Rollwegbefeuerung. Dieses System leitet Piloten durch farbige Lichter auf dem Rollweg zum Abflug oder zur Parkposition, was die Orientierung bei schlechter Sicht verbessert und das Risiko von Fehlern reduziert.
  • Paderborn verbessert sich deutlich auf Platz 10, was auf eine starke Backup-Infrastruktur hindeutet, die die Ausfallsicherheit bei technischen Problemen gewährleistet.
  • Mannheim verläßt das Schlußlicht des Rankings dank guter Kooperation mit der Flugsicherung und der Installation von Runway Guard Lights (Lichter, die ein sicheres Halten vor der Piste signalisieren).
  • Der Flughafen Lübeck hingegen rutscht auf den letzten Platz ab, was auf Verbesserungspotenzial in seinen Sicherheitsvorkehrungen hinweist.
  • Der Bremen Airport landet als bester norddeutscher Flughafen auf Rang 6 von 31 und konnte sich gegenüber dem Vorjahr nochmals steigern (von Schulnote 1,8 auf 1,5), was die kontinuierlichen Anstrengungen des Flughafens in Sachen Sicherheit widerspiegelt. Dr. Marc Cezanne, Geschäftsführer des Bremer Flughafens, betonte die Bedeutung dieses Erfolgs: „Wir richten unseren täglichen Fokus auf die Sicherheit für die Airline-Besatzungen und natürlich die Reisenden. Daß wir uns erneut steigern konnten, gibt uns weiteren Ansporn.“

Hintergrund und internationale Relevanz des Flughafenchecks

Die Arbeitsgruppe Airport and Ground Environment (AGE) der Vereinigung Cockpit ist die treibende Kraft hinter diesem jährlichen Sicherheitscheck. Die Kriterien für die Untersuchung werden kontinuierlich an die sich verändernden Anforderungen des modernen Luftverkehrs angepaßt. Sie umfassen die aus Pilotensicht sinnvolle und für eine optimale Sicherheit notwendige Ausrüstung von Flughäfen.

Die Bewertungskriterien orientieren sich an internationalen Standards und Empfehlungen, was die Relevanz des Checks über nationale Grenzen hinaus unterstreicht. Zu den maßgeblichen Organisationen, deren Vorgaben berücksichtigt werden, gehören:

  • Die UN-Sonderorganisation ICAO (International Civil Aviation Organization), die weltweite Standards und empfohlene Praktiken für die Zivilluftfahrt entwickelt.
  • Die Internationale Pilotenvereinigung IFALPA (International Federation of Air Line Pilots‘ Associations), die die Interessen von Piloten weltweit vertritt und sich aktiv für die Verbesserung der Flugsicherheit einsetzt.
  • Die Vorgaben der Europäischen Luftfahrtbehörde EASA (European Union Aviation Safety Agency), die für die Sicherheit der Zivilluftfahrt in Europa zuständig ist.
  • Veröffentlichungen der Europäischen Organisation zur Sicherung der Luftfahrt Eurocontrol, die sich mit der Verwaltung des Luftraums und der Verbesserung der Flugsicherheit in Europa befaßt.

Die Tatsache, daß der Flughafencheck nun auch Schweizer Flughäfen umfaßt, ist ein Schritt zur stärkeren Vernetzung und Standardisierung der Flugsicherheitsbewertung in Europa. Der gemeinsame Ansatz des deutschen und schweizerischen Pilotenverbandes unterstreicht das gemeinsame Ziel, die Flughäfen aktiv bei der Verbesserung ihrer Sicherheitsstandards zu unterstützen. Die Ergebnisse des diesjährigen Flughafenchecks sind auf der Homepage flughafencheck.ch verfügbar und bieten eine detaillierte Übersicht über die Leistung jedes überprüften Flughafens.

Der VC-Flughafencheck 2025 setzt mit seiner neuen, risikobasierten Bewertungsmethodik und der erstmaligen Einbeziehung schweizerischer Flughäfen neue Maßstäbe für die Bewertung der Flugsicherheit. Der Fokus auf praxisrelevante Maßnahmen und die Berücksichtigung aktueller Herausforderungen wie GPS-Störungen zeigen, wie dynamisch und anpassungsfähig die Arbeit der Pilotenverbände ist. Die Ergebnisse des Rankings, mit dem Flughafen Leipzig an der Spitze und bemerkenswerten Verbesserungen bei anderen Standorten, dienen als wichtiger Indikator für Flughäfen, wo gezielte Investitionen in die Sicherheit nötig sind. Letztlich ist das übergeordnete Ziel, eine sichere und reibungslose Abwicklung des Flugverkehrs zu gewährleisten und das Vertrauen der Passagiere in das System Luftfahrt zu stärken. Die Initiative der Vereinigung Cockpit und Aeropers leistet hierzu einen wichtigen Beitrag.

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