Riesneralm (Foto: Ski Riesneralm).
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Solide Aussichten für Österreichs Wintertourismus 2025/2026 trotz Wirtschaftsdruck

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Österreichs Tourismusbranche blickt mit verhaltenem Optimismus auf die bevorstehende Wintersaison 2025/2026. Eine aktuelle Potenzialstudie der Österreich Werbung (ÖW) signalisiert ein stabil hohes Interesse aus den zehn wichtigsten europäischen Herkunftsmärkten: Rund 16,5 Millionen Menschen planen demnach einen Winterurlaub in der Alpenrepublik. Hochgerechnet auf alle internationalen Märkte erwarten die Touristiker ein Gesamtpotenzial von 20,8 Millionen Gästen.

Trotz dieser positiven Nachfragesignale bleibt das wirtschaftliche Umfeld für die Betriebe herausfordernd. Die Branche kämpft weiterhin mit gestiegenen Kosten und dem andauernden Personalmangel. Die Bundesregierung reagiert mit der neuen Saisonkontingent-Verordnung und einem Tourismusbeschäftigtenfonds, um Planbarkeit und die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe zu sichern. Gleichzeitig forciert die Österreich Werbung die Positionierung des Landes als Ganzjahresdestination und innovative Wintersport-Top-Adresse, unter anderem durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in ihren Kampagnen.

Nachfrage aus Europa und Fernmärkten bleibt robust

Die Reiselust der Europäer ist ungebrochen, wie die jüngsten Erhebungen der Österreich Werbung zeigen. Die Umfrage in Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden, Belgien, Dänemark, dem Vereinigten Königreich, Frankreich, Polen und Tschechien ergab, dass mehr als die Hälfte der Befragten fix einen Winterurlaub plant. Das Interesse an Österreich zeigt demnach eine steigende Tendenz, insbesondere in Schlüsselmärkten wie Deutschland, der Schweiz, Tschechien und Großbritannien. Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner bewertet diese anhaltende Nachfrage als ein starkes Signal, das Vertrauen in die Qualität und Gastfreundlichkeit des heimischen Wintertourismus setzt.

Die Alpenrepublik festigt dabei ihre Rolle als dominante Wintersportdestination in Europa: In acht der zehn untersuchten Märkte rangiert Österreich auf Platz eins oder zwei, was die Beliebtheit für Ski- und Snowboardurlaube betrifft. Auch das oft diskutierte Preis-Leistungs-Verhältnis wird von 40 Prozent der Befragten als führend in Österreich eingeschätzt – vor den Konkurrenten Frankreich und Italien. Neben den traditionellen europäischen Kernmärkten baut die Österreich Werbung ihre Winterpräsenz gezielt auf sogenannten Fernmärkten wie den USA, China, Mexiko und Brasilien aus, um neue Zielgruppen zu erschließen und eine langfristige, wertschöpfende Marktentwicklung zu sichern.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Konsumverhalten

Trotz der stabilen Reisepläne bleibt das wirtschaftliche Umfeld für die Tourismusbetriebe von Herausforderungen geprägt. Zwar signalisiert die ÖW-Studie eine vergleichsweise geringe Sparneigung der Gäste, da nur zwölf Prozent planen, ihre Ausgaben zu reduzieren. Die derzeitige Buchungslage wird von Branchenvertreterin Susanne Kraus-Winkler als weitgehend positiv und die Ausgabebereitschaft als solide beschrieben.

Dennoch sieht sich die heimische Wirtschaft insgesamt erst in einer verhaltenen Erholungsphase. Aktuelle Wirtschaftsprognosen deuten darauf hin, dass die österreichische Wirtschaftsleistung im Gesamtjahr 2025, bedingt durch einen schwachen Start, stagnieren oder leicht zurückgehen könnte. Erst ab 2026 wird eine merkliche Erholung mit einem erwarteten Wirtschaftswachstum sichtbar. Auch wenn eine starke Urlaubsnachfrage in Österreich zu erwarten ist, dämpfen anhaltend hohe Teuerungen in Kernbereichen wie Gastronomie und Beherbergung die Entwicklung der realen Einnahmen der Betriebe. In der abgelaufenen Wintersaison 2024/2025 zeigten sich bereits leichte Rückgänge bei den Nächtigungszahlen im Vergleich zum Vorkrisenniveau, während die Preise in der Gastronomie um 6,0 Prozent und bei den Beherbergungen um 5,5 Prozent gestiegen waren. Gäste sind tendenziell zurückhaltender bei ihren Ausgaben, was im Zusammenspiel mit gestiegenen Energie- und Lohnkosten die wirtschaftliche Situation der Tourismusunternehmen beeinträchtigt.

Entlastung am Arbeitsmarkt durch neue Verordnungen

Ein zentraler Engpass für die Branche ist der seit Jahren bestehende Fachkräftemangel. Um eine stabile Grundlage für die kommende Saison zu schaffen, hat die Politik mit konkreten Maßnahmen reagiert. Staatssekretärin Zehetner betonte die Notwendigkeit stabiler Rahmenbedingungen und Planbarkeit für die Betriebe. Mit der neuen Saisonkontingent-Verordnung soll genau dies erreicht werden. Die Verordnung tritt früher in Kraft und beinhaltet erstmals eine Verlängerungsgarantie, falls die durchschnittliche Auslastung der Kontingente einen bestimmten Schwellenwert übersteigt. Diese Maßnahme zielt darauf ab, die Versorgung mit Arbeitskräften, insbesondere Saisonniers aus Drittstaaten wie dem Westbalkan, zu erleichtern.

Zusätzlich zur Kontingentsregelung wurde ein gesetzlicher Fonds für Tourismusbeschäftigte eingerichtet, der jährlich mit 6,5 Millionen Euro dotiert ist. Dieser Fonds soll Maßnahmen zur Förderung branchenspezifischer Aus- und Weiterbildungen, zur Erleichterung ganzjähriger Beschäftigung und zur Steigerung der Attraktivität des Tourismus als Arbeitgeber ermöglichen. Ziel ist es, die saisonalen Abhängigkeiten zu verringern und die Qualität in der Branche durch eine Investition in die Mitarbeiterbindung zu verbessern.

Positionierung als Ganzjahresdestination und innovative Marketingstrategien

Die touristische Strategie Österreichs zielt verstärkt darauf ab, das Land als Ganzjahresdestination zu etablieren. Die ÖW-Studie liefert dafür eine wichtige Bestätigung: 86 Prozent der Wintergäste besuchen Österreich auch im Sommer, Frühling oder Herbst. Dieses Ergebnis unterstreicht die Relevanz, die Nachfrage über die Hauptsaisonen hinaus stabil zu halten und die Gästeströme zeitlich zu entzerren.

Um die internationale Präsenz weiter zu stärken, setzt die Österreich Werbung auf innovative Marketingansätze unter dem Leitmotiv „Austria is just Lebensgefühl“. In der Winterkampagne 2025/2026 wird das imperiale Erbe des Landes mit modernen, digitalen Formaten kombiniert. Ein zentrales Element ist die Inszenierung von Kaiserin Elisabeth, bekannt als „Sisi“, als künstliche Intelligenz-Avatar, die in 3D-Anzeigen und auf Social-Media-Kanälen in ungewöhnlichen Kontexten, etwa auf Skiern, auftritt. Diese digitale Strategie soll die Attraktivität in schnelllebigen digitalen Umfeldern erhöhen und Österreich als unkonventionelle und überraschende Destination darstellen. Ergänzt werden die Marketingaktivitäten durch die Content-Serie „Crush Course“ für junge Erwachsene und die Präsenz beim „Austria House“ während der Olympischen Spiele in Cortina, um die Positionierung des Landes als Wintersport-Top-Destination international zu verankern. Die Weiterentwicklung der „Vision T“ wird im Sommer 2026 als langfristiger Plan für die Zukunft des österreichischen Tourismus vorgestellt.

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