Logo Flughafen Klagenfurt (Foto: Andreas Knoll).
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Stadt Klagenfurt gibt Flughafenanteile nicht ab

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Die Landeshauptstadt Klagenfurt hat in einer bedeutenden strategischen Kehrtwende beschlossen, ihre Anteile am Flughafen Klagenfurt (KLU) vorerst zu behalten und eine Finanzspritze für notwendige Investitionen bereitzustellen.

Dieser Entschluss beendet vorerst die Spekulationen um einen möglichen Ausstieg der Kommune aus dem Flughafenbetrieb und signalisiert ein Bekenntnis zur Rolle des Flughafens als zentrale Verkehrsinfrastruktur Kärntens. Die Finanzierung der städtischen Investitionen soll teilweise durch die Verpachtung von ungenutzten Flächen auf dem Flughafenareal generiert werden, ein Schritt, der als Schlüssel zur zukünftigen Kostendeckung des Flugplatzes gilt.

Dieser Beschluss, der am Dienstag bekannt wurde, stellt einen wichtigen Meilenstein in der Sanierung und Neuausrichtung des Klagenfurter Flughafens dar, der in den vergangenen Jahren immer wieder im Zentrum finanzieller und politischer Auseinandersetzungen stand. Klagenfurt wird sich in den kommenden zwei Jahren neben dem Land Kärnten an den Investitionen beteiligen.

Finanzielle Beteiligung und Sicherung der Liquidität

Die Landeshauptstadt Klagenfurt sieht sich in der Pflicht, einen Beitrag zur Sicherung des Flugbetriebs und zur Weiterentwicklung der Infrastruktur zu leisten. Nach Angaben von Finanz-Stadträtin Constanze Mohar (SPÖ) beträgt der Anteil der Landeshauptstadt für die anstehenden Investitionen am Flughafen 1,3 Millionen Euro. Sie bestätigte gegenüber dem ORF Kärnten, dass Klagenfurt sich auch in den nächsten zwei Jahren finanziell engagieren wird, um gemeinsam mit dem Land Kärnten die notwendigen Mittel bereitzustellen.

Dieser Schritt erfolgt vor dem Hintergrund eines komplexen Eigentümerkonstrukts, bei dem das Land Kärnten und die Stadt Klagenfurt eine wichtige Rolle spielen, um die strategische Ausrichtung des Flughafens zu gewährleisten. Die Entscheidung, frisches Kapital bereitzustellen, ist ein notwendiges Signal der öffentlichen Hand, die finanzielle Stabilität der Kärntner Luftverkehrsdrehscheibe zu festigen und notwendige Modernisierungen zu ermöglichen. Die Beteiligung der Kommune ist oft ausschlaggebend, um die Kreditwürdigkeit des Flughafens für größere Entwicklungsprojekte zu sichern.

Wertschöpfung durch Flächenentwicklung

Der zentrale Baustein der neuen Finanzstrategie ist die Entwicklung und Verpachtung von ungenutzten Flächen auf dem Flughafenareal. Finanz-Stadträtin Mohar geht davon aus, dass der Flughafen nach der erfolgreichen Verpachtung dieser Liegenschaften wieder in der Lage sein wird, kostendeckend zu arbeiten. Dies würde die Abhängigkeit von direkten Subventionen der öffentlichen Hand signifikant reduzieren.

Anfang Oktober starteten europaweite Ausschreibungen zur Entwicklung von über 420.000 Quadratmetern sogenannter hochwertiger Flächen. Die ausgeschriebenen Areale befinden sich im Süden, Norden und Südosten des Flughafengeländes. Die Pläne sehen eine konkrete Nutzung für nicht-luftfahrtbezogene kommerzielle Zwecke vor, darunter die Errichtung eines Supermarktes und eines Hotels.

Dieses sogenannte „Non-Aviation“-Geschäft gewinnt für Flughäfen weltweit zunehmend an Bedeutung, da es eine stabile Einnahmequelle unabhängig vom schwankenden Flugbetrieb bietet. Durch die Bebauung und Verpachtung von angrenzenden Liegenschaften kann der Flughafen eine konstante Einnahmebasis schaffen, die zur Deckung der Fixkosten und zur Finanzierung der Betriebskosten der Start- und Landebahnen sowie der Terminals beiträgt. Es ist ein gängiges Modell, das darauf abzielt, das gesamte Flughafenareal als gemischtes Gewerbegebiet mit Fokus auf Logistik, Hotellerie und Einzelhandel zu entwickeln, wobei die Liegenschaften im Eigentum der Flughafen-Betriebsgesellschaft verbleiben.

Hintergrund des Eigentümerstreits

Die Entscheidung der Landeshauptstadt, die Anteile vorerst zu halten, steht in direktem Zusammenhang mit den turbulenten Eigentumsverhältnissen des Flughafens Klagenfurt in der jüngeren Vergangenheit. Die Flughafengesellschaft Kärntner Flughafen Betriebsgesellschaft m.b.H. (KFBG) war in der Vergangenheit mehrheitlich im Besitz eines privaten Investors, was zu erheblichen politischen Spannungen und Diskussionen über die künftige strategische Ausrichtung führte.

Der private Investor hatte mehrfach versucht, seine Mehrheitsanteile zu veräußern, was die Stadt Klagenfurt und das Land Kärnten vor die Frage stellte, ob sie ihre Anteile ebenfalls verkaufen oder ob sie das sogenannte „Zurückkaufrecht“ ausüben sollten, um die Kontrolle über die kritische Infrastruktur wieder vollständig in die öffentliche Hand zu überführen. Die nun getroffene Entscheidung, die Anteile zu behalten und sich an Investitionen zu beteiligen, signalisiert das vorrangige Interesse der öffentlichen Eigentümer, die Kontrolle über die Entwicklung des Standorts zu behalten und diesen als regionalen Verkehrsknotenpunkt zu sichern.

Die Einigkeit über die nun notwendigen Schritte zur Flächenentwicklung und Kostendeckung ist ein wichtiges Element, um die Zukunftsfähigkeit des Flughafens Klagenfurt zu gewährleisten.

Regionale Bedeutung des Flughafens Klagenfurt

Der Flughafen Klagenfurt spielt eine wesentliche Rolle für die regionale Wirtschaft Kärntens. Er dient als Tor für den Tourismus, insbesondere während der Sommersaison, und ist ein wichtiger Standortfaktor für die ansässigen Unternehmen. Die Sicherung des Flugbetriebs ist daher nicht nur eine finanzielle Frage, sondern eine Frage der regionalen Wettbewerbsfähigkeit.

Um die Rolle des Flughafens langfristig zu festigen, sind nicht nur die Einnahmen aus dem Nicht-Flugverkehrsgeschäft von Bedeutung, sondern auch eine Verbesserung der Fluganbindung, insbesondere zu wichtigen europäischen Drehkreuzen. Die öffentliche Finanzspritze und die Entwicklung der Infrastruktur dienen dem Ziel, den Flughafen für Fluggesellschaften attraktiver zu machen und neue Routen nach Klagenfurt zu locken, was die Frequenzen und die Erreichbarkeit der Region erhöhen würde.

Die Entscheidung von Klagenfurt, die Anteile zu behalten und in die Wertschöpfungskette durch Flächenentwicklung einzusteigen, markiert eine pragmatische Wende in der Flughafenpolitik. Anstatt sich aus der Verantwortung zu ziehen, setzen die öffentlichen Eigentümer auf eine Strategie der kontrollierten Entwicklung und der Diversifizierung der Einnahmequellen, um die langfristige Existenz der Kärntner Luftverkehrsdrehscheibe zu sichern.

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