Die Regierung von Bosnien und Herzegowina hat eine gezielte finanzielle Zuwendung für die bereits seit Jahren operativ eingestellte nationale Fluggesellschaft B&H Airlines beschlossen. Am 6. Mai 2026 wurde die Auszahlung von insgesamt 145.283 Konvertiblen Mark, was etwa 87.000 US-Dollar entspricht, autorisiert.
Diese Mittel sind zweckgebunden und dienen der Begleichung ausstehender Sozialversicherungsbeiträge und Lohnsteuern für vier ehemalige Angestellte des Unternehmens. Durch diese nachträgliche Regulierung der Verbindlichkeiten wird es den Betroffenen ermöglicht, ihre gesetzlichen Ansprüche auf eine staatliche Altersvorsorge geltend zu machen. Die Entscheidung verdeutlicht die langwierigen bürokratischen und sozialen Folgen, die die Liquidation staatlicher Großbetriebe in der Balkanregion nach sich ziehen kann. Trotz der offiziellen Einstellung des Flugbetriebs im Jahr 2015 bleibt das Erbe der Fluggesellschaft ein wiederkehrendes Thema in den Staatsfinanzen des Landes, wobei die Transparenz solcher Zahlungen bereits in der Vergangenheit Gegenstand kritischer Berichte des staatlichen Rechnungshofes war.
Der schwierige Weg der Liquidation seit 2015
Die Geschichte der B&H Airlines endete faktisch bereits vor über einem Jahrzehnt. Die Regierung von Bosnien und Herzegowina, die als Alleineigentümerin fungierte, sah sich im Jahr 2015 aufgrund massiver Schuldenberge gezwungen, den Betrieb einzustellen und das Liquidationsverfahren einzuleiten. Die Verbindlichkeiten gegenüber Gläubigern, darunter vor allem die Hypo Alpe Adria Bank für das Leasing von Flugzeugen des Typs ATR 72, hatten ein Ausmaß erreicht, das ohne radikale Schnitte nicht mehr zu bewältigen war. In den folgenden Jahren wurden Teile des Anlagevermögens, darunter Büroausstattungen und technische Geräte, veräußert, um zumindest einen Bruchteil der Schulden zu tilgen. Ein signifikanter Verkauf von Vermögenswerten im Jahr 2018 markierte einen wichtigen Meilenstein in diesem Prozess, konnte jedoch die komplexen Verpflichtungen gegenüber dem ehemaligen Personal nicht vollständig auflösen.
Die nun beschlossene Zahlung adressiert ein spezifisches Problem des bosnischen Sozialsystems. Wenn ein Arbeitgeber die vorgeschriebenen Beiträge für die Renten- und Krankenversicherung nicht abführt, entstehen für die Arbeitnehmer Lücken in der Erwerbsbiografie, die den Zugang zur staatlichen Pension blockieren. Im Fall der B&H Airlines betrifft dies eine kleine Gruppe von ehemaligen Mitarbeitern, deren Berufsjahre erst durch die aktuelle staatliche Intervention offiziell anerkannt werden können. Es ist ein rechtlicher Nachklapp, der zeigt, dass die Abwicklung eines staatlichen Carriers weit über das Grounding der Flotte hinausgeht.
Wiederkehrende Kritik durch staatliche Rechnungsprüfer
Die aktuelle Finanzspritze steht in einer Reihe von Zahlungen, die der Staat auch nach dem offiziellen Ende der Fluggesellschaft geleistet hat. Dies hat in der Vergangenheit wiederholt das Audit Office for the Institutions of Bosnia and Herzegovina auf den Plan gerufen. Die Rechnungsprüfer bemängelten in mehreren Berichten, dass weiterhin öffentliche Gelder in ein Unternehmen fließen, das keine wirtschaftliche Tätigkeit mehr ausübt und dessen Existenz nur noch auf dem Papier besteht. Die Kritik entzündete sich vor allem an der mangelnden Vorhersehbarkeit und der fehlenden abschließenden Bilanzierung der Liquidationskosten.
Die Regierung verteidigt diese Maßnahmen regelmäßig als soziale Verantwortung gegenüber den Bürgern, die im Staatsdienst tätig waren. Dennoch wirft die fortlaufende finanzielle Unterstützung Fragen zur Effizienz der ursprünglichen Abwicklungsstrategie auf. Während andere ehemalige Staatsbetriebe in der Region oft über Jahrzehnte in einem Schwebezustand verharren, sollte die Liquidation der B&H Airlines eigentlich einen klaren Schlussstrich ziehen. Die Realität zeigt jedoch, dass rechtliche Verpflichtungen aus Arbeitsverhältnissen den Staatshaushalt noch lange belasten können, wenn die ursprüngliche Insolvenzmasse nicht ausreicht.
Vom regionalen Akteur zum Symbol wirtschaftlicher Herausforderungen
B&H Airlines wurde ursprünglich mit großen Ambitionen gegründet, um die Konnektivität des Landes zu verbessern. Zeitweise hielt Turkish Airlines eine Beteiligung von 49 Prozent an dem Unternehmen, was als strategische Partnerschaft zur Modernisierung der Flotte und des Streckennetzes gedacht war. Interne Unstimmigkeiten über die strategische Ausrichtung und die finanzielle Lastenteilung führten jedoch zum Rückzug des türkischen Partners im Jahr 2012. Von diesem Zeitpunkt an war die Fluggesellschaft vollständig auf staatliche Subventionen angewiesen, was in einem zunehmend liberalisierten europäischen Luftverkehrsmarkt kaum dauerhaft tragfähig war.
Die Flotte, die zuletzt aus zwei ATR 72-212 bestand, bediente Ziele wie Istanbul, Wien, Zürich und Belgrad. Mit dem Wegfall der nationalen Fluggesellschaft entstand eine Lücke im Markt, die heute primär von ausländischen Billigfliegern und den großen europäischen Netzwerk-Airlines gefüllt wird. Der Flughafen Sarajevo hat sich zwar seither prächtig entwickelt und verzeichnet Rekordpassagierzahlen, doch der Traum von einer eigenen, profitablen Staatsairline ist in weite Ferne gerückt. Das Schicksal der B&H Airlines wird oft als Beispiel für die Schwierigkeiten kleinerer Staaten angeführt, im globalen Wettbewerb der Luftfahrt ohne massive private Investitionen oder eine starke Allianzintegration zu bestehen.
Soziale Sicherung als staatliche Daueraufgabe
Die aktuelle Entscheidung der Regierung unterstreicht die Rolle des Staates als Ausfallbürge. In Bosnien und Herzegowina ist die Sicherung von Pensionsansprüchen ein politisch sensibles Thema. Dass nun spezifisch für vier Personen eine Summe von fast 90.000 Dollar bereitgestellt wird, deutet auf die hohen aufgelaufenen Zinsen und Säumniszuschläge hin, die sich über die Jahre angesammelt haben. Es ist ein bürokratischer Kraftakt, der notwendig war, um die individuelle soziale Sicherheit der Betroffenen zu gewährleisten.
Gleichzeitig dient dieser Vorgang als Erinnerung für andere staatliche Institutionen in der Region, die mit ähnlichen Restrukturierungsprozessen befasst sind. Eine unvollständige Abwicklung von Arbeitsverhältnissen bei der Schließung von Unternehmen führt zwangsläufig zu späteren, oft teureren Nachforderungen an den Fiskus. Die finanziellen Mittel für B&H Airlines sind im aktuellen Budgetplan von Bosnien und Herzegowina vorgesehen, was bedeutet, dass andere Investitionsprojekte entsprechend geringer dotiert werden müssen.
Perspektiven für den Luftverkehrsstandort Sarajevo
Während die Ruinen der B&H Airlines noch immer verwaltet werden, orientiert sich der Luftverkehrsstandort Sarajevo neu. Die Strategie des Landes konzentriert sich nun darauf, den Flughafen durch Anreizprogramme für internationale Fluggesellschaften attraktiver zu machen, anstatt eine neue eigene Airline mit hohem finanziellem Risiko aufzubauen. Die Investitionen fließen heute in die Infrastruktur des Terminals und die Modernisierung der Abfertigungsprozesse.
Die Episode um die Nachzahlungen für die ehemaligen Mitarbeiter der B&H Airlines wird voraussichtlich eines der letzten Kapitel in der Geschichte dieses Unternehmens sein. Dennoch bleibt abzuwarten, ob nicht noch weitere versteckte Verbindlichkeiten in der Zukunft auftauchen. Für die vier ehemaligen Angestellten bedeutet die Entscheidung jedenfalls das Ende einer jahrelangen Ungewissheit über ihre berufliche Zukunft im Ruhestand. Für den Steuerzahler bleibt die Erkenntnis, dass die Kosten einer gescheiterten Staatsairline weit über das Ende des Flugbetriebs hinausreichen.