Die US-amerikanische Billigfluglinie Spirit Airlines steht vor einer entscheidenden Phase ihrer Restrukturierung im Rahmen des Insolvenzverfahrens nach Chapter 11. Im Mittelpunkt der aktuellen Entwicklungen steht eine Sale-and-Leaseback-Transaktion (SLB) für vier Airbus A321neo-Flugzeuge, die die Airline zwischen Dezember 2024 und April 2025 erhalten soll. Die Transaktion ist von zentraler Bedeutung, um dringend benötigte Liquidität zu sichern und den Fortgang des Flugbetriebs sicherzustellen.
Am 10. Dezember 2024 beantragte Spirit Airlines beim United States Bankruptcy Court for the Southern District of New York, die SLB-Transaktion zu genehmigen. Bereits am nächsten Tag stimmte das Gericht einer beschleunigten Anhörung zu, die nun für den 17. Dezember angesetzt ist. Spirit Airlines argumentiert, daß diese Dringlichkeit erforderlich sei, um die Finanzierung und Abwicklung der Flugzeugkäufe rechtzeitig sicherzustellen.
Die Airline betonte, daß die Transaktion unter normalen geschäftlichen Bedingungen stattfinden würde. Dennoch sei eine gerichtliche Genehmigung notwendig, um Transparenz für Vertragspartner und Sicherheit im Insolvenzverfahren zu gewährleisten. Das erste der vier Flugzeuge, ein Airbus A321neo mit der Hersteller-Seriennummer (MSN) 12324, soll bereits am 19. Dezember ausgeliefert werden.
Liquidität durch Sale-and-Leaseback
Die geplante SLB-Transaktion ermöglicht es Spirit Airlines, die Flugzeuge an den Leasinggeber Jackson Square Aviation (JSA) zu verkaufen und anschließend langfristig zurückzuleasen. Dies verschafft der Fluggesellschaft dringend benötigte Liquidität, indem sie hohe Vorauszahlungen für den Kauf in monatliche Leasingraten umwandelt.
Sollte die Transaktion nicht zustande kommen, wäre Spirit Airlines gezwungen, die Flugzeuge vollständig zu bezahlen, was einen zweistelligen Millionenbetrag umfassen würde. Diese Belastung könnte die Restrukturierungsbemühungen erheblich gefährden. Airbus, der Hersteller der Flugzeuge, hat bisher keine Zustimmung für eine Verschiebung der Auslieferungen gegeben, was zusätzlichen Druck auf die Airline ausübt.
Strategische Bedeutung der A321neo für Spirit
Die vier Airbus A321neo sind ein integraler Bestandteil der zukünftigen Flottenstrategie von Spirit Airlines. Diese Flugzeuge zeichnen sich durch ihre Wirtschaftlichkeit und größere Kapazität im Vergleich zu älteren Modellen aus. Ihre rechtzeitige Einführung ist nicht nur für den reibungslosen Flugbetrieb, sondern auch für die Beziehung zum Originalhersteller Airbus von entscheidender Bedeutung.
Spirit Airlines hat bereits Pläne für den Einsatz der Flugzeuge entwickelt. Verzögerungen könnten daher nicht nur zu Betriebsstörungen, sondern auch zu einem Vertrauensverlust bei Passagieren und Geschäftspartnern führen.
Ein schmaler Grat im Insolvenzverfahren
Spirit Airlines befindet sich seit dem 18. November 2024 im Insolvenzverfahren nach Chapter 11. Dieser Schritt ermöglicht es der Airline, ihre Schulden umzustrukturieren, während der Betrieb fortgesetzt wird. Die Fluggesellschaft hat ein Restrukturierungsunterstützungsabkommen (RSA) mit den meisten ihrer Gläubiger geschlossen, das die Liquidität um über 1,3 Milliarden Dollar verbessert. Dennoch sorgt das Verfahren für Unruhe bei einigen Aktionären, die die Geschäftsführung kritisieren und gerichtliche Untersuchungen fordern.
Blick auf Airbus und den Luftfahrtmarkt
Der Airbus A321neo gehört zu den gefragtesten Modellen des europäischen Herstellers. Bis Ende November 2024 hat Airbus bereits 643 Flugzeuge dieses Typs ausgeliefert und strebt ein Ziel von 770 Auslieferungen für das Jahr an. Die pünktliche Übergabe an Spirit Airlines spielt auch für Airbus eine wichtige Rolle, um diese ehrgeizige Zielmarke zu erreichen.
Die nächste Phase im Insolvenzverfahren wird zeigen, ob Spirit Airlines ihre Restrukturierung erfolgreich fortsetzen kann. Die SLB-Transaktion ist ein Schlüsselbaustein, um finanzielle Stabilität zu gewährleisten und die Modernisierung der Flotte voranzutreiben. Das Ergebnis der gerichtlichen Anhörung am 17. Dezember könnte weitreichende Auswirkungen auf die Zukunft der Airline haben.