Die spanische Regierung hat eine wegweisende Entscheidung für ihre militärische Zukunft getroffen: Sie lehnt den Kauf von amerikanischen F-35-Kampfflugzeugen ab und setzt stattdessen auf europäische Alternativen. Dieser Schritt, der im Einklang mit den Bestrebungen der Europäischen Union steht, die Abhängigkeit von US-Rüstungstechnologie zu verringern, markiert eine Neuausrichtung in der spanischen Verteidigungsstrategie.
Die Entscheidung fiel vor dem Hintergrund der notwendigen Außerdienststellung der veralteten AV-8B Harrier-Flotte bis 2030 und den politischen Spannungen mit den Vereinigten Staaten. Derzeit wird intensiv über die zukünftige Bewaffnung des Flugzeugträgers Juan Carlos I diskutiert, da die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge eine vorübergehende operative Lücke hinterlassen wird.
Abschied von der Harrier-Flotte: Die Suche nach einem Nachfolger
Die spanische Marine setzt seit fast 50 Jahren auf die legendären AV-8B Harrier-Kampfflugzeuge. Diese Flugzeuge, bekannt für ihre Fähigkeit, senkrecht zu starten und zu landen, sind für den Betrieb auf dem Flugzeugträger Juan Carlos I unerläßlich. Doch die Zeit der Harrier geht zu Ende. Die Vereinigten Staaten und Italien, die ebenfalls Betreiber dieses Flugzeugtyps waren, stellen ihren Support ein. Dies zwingt Spanien dazu, bis 2030 einen Nachfolger zu finden.
Die F-35, insbesondere die Variante F-35B, die ebenfalls senkrecht starten und landen kann, schien lange Zeit die einzig logische Wahl zu sein. Doch die spanische Regierung hat sich nun entschieden, diesen Weg nicht zu gehen. Ein wesentlicher Grund für die Ablehnung der F-35 sind die hohen Kosten, die pro Einheit zwischen 90 und 130 Millionen Euro liegen. Diese Kosten sind nach Auffassung der spanischen Regierung nicht mit den eigenen Verteidigungszielen vereinbar.
Die strategische Neuorientierung Spaniens sieht vor, 85 Prozent der Verteidigungsausgaben, die dem NATO-Ziel von 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entsprechen, in europäische Verteidigungsindustrien zu investieren. Dies ist eine Bedingung, die mit dem Kauf von amerikanischen F-35-Jets nicht erfüllt werden kann. Die Entscheidung ist ein klares politisches Signal, das die Stärkung der europäischen Rüstungsindustrie vor die transatlantische Zusammenarbeit stellt.
Europäische Optionen im Überblick: Ein schwieriger Kompromiß
Die Ablehnung der F-35 wirft die Frage auf, welche Alternativen Spanien in Betracht zieht. Die Optionen auf dem europäischen Markt sind begrenzt und bieten jeweils Vor- und Nachteile.
- Eurofighter Typhoon: Dieses bewährte Kampfflugzeug, das von einem europäischen Konsortium hergestellt wird und bereits in der spanischen Luftwaffe im Einsatz ist, wäre eine naheliegende Wahl. Es kann jedoch nicht vertikal starten und landen, was es für den Betrieb auf dem Flugzeugträger Juan Carlos I ungeeignet macht. Es könnte aber eine Rolle als Ersatz für die F-18-Jäger spielen, die von der spanischen Luftwaffe geflogen werden.
- Future Combat Air System (FCAS): Dieses Kampfflugzeug der nächsten Generation wird von einem Konsortium aus Frankreich, Deutschland und Spanien entwickelt. Es soll die F-35 in technologischer Hinsicht übertreffen. Jedoch wird die Markteinführung des FCAS nicht vor 2040 erwartet, was es als unmittelbaren Nachfolger für die Harrier-Flotte ausschließt.
Die spanische Regierung steht somit vor einem Dilemma. Sie muß eine operative Lücke zwischen 2030, wenn die Harrier-Flotte außer Dienst gestellt wird, und 2040, wenn das FCAS einsatzbereit sein soll, überbrücken. In dieser Zeit könnte der Flugzeugträger Juan Carlos I vorübergehend nur noch Hubschrauber einsetzen. Dies hätte erhebliche Auswirkungen auf die militärische Leistungsfähigkeit der spanischen Marine. Die Notwendigkeit von strategischer Marineplanung und möglichen Anpassungen am Schiff ist in den kommenden Jahren von entscheidender Bedeutung.
Politische Implikationen: Spannung mit den USA und Trump-Kritik
Die spanische Entscheidung, sich gegen die F-35 zu entscheiden, hat zu Spannungen mit den Vereinigten Staaten geführt. Insbesondere der ehemalige und jetzige US-Präsident Donald Trump hat die Haltung Spaniens kritisiert. Er warf dem Land vor, seine Verteidigungsausgaben nicht ausreichend zu erhöhen und drohte sogar mit der Einführung von Zöllen, falls Spanien nicht fünf Prozent des BIP in die Verteidigung investiere. Trumps Drohung, die weit über das von der NATO geforderte 2-Prozent-Ziel hinausgeht, unterstreicht die politischen Dimensionen des Geschäfts.
Die Ablehnung der F-35 durch Spanien erschwert zudem ein zuvor unterzeichnetes EU-US-Abkommen, das den Kauf großer Mengen von US-Verteidigungsgütern durch europäische Staaten vorsah. Die Entscheidung Madrids ist ein klares Zeichen für eine Abkehr von dieser Politik und hin zu einer stärkeren europäischen Verteidigungsautonomie.
Das spanische Verteidigungsmodernisierungs-Programm im Umfang von 10,5 Milliarden Euro unterstreicht diesen strategischen Wandel. Das Land investiert massiv in seine Streitkräfte, aber die Investitionen sollen in erster Linie die europäische Rüstungsindustrie stärken und die technologische Unabhängigkeit der EU fördern.
Ausblick: Eine mutige, aber riskante Entscheidung
Die Entscheidung Spaniens, die F-35 nicht zu kaufen, ist ein mutiger Schritt. Sie stärkt die Position der europäischen Verteidigungsindustrie und die politischen Beziehungen innerhalb der EU. Allerdings birgt die Entscheidung auch Risiken, insbesondere die drohende operative Lücke auf dem Flugzeugträger Juan Carlos I. Die spanische Marine wird in den kommenden Jahren vor großen Herausforderungen stehen, um ihre Einsatzfähigkeit zu gewährleisten. Der Weg, den Spanien einschlägt, ist ein Zeichen für eine tiefgreifende Veränderung in der europäischen Verteidigungspolitik. Die Staaten der EU streben danach, ihre eigenen militärischen Fähigkeiten zu entwickeln, um weniger von den USA abhängig zu sein. Die Entscheidung Madrids ist ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg und wird die Debatte über die Zukunft der europäischen Verteidigung in den kommenden Jahren maßgeblich prägen.