Airbus A310 (Foto: Rolf Wallner).
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Somali Airlines kehrt zurück: Regierung kündigt Neustart des nationalen Carriers bis Ende 2025 an

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Die somalische Bundesregierung plant die Wiederbelebung der nationalen Fluggesellschaft Somali Airlines noch vor Ende des Jahres 2025. Dies gab der somalische Minister für Transport und Zivilluftfahrt, Mohamed Farah Nuh, am 7. Dezember anlässlich der Feierlichkeiten zum Internationalen Tag der Zivilluftfahrt in Mogadischu bekannt. Die geplante Wiederaufnahme des Flugbetriebs, mehr als drei Jahrzehnte nach der Einstellung der ursprünglichen Somali Airlines, markiert einen bedeutenden Meilenstein in den umfassenden Bemühungen Somalias zur Modernisierung und Konsolidierung seines Luftfahrtsektors.

Minister Nuh zeigte sich zuversichtlich: „Wir haben den Verwaltungsrat für Somali Airlines eingerichtet und den erforderlichen Regulierungsrahmen zur Steuerung des Betriebs geschaffen. Wir haben auch Vereinbarungen mit internationalen Partnern getroffen und moderne Flugzeuge erworben. Wir sind zuversichtlich, dass unsere nationale Fluggesellschaft sehr bald in den Himmel zurückkehren und die somalische Flagge stolz über Somalia und die ganze Welt tragen wird“, wurde er von Nachrichtenquellen zitiert.

Flottenaufbau und Finanzierung

Bereits im Juli 2025 hatte die somalische Regierung den Kauf von zwei Airbus A320-200 für den geplanten Relaunch der Somali Airlines bestätigt. Der Erwerb dieser Schmalrumpfflugzeuge ist der erste Schritt in einem gestaffelten Flottenaufbau. Die Regierung rechnet damit, dass in der nächsten Phase im Jahr 2026 zwei bis drei weitere Flugzeuge hinzukommen werden. Offiziellen Angaben zufolge wurden die Flugzeuge von der Lima Holding Group erworben, obwohl die Identität des Leasinggebers oder die spezifischen Flugzeugzellen nicht unabhängig verifiziert werden konnten.

Die Wahl des Musters Airbus A320-200 ist strategisch. Es handelt sich um ein weltweit verbreitetes, zuverlässiges Mittelstreckenflugzeug, das sich ideal für regionale Flüge innerhalb Ostafrikas sowie für Verbindungen in den Nahen Osten und eventuell nach Europa eignet – Strecken, die bereits von der ursprünglichen Airline bedient wurden. Die Wiederherstellung der nationalen Fluggesellschaft gilt für Somalia nicht nur als wirtschaftliches Projekt, sondern auch als wichtiger Schritt zur Wiedererlangung der nationalen Würde und Identität.

Die historische Lücke und der Aufstieg regionaler Anbieter

Die ursprüngliche Somali Airlines, gegründet im Jahr 1964, musste ihren Betrieb 1991 infolge des Ausbruchs des somalischen Bürgerkriegs einstellen. Die Airline war ursprünglich mit Unterstützung der italienischen Fluggesellschaft Alitalia gegründet worden und spielte eine wichtige Rolle bei der Anbindung Somalias an Ostafrika, den Nahen Osten und Europa. Mit dem Zusammenbruch der Zentralregierung wurde der Betrieb eingestellt, und die Flugzeuge wurden verkauft oder an die Leasinggeber zurückgegeben.

Die daraus entstandene Lücke im Luftverkehr wurde in den letzten Jahrzehnten von einer Mischung aus regionalen und internationalen Carriern gefüllt. Aktuell wird der Flughafen Mogadischu von 13 internationalen Fluggesellschaften bedient. Dazu zählen etablierte Anbieter wie Ethiopian Airlines, Turkish Airlines, Qatar Airways und EgyptAir, aber auch eine Reihe regionaler und somalischstämmiger Betreiber wie Daallo Airlines (Djibouti), Jubba Airways (Kenya) und African Express Airways. Minister Nuh kündigte zudem an, dass vier weitere internationale Airlines den Flugbetrieb nach Somalia aufnehmen werden, nannte jedoch keine Namen. Diese wachsende Präsenz etablierter internationaler Carrier wie Qatar Airways und Turkish Airlines belegt das steigende Vertrauen in die somalische Luftfahrtinfrastruktur.

Weitreichende Fortschritte im somalischen Luftfahrtsektor

Der geplante Relaunch der Somali Airlines ist Teil eines umfassenden und systematischen Umgestaltungsprozesses im somalischen Luftfahrtsektor, der in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte erzielt hat. Einer der wichtigsten Meilensteine war die Rückgewinnung der Kontrolle über den somalischen Luftraum im Jahr 2017 und die anschließende Wiederherstellung der vollen Flugverkehrskontrolle (Air Traffic Control – ATC).

Somalia hat erhebliche Anstrengungen unternommen, um seine Luftverkehrsinfrastruktur an internationale Standards anzupassen:

  • ICAO-Konformität: Der Flughafen Mogadischu wurde auf die höchsten Sicherheits- und Qualitätsstandards der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) gebracht, was die Voraussetzung für die Wiederaufnahme des Flugbetriebs durch große internationale Airlines ist.
  • Infrastrukturausbau: Minister Nuh hob die Fortschritte bei der Flughafeninfrastruktur hervor. Die Flugzeugabstellfläche am Mogadischu International Airport wurde erweitert, um mehr gleichzeitige Operationen abzuwickeln und die Sicherheit und Effizienz zu steigern. Auch die Start- und Landebahnen sowie die Terminaleinrichtungen wurden renoviert, um internationale Anforderungen zu erfüllen.
  • Technologie und Sicherheit: Im Jahr 2025 wurden neue digitale Grenz- und Sicherheitssysteme, einschließlich E-Visa, in Betrieb genommen. Zudem wurde ein obligatorisches elektronisches Reisegenehmigungssystem (Electronic Travel Authorisation – ETA) für alle ankommenden Passagiere eingeführt, und Fluggesellschaften müssen die ETA-Freigabe der Passagiere vor dem Boarding überprüfen.

Integration in das globale Finanzsystem

Ein entscheidender Schritt zur vollständigen Reintegration Somalias in die globale Luftfahrtgemeinschaft war der kürzlich erfolgte Wiedereintritt in den IATA Billing and Settlement Plan (BSP) nach 33 Jahren Abwesenheit. Der BSP ist ein Zahlungssystem, das die finanziellen Transaktionen zwischen akkreditierten Reisebüros und internationalen Fluggesellschaften vereinfacht und absichert.

Minister Nuh betonte, dass die IATA derzeit die Wiederherstellung des BSP-Ländercodes für Somalia vorbereite. Ohne diesen Code wäre die Abwicklung und das Management internationaler Ticketverkäufe nahezu unmöglich. Die Rückkehr in dieses System beseitigt eine der größten administrativen Hürden für Somali Airlines, um internationale Ticketing-Dienstleistungen anzubieten.

Die Regierung arbeitet zudem an einem neuen nationalen Transportkonzept, das einen einheitlichen Rahmen zur Steuerung der Entwicklung des Land-, Luft- und Seetransports schaffen soll. Dieses soll Transparenz gewährleisten und die Ausrichtung an globalen Normen fördern. Die Wiederbelebung der Somali Airlines ist somit nicht nur eine kommerzielle, sondern eine umfassende nationale Strategie zur Stärkung der somalischen Souveränität, der Wirtschaft und der internationalen Anbindung.

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