Bombardier CRJ-700 (Foto: ERIC SALARD).
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Sicherheitszwischenfall am Flughafen Charlottesville: United Express Maschine nach Bodenkontakt beschädigt

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Ein Landeanflug auf den Flughafen Charlottesville-Albemarle im Bundesstaat Virginia endete am 29. Dezember 2025 mit einem besorgniserregenden Zwischenfall, der nun die Aufmerksamkeit von Luftfahrtexperten und Sicherheitsbehörden auf sich zieht.

Eine von SkyWest Airlines im Auftrag von United Express betriebene Bombardier CRJ-700 geriet während des Versuchs aufzusetzen in eine instabile Lage, die zu einem direkten Bodenkontakt der rechten Tragflächenspitze mit der Landebahn führte. Trotz der Kollision gelang es der Besatzung, das Flugzeug wieder in die Luft zu bringen, ein Durchstartmanöver einzuleiten und die Maschine rund 15 Minuten später sicher zu landen. Während Personen nicht zu Schaden kamen, wirft der Vorfall Fragen zur strukturellen Integrität des Regionaljets und zur Entscheidungsgewalt in kritischen Landephasen auf.

Der Flug UA 5532 war am Morgen in Chicago O’Hare mit einer Verspätung von über 90 Minuten gestartet. Als das Flugzeug, eine 16 Jahre alte Maschine mit dem Kennzeichen N779SK, Charlottesville erreichte, herrschten laut offiziellen Stellungnahmen der Fluggesellschaft schwierige Wetterbedingungen. Starke Windböen sollen dazu beigetragen haben, dass die rechte Tragfläche während des Ausschwebens so weit absank, dass sie den Asphalt der Runway berührte. Die Entscheidung der Piloten, in diesem Moment die Landung abzubrechen und ein Durchstartmanöver (Go-Around) durchzuführen, gilt in Fachkreisen als hochgradig anspruchsvoll, da das Flugzeug bereits direkten Kontakt mit dem Boden hatte.

Analyse des Flugverlaufs und technischer Hintergrund

Daten von Flugverfolgungsdiensten dokumentieren den dramatischen Verlauf des ersten Landeversuchs. Nach dem Bodenkontakt stieg die Maschine wieder auf eine sichere Höhe, um die Flugfähigkeit zu überprüfen und sich für einen zweiten Anlauf zu positionieren. Dass keine Verletzungen unter den bis zu 70 Passagieren und der Besatzung gemeldet wurden, wird als Erfolg des schnellen Handelns der Piloten gewertet. Dennoch blieb das Flugzeug nach dem Andocken am Gate für mehr als 48 Stunden am Boden in Charlottesville. Dies ist ein Standardvorgang bei sogenannten Wing-Strikes, da die Tragflächen eines Flugzeugs nicht nur die aerodynamische Stabilität gewährleisten, sondern auch die Treibstofftanks und komplexe Steuerungselemente wie Querruder und Landeklappen beherbergen.

Im Gegensatz zu Heckaufsetzern (Tail-Strikes), gegen die viele Flugzeugtypen durch spezielle Schutzvorrichtungen am Rumpfheck gesichert sind, verfügen Tragflächenspitzen über keinerlei mechanischen Schutz gegen Bodenberührungen. Ein Aufprall, selbst bei geringer Sinkrate, kann Schockwellen durch die gesamte Tragflächenstruktur senden und interne Verbundstrukturen oder Nietenverbindungen beschädigen. Luftfahrtexperten betonen, dass solche Schäden oft nicht mit bloßem Auge erkennbar sind und eine detaillierte zerstörungsfreie Materialprüfung erfordern.

Überführung zur spezialisierten Wartungsbasis nach Tucson

Nach der zweitägigen Zwangspause in Virginia wurde die N779SK nach Tucson, Arizona, überführt. Der mehr als vierstündige Überführungsflug erfolgte ohne Passagiere und unter speziellen Auflagen. Tucson ist der Standort eines der größten und modernsten Wartungszentren von SkyWest Airlines. Die dortige Anlage umfasst riesige Hangarkapazitäten, in denen bis zu sechs Großraum- oder Regionalflugzeuge gleichzeitig gewartet werden können. Die Entscheidung, das Flugzeug quer durch das Land zu fliegen, unterstreicht die Notwendigkeit einer umfassenden technischen Untersuchung, die über die Möglichkeiten eines kleineren Regionalflughafens wie Charlottesville hinausgeht.

In Tucson wird die Maschine nun einer gründlichen Inspektion unterzogen. Dabei steht die Prüfung der strukturellen Integrität im Vordergrund. Insbesondere bei älteren Flugzeugen wie diesem Modell aus dem Jahr 2009 müssen Ingenieure sicherstellen, dass die durch den Aufprall entstandenen Kräfte keine langfristigen Ermüdungserscheinungen provozieren. Ein besonderes Augenmerk liegt auf den Befestigungspunkten der Tragfläche am Rumpf sowie auf der Integrität der Treibstoffsysteme. Wie lange die Instandsetzung dauern wird und wann die Maschine wieder in den Liniendienst von United Express zurückkehren kann, bleibt vorerst unklar.

Sicherheitsprotokolle bei Bodenkontakt während des Durchstartens

Der Vorfall löst in der Branche eine Diskussion über die Sicherheit von Durchstartmanövern nach bereits erfolgtem Bodenkontakt aus. Grundsätzlich ist ein Go-Around ein Standardverfahren, das jederzeit eingeleitet werden kann, wenn eine sichere Landung nicht garantiert ist. Wenn jedoch bereits ein struktureller Teil des Flugzeugs die Bahn berührt hat, erhöht sich das Risiko massiv. Tritt durch den Aufprall ein mechanischer Defekt an den Steuerflächen ein, könnte das Flugzeug während des Steigflugs unkontrollierbar werden. Im vorliegenden Fall funktionierte die Technik offenbar einwandfrei, was den Piloten ermöglichte, die Kontrolle zu behalten.

Untersuchungen durch die Luftfahrtbehörden werden klären müssen, ob die Windverhältnisse zum Zeitpunkt der Landung innerhalb der zulässigen Grenzwerte für die CRJ-700 lagen oder ob eine Fehleinschätzung der Wetterlage vorlag. SkyWest bestätigte in einer knappen Mitteilung, dass Windböen die Ursache für den kurzen Kontakt der Flügelspitze mit der Landebahn waren. Solche Vorfälle sind selten, führen aber fast immer zu einer längeren Außerdienststellung des betroffenen Fluggeräts.

Bedeutung für den Regionalflugverkehr und die Flottenwartung

Für SkyWest Airlines, die als wichtiger Partner für große Fluggesellschaften wie United, Delta und American tätig ist, bedeutet der Ausfall einer Maschine eine logistische Herausforderung, auch wenn die Auswirkungen auf den gesamten Flugplan von United Express in Charlottesville gering blieben. Die Zuverlässigkeit der Regionalflotten ist essenziell für die Anbindung kleinerer Städte an die großen Drehkreuze wie Chicago O’Hare.

Der Vorfall verdeutlicht zudem die Wichtigkeit hochspezialisierter Wartungsstandorte. Mit der geplanten Erweiterung der Wartungskapazitäten von SkyWest, unter anderem durch neue Standorte in Kansas im Frühjahr 2026, reagiert die Fluggesellschaft auf den steigenden Bedarf an technischen Überprüfungen und komplexen Reparaturen. Die Sicherheit im Luftraum hängt maßgeblich davon ab, dass selbst kleinste mechanische Unregelmäßigkeiten, wie sie bei einem Wing-Strike entstehen, mit höchster Präzision behoben werden, bevor ein Flugzeug wieder für den Passagiertransport freigegeben wird.

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