Die lettische Fluggesellschaft Air Baltic greift im kommenden Sommerflugplan auf eine ungewöhnliche Maßnahme zurück, um ihre Kapazitäten zu erhöhen. Der Hauptgrund für die Wetlease-Vereinbarung sind die Engpässe rund um die Pratt & Whitney-Triebwerke. Carpatair wird mit drei Maschinen aushelfen. Diese Entscheidung wirft ein Schlaglicht auf die Herausforderungen, mit denen Air Baltic derzeit zu kämpfen hat, und zeigt, wie sie versucht, diesen Herausforderungen zu begegnen.
Wie das Branchenportal „CH-Aviation“ berichtet, handelt es sich bei den geleasten Flugzeugen um einen Airbus A320 sowie zwei A319. Der A320 soll auf elf Strecken eingesetzt werden, darunter wichtige Destinationen wie Düsseldorf, Frankfurt, München und Wien. Die beiden A319 werden laut „Aeroroutes“ auf insgesamt 17 Routen eingesetzt, darunter auch Verbindungen nach Berlin und München. Es ist nicht das erste Mal, dass Air Baltic auf die Dienste von Carpatair zurückgreift. Bereits bis Oktober des vergangenen Jahres least die Airline die beiden A319 von der rumänischen Gesellschaft.
Gründe für den Flugzeugmangel
Der Hauptgrund für den Flugzeugmangel bei Air Baltic liegt in der verstärkten Nutzung von Wet-Lease-Vereinbarungen mit der Lufthansa Group. Laut Air-Baltic-CEO Martin Gauss ist dies deutlich lukrativer, als die eigenen Airbus A220 auf neuen oder saisonalen Verbindungen im eigenen Netz einzusetzen. Durch die Vermietung der A220 an die Lufthansa kann Air Baltic offenbar höhere Gewinne erzielen, als wenn sie die Flugzeuge selbst betreiben würde.
Ein weiterer Faktor, der zu Engpässen in der Flotte führt, sind anhaltende Triebwerksprobleme bei den A220-Maschinen. Diese Probleme haben bereits dazu geführt, dass Air Baltic ihren Sommerflugplan anpassen und Flüge streichen musste. Die genauen Ursachen für die Triebwerksprobleme sind nicht bekannt, aber sie stellen die Airline vor große Herausforderungen.
Auswirkungen auf den Flugbetrieb
Die Leasing-Vereinbarung mit Carpatair ermöglicht es Air Baltic, die Kapazitäten im Sommerflugplan aufrechtzuerhalten und gleichzeitig von den lukrativen Wet-Lease-Vereinbarungen mit der Lufthansa Group zu profitieren. Allerdings bedeutet dies auch, dass Passagiere auf einigen Strecken nicht mit den modernen A220-Maschinen von Air Baltic, sondern mit älteren Flugzeugen von Carpatair fliegen werden.
Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation in Zukunft entwickeln wird und ob Air Baltic die Triebwerksprobleme in den Griff bekommen wird. Die Airline hat in den letzten Jahren eine großangelegte Expansion erlebt und sich zu einer wichtigen Akteurin im europäischen Luftverkehr entwickelt. Es ist daher von großer Bedeutung, dass sie die aktuellen Herausforderungen meistert und ihre Flotte langfristig wieder auf eine solide Basis stellen kann.
Die Entscheidung von Air Baltic, Flugzeuge von Carpatair zu leasen, ist eine kurzfristige Lösung, um Kapazitätsengpässe zu überbrücken. Die langfristige Strategie der Airline wird jedoch darin bestehen müssen, die Triebwerksprobleme zu lösen und ihre Flotte mit modernen Flugzeugen auszustatten. Nur so kann Air Baltic ihre Position als eine der führenden Fluggesellschaften im Baltikum langfristig sichern. Gleichzeitig scheint man in der Lage zu sein das eigene Fluggerät gewinnbringender bei anderen Carriern im Rahmen von ACMI-Verträgen unterzubringen.